Das Bundesheer stellt während der Wintermonate im gesamten Bundesgebiet sogenannte Lawineneinsatzzüge. Sie bestehen jeweils aus zwei Suchgruppen, einer Spezialgruppe mit Heeresbergführern und Heeres-Hochgebirgs-Spezialisten sowie einem Versorgungs- un Nachschubelement. Kommandant ist immer ein Heeresbergführer, wie Oberstabswachtmeister Markus Fahrnberger erklärt.

Herr Oberstabswachtmeister, Sie sind Heeresbergführer und Kommandant eines Lawineneinsatzzuges – was ist die größte Gefahr bei einem Lawinenabgang?
Neben der unmittelbaren Verletzungsgefahr, wenn einen die Lawine beispielsweise gegen Felsen oder Bäume drückt, ist das definitiv die Gefahr einer Totalverschüttung. In so einem Fall hat man meist nur eine kleine oder überhaupt keine Atemhöhle, deshalb sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit schon 15 Minuten nach der Verschüttung rapide.

@Sebastian Freiler
Oberstabswachtmeister Markus Fahrnberger ist Heeresbergführer und Kommandant eines Lawineneinsatzzuges.

15 Minuten sind nicht viel.
Nein, das ist sogar extrem wenig, wenn man berücksichtigt, dass sich Rettungsteams nach der Alarmierung meist erst auf den Weg auf den Berg machen müssen. In so einem Fall können nur Ersthelfer vor Ort schnell eingreifen, weshalb es auch so wichtig ist, dass man bei Touren im verschneiten alpinen Gelände ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Schaufel und Sonde mit sich führt – und damit auch umzugehen weiß.

Nach einem Lawinenabgang wird zuerst die Bergrettung alarmiert. Sie sind Kommandant eines Lawineneinsatzzuges des Bundesheeres, wann kommt Ihr Zug zum Einsatz?
Dann, wenn er von den Behörden angefordert wird. Das ist meist dann der Fall, wenn es sich um einen größeren Lawinenabgang mit mehreren Verschütteten handelt, in einem Gebiet zeitgleich mehrere Lawinen abgehen oder die Kräfte der Bergrettung vor Ort bereits erschöpft sind. Die Arbeit in einem Lawinenkegel ist extrem anstrengend und schweißtreibend, der Schnee durch die Wucht der Lawine derart komprimiert, dass er stellenweise fest wie Eis ist. Die Erschöpfung tritt bei den Rettungsteams also deutlich schneller ein, als man sich das vielleicht vorstellen mag.

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Wie läuft der Einsatz dann konkret ab?
Die Leitstelle alarmiert im Regelfall zeitgleich mit der Bergrettung auch die Flugrettung – von Polizei oder diversen Rettungsdiensten. Die machen zunächst eine Sichtung und einen Überflug des Lawinenkegels aus der Luft, setzen dann vor Ort Flugretter ab und beginnen direkt mit dem Transport weiterer Rettungskräfte auf den Berg. Wir kommen dann im Idealfall auch mit Helikoptern auf den Berg und führen unser gesamtes benötigtes Equipment mit uns, um vor Ort direkt mit dem Einsatz beginnen zu können.

Abschließend: Im Regelfall geht es bei Ihrer Arbeit darum, die Gefahren durch Lawinen zu miniminieren. Lassen sich Lawinen aber auch militärisch einsetzen?
Natürlich. Durch Sprengung oder Beschuss können Lawinen auch künstlich ausgelöst werden, was etwa dann sinnvoll ist, wenn ich die Bewegung eines Gegners hemmen oder die Fortbewegung der eigenen Kräfte unterstützen möchte. Durch eine zielgerichtet zum Abgang gebrachte Lawine können beispielsweise eigene Verkehrswege und Marschstrecken gesichert werden. Damit lassen sich aber auch Hindernisse für Gegner aufbauen, feindliche Fortbewegungs­linien blockieren oder Truppen direkt gefährden.

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Quelle@Sebastian Freiler, Markus Fahrnberger