Österreich steht vor einem richtungsweisenden Entscheid über die Zukunft seiner aktiven und passiven Luftraumüberwachung. Dabei stehen unterschiedlichste Varianten zur Dikussion – unter anderem im Rahmen eines Government-to-Government-Geschäfts (G2G) auch eine 1-Flotten-Lösung mit neuen Saab Gripen C/D als Ersatz für die vorhandenen Eurofighter und Saab-105Ö. Wir haben mit Saab-Sales Executive Per Alriksson über diese Variante und die Vorteile des Gripen gesprochen.

Herr Alriksson, bei der anstehenden Entscheidung über die Zukunft der aktiven und passiven Luftraumüberwachung könnte neben anderen Herstellern auch Saab eine Rolle spielen. Zur Diskussion soll eine 1-Flotten-Lösung mit Gripen C/D als Ersatz von Eurofighter und Saab-105Ö stehen?
Das ist richtig. Gripen C ist die Einsitzer-Version, Gripen D ein Zweisitzer. Mit dem Einsitzer würden wir die aktive Komponente der Luftraumüberwachung abdecken und mit dem Zweisitzer gäbe es eine hervorragende Trainingsmöglichkeit. Unter dem Strich lässt sich damit die gegenwärtige Flugzeugflotte der österreichischen Luftwaffe vollständig ersetzen – und das gilt übrigens auch für die Zukunft. Das Gripen-System wird kontinuierlich weiterentwickelt und weiter aufgerüstet. Dadurch ist sichergestellt, dass die österreichische Luftwaffe während der gesamten Lebensdauer von Gripen technologisch stets auf dem neuesten Stand ist.

@Saab
Als Alternative zu einer 2-Flotten-Lösung ist in Österreich auch eine 1-Flotten-Lösung mit 15 Einsitzern Gripen C und 3 Zweisitzern Gripen D vorstellbar.

Könnte Gripen auch Teil einer möglichen 2-Flotten-Lösung sein?
Mit Gripen können alle benötigten jährlichen Flugstunden produziert werden – sei es mit Trainings oder in Missionen wie Luftpolizeidienst mit Überschallgeschwindigkeit. Als Multirole-Kampfflugzeug garantiert Gripen die zuverlässige Einsatzbereitschaft rund um die Uhr, bei jedem Wetter und mit allwettertauglichen sowie modernen Waffensystemen. Es bräuchte also keinen anderen Flugzeugtypen mehr neben Gripen. Damit würde die Beschaffung dem Bericht der Sonderkommission „Aktive Luftraumüberwachung“ aus dem Jahr 2017 folgen (Anm.: hier geht es zum Bericht), der damals den Betrieb einer 1-Flottenlösung mit Einsitzern und Zweisitzern empfahl.

Welche Vorteile sprechen aus Ihrer Sicht im Vergleich zu den anderen Kandidaten für Gripen?
Gripen erfüllt sämtliche Anforderungen der österreichischen Luftwaffe und ist vom ersten Tag an kosteneffizient. Die niedrigen Betriebskosten, kombiniert mit einem sehr robusten und leistungsfähigen Flugzeug, machen den Jet zu einer sehr attraktiven Lösung für jede moderne Luftwaffe, einschließlich Österreichs. Aus militärischer Sicht ist der Schutz des eigenen Luftraums eine der wichtigsten Aufgaben eines Landes und diese Aufgabe – insbesondere die luftpolizeilichen Einsätze – kann nur mit einem Überschalljet erfüllt werden.

@Saab
Per Alriksson ist Sales Executive des schwedischen Jetherstellers Saab und ehemaliger Draken- und Gripen-Pilot.

Wie rasch könnte Saab neue Jets liefern?
Sollte Österreich beschließen, seine derzeitige Flotte gegen eine 1-Flotten-Lösung auszutauschen, würden innerhalb von 24 Monaten nach Vertragsunterzeichnung fabrikneue Flugzeuge direkt vom schwedischen Werk in Linköping ausgeliefert. Mit einem nahtlosen Übergang vom derzeitigen 2-Flotten-Betrieb und einer effizienten Ausbildung von Piloten und Technikern wäre die österreichische Luftwaffe innerhalb von etwa zwei Jahren nach Vertragsunterzeichnung einsatzbereit.

Könnte von einem Auftrag in irgendeiner Form auch die österreichische Industrie profitieren?
Im Bereich der Flugzeuginstandhaltung (Anm.: MRO – Maintenance, Repair, Overhaul) arbeitet Saab seit Jahren eng mit der österreichischen Industrie zusammen. Kundenspezifisch werden zudem Lösungen erarbeitet, welche die geforderte Verfügbarkeit mit den niedrigsten Betriebs- und Anschaffungskosten in Einklang bringt. Die breite Palette von Unterstützungslösungen ist abhängig vom geforderten Grad an Eigenständigkeit des Kunden und reicht bis hin zur „schlüsselfertigen” Komplettlösung. Bei all dem achten wir aber stets auf die maximale Ausnutzung bestehender Infrastruktur. Letztlich geht es bei diesem Support-Konzept also um den Aufbau von Kapazitäten in der lokalen Industrie und um die Optimierung von Lieferketten.

Hier geht es zu weiteren Meldungen rund um Saab und hier zu den anderen Beiträgen unserer Serie „5 Fragen an”.

Quelle@Saab