Drohnen werden im Ukraine-Krieg für beide Kriegsparteien immer wichtiger – und für die Soldaten am Schlachtfeld immer unberechenbarer. Erstmals soll nun ein neu aufgetauchtes Video den Einsatz einer autonom agierenden russischen FPV-Drohne belegen. Die Ukraine vermeldete kurz darauf, auch selbst schon autonom agierende Kampfdrohnen zum Einsatz gebracht zu haben.

Am 6. Jänner um 11.35 Uhr war es so weit, da kam eine Meldung auf die bereits viele gewartet hatten, obwohl sich niemand darüber freut: Serhiy „Flash”, ukrainischer Soldat und Spezialist für Fernmelde- und elektronische Kampfführung, meldete auf seinem Telegramm-Kanal den Einsatz einer autonom agierenden russischen Drohne. „Zum ersten Mal sah ich mit eigenen Augen ein abgefangenes Video eines russischen FPV mit maschinellem Sehen und automatischer Zielerfassung – und das alles im Wärmebildmodus.”

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Zum besseren Verständnis: Beide Seiten (-> zu unserer Analyse aktueller Entwicklungen im Drohnen-Krieg in der Ukraine) setzen bei ihren FPV-Drohnen aktuell hauptsächlich auf analoge Bildübertragung, um die Reichweiten der Systeme zu erhöhen und ihre Robustheit gegenüber Störsignalen und Hindernissen zu verbessern. Störungen in der Analogübertragung äußern sich im Regelfall über immer stärkere Rauscheinflüsse. Innerhalb gewisser Grenzen können Bitfehler zwar digital repariert werden, darüber hinaus bricht die Übertragung aber fast schlagartig zusammen.

Ein Nachteil der Analog-Übertragung ist, dass der Gegner die FPV-Videobilder der anderen Seite sehr einfach abfangen kann. Und so dürfte auch Serhiy „Flash” (im Video unten ein Interview mit ihm aus dem vergangenen Juni) zu den oben angesprochenen Bildern aus einer russischen FPV-Drohne gekommen sein. Serhiy „Flash”: „Der Pilot fliegt das Ziel an und markiert es von oben, dann erledigt die Drohne alles weitere von selbst.”

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In seinem Telegram-Post erklärt Serhiy „Flash” anhand von vier konkreten Punkten, wie sich der Einsatz von FPV-Drohnen durch die neue Technik verändert:

  1. Elektronische Kriegsführung – also die Unterbrechung/Störung/Überlagerung des Funksignals zwischen Pilot und Drohne wird wirkungslos, sobald das Ziel markiert ist. Die Drohne steuert sich selbst und ist nicht mehr von funktionierender Signalübertragung abhängig.
  2. Erfahrene Piloten werden nicht benötigt. Den schwierigste Teil des Fluges, den Endanflug – oft muss eine Fläche kaum größer als ein Quadratmeter getroffen werden – erledigt die Drohne selbst.
  3. Der Verlust des Videobildes in Bodennähe bedeutet nicht mehr automatisch den Verlust der Drohne. Bisher werden Flüge über mehrere Kilometer durch Repeater unterstützt, um die Funksignale für Videobild und Steuerung über Hindernisse und Erdkrümmung auch noch in Bodennähe zu ermöglichen.
  4. Auch die noch schwierigere Übung, ein sich bewegendes Ziel zu treffen, übernimmt nun die Drohne.

Serhiy „Flash” abschließend: „Diese Entwicklung bereitet mir große Sorgen. Dadurch wird die Rolle von FPV im Krieg nochmals steigen.”

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Da die Katze nun aus dem Sack ist, veröffentlichte der ukrainische Militärgeheimdienst auf seinem Telegram-Kanal am Abend des 6. Jänner auch Videos von eigenen Angriffen mit autonom agierenden Drohnen. Darauf zu sehen sind zwei Angriffe von je einer Drohne auf russische Flugabwehrsysteme in der Oblast Belgorod. Den Infrarot-Bildern nach zu urteilen werden ein Pantsir-S1- sowie möglicherweise ein TOR M2E-System ins Ziel genommen und anschließend durch Drohnen autonom angegriffen. Um welche Typen es sich bei den eingesetzten UAV handelt, ist unklar. Es könnten Phoenix Ghost sein, die definitiv an die Ukraine geliefert wurden, aber nicht in Verwendung der regulären Truppe stehen.

Quelle@Archiv