Nachdem die USA schon zuletzt große Beträge (Militär Aktuell berichtete) zur Unterstützung der ukrainischen Armee mit Waffen locker gemacht haben, bat Joe Biden nun den Kongress um die Genehmigung eines bisher unvergleichlich großen, neuen Hilfspakets für die Ukraine im Wert von rund 33 Milliarden US-Dollar (rund 31 Milliarden Euro).

Der Großteil des Geldes soll in die Ausweitung der Hilfe für die ukrainischen Sicherheitskräfte in ihrem Widerstand gegen die russischen Invasoren (wie es in Redebeiträgen von US-Politikern hieß) fließen, aber mehr als zehn Milliarden US-Dollar würden auch humanitäre Hilfe und Bemühungen zu Kiews wirtschaftlicher Erholung unterstützen. Das Volumen dieses Voranschlags ist mehr als doppelt so hoch wie die vom US-Kongress seit Ende Februar – in Reaktion auf Russlands Angriff in der Ukraine – bereits genehmigten Gelder und Unterstützungsleistungen. Vieles davon – wie beispielsweise ein Großteil der Artilleriegschütze – wurde in den vergangenen Woche auch bereits tatsächlich geliefert.

@US DoD
Offiziellen Informationen zufolge wurden bereits 60 Prozent der für die Ukraine vorgesehehen M777-Geschütze ins Land gebracht.

Noch vor dem Beginn der russischen Offensive in der Ostukraine, beschlossen die USA dem ukrainischen Militär eine robustere und durchhaltefähigere Unterstützung zukommen zu lassen, um ihre Stellungen halten zu können – einschließlich eben Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie. Ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter sagte, dass es ukrainischen Einheiten bisher gelungen sei, Russlands Militär bei seinem Hauptvorstoß in die östliche Donbass-Region auf „langsame, ungleichmäßige und schrittweise Fortschritte” zu beschränken. Aber Fortschritte eben, trotz „Rasputiza”-Schlammperiode. Abseits der Kämpfe seien laut US-Erkenntnissen zudem 20 russische taktische Kampfgruppen (BTGs) in Erholungs- und Wiederauffüllstatus.

Multi-Milliarden-Entschlossenheit zur Schwächung Moskaus
Die Ratio der USA aus den jüngsten Entwicklungen ist, wie es US-Verteidigungsminister Lloyd Austin nach einem Treffen mit der ukrainischen Führung ausdrückte: „Wir wollen, dass Russland so weit geschwächt wird, dass es nicht mehr in der Lage ist, so etwas wie die Invasion in der Ukraine zu tun. Russland hat in der Ukraine erhebliche militärische Verluste erlitten und viele seiner Truppen verloren. Das Pentagon arbeitet daran sicherzustellen, dass Russland nicht mehr die Möglichkeit hat, diese Fähigkeit schnell zu reproduzieren.” Wie sich dieses „daran arbeiten” in – scheinbar unbegrenzt – bereitgestellte Finanzmittel umlegt, hat „National Security Reporter” Jack Detsch zusammengefasst. Seine Zusammenfassung reicht von einem ersten, 350 Millionen US-Dollar schweren, Unterstützungspaket am 25. Februar bis hin zum aktuellen 33 Milliarden US-Dollar-Paket.

@TwitterDas nunmehr geplante neue Hilfspaket soll sich übrigens aus insgesamt 20,4 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung des ukrainischen Militärs und anderer Sicherheitskräfte beziehungsweise zur Aufstockung gelieferter Waffen aus US-Beständen sowie 8,5 Milliarden US-Dollar für Wirtschaftshilfen und drei Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfsleistungen zusammensetzen. Die erwähnten 20,4 Milliarden US-Dollar widerum enthalten unter anderem 5 Milliarden US-Dollar für sogenannte „Drawdown”-Aktivitäten, 6 Milliarden US-Dollar für die die „Ukraine Security Assistance Initiative” und 4 Milliarden US-Dollar für das „Foreign-Military-Finanzierungsprogramm” des US-Außenamts (State Department).

Das neue Hilfspaket soll – laut Weißem Haus – noch mehr gepanzerte Fahrzeuge (zu den 200 bereits genehmigten M113 Schützenpanzern), Artillerie, Luftverteidigungssysteme, Panzerabwehrwaffen, Unterstützung für die Cyberkriegsführung und Vieles mehr umfassen. Neben der US-Militärhilfe beinhaltet auch die Hilfe anderer Länder zunehmend höherwertige und schwerere Systeme, darunter eben Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge, schwere Artilleriegeschütze und unbemanntes Fluggerät. Dazu zählt auch die sogenannte „herumlungernde Munition” (oder „Kamikaze-Drohnen”) wie das bisher unbekannte Produkt Phoenix-Ghost, das eine ähnliche Rolle ausfüllen dürfte wie die bereits bekannten Systeme Switchblade-300 und -600.

Ukraine: Das Kriegsgeschehen im Zeitraffer

Training inklusive
Natürlich mussten die USA (und andere Länder) für alle jene Massen an Ausrüstung und Bewaffnung auch neue Schulungsprogramme einrichten, darunter an verschiedenen Standorten in Europa, um ukrainisches Personal auf all den Systemen zu unterweisen, was sie jetzt erhalten haben oder in naher Zukunft erhalten werden. So sind  – während europäische Entscheidungsebenen noch zwischen Talk-Shows und Ausschüssen feststecken – beispielsweise 60 Prozent der angekündigten M777-Geschütze laut DoD-Offiziellen bereits in der Ukraine. Und am 27. April begann an jenem Artillerie-System (mit 40 Kilometern Reichweite) bereits das zweite Training von mehr als 50 Ukrainern. Auch für die dazugehörigen Q-64 Radargeräte (15 bis 20 Mann) sowie die 200 Stück M113 Schützenpanzer laufen bereits die zweiten Kurse. Wodiese stattfinden, wird aber logischerweise geheim gehalten.

Quelle@US DoD
Der Autor ist einer der renommiertesten österreichischen Luftfahrtjournalisten, Korrespondent des britischen Jane’s Defence und schreibt seit vielen Jahren für Militär Aktuell.