Amir Bettesh ist Vizepräsident für Marketing und Geschäftsentwicklung bei Elbit Systems. Wir haben mit dem Manager für unsere Herbst-Ausgabe (-> hier geht es zur Abobestellung) über das Drohnensystem Hermes 900 und dessen mögliche Beschaffung durch das Bundesheer gesprochen.

Herr Bettesh, Österreich plant im MALE-Drohnensegment (mittlere Höhen, mittlere Reichweiten) die Beschaffung von optional auch bewaffnungsfähigen Systemen. Haben Sie davon bereits gehört?
Natürlich – und wir stehen auch bereits in Kontakt mit der zuständigen Abteilung Ihres Ministeriums.

Werden Sie dort das Hermes 900-System vorschlagen, ähnlich dem, das die Schweiz beschafft hat?
Ja, das gedenken wir zu tun, aber wir nennen das System in diesem Fall Starliner. Das haben sich die Österreicher in der Schweiz auch schon angesehen.

@Armasuisse
Mit dem Erhalt der Musterzulassung durch die CAAI erfüllt das auch in der Schweiz beschaffte Hermes Starliner UAS von Elbit Systems die NATO-Standards für die Zulassung von UAS zur Integration in den zivilen Luftraum.

Dieser Name erinnert an die letzte Version der seligen Lockheed Constellation …
… hat damit aber nichts zu tun. Es gibt zwei Hermes-Versionen: die militärische Standardvariante und die zivil zertifizierte für den gemeinschaftlichen Luftraum, das ist die Starliner. Den Schweizern war es sehr wichtig, diese Zulassung herzustellen, und ich denke, dass das auch für Österreich wichtig sein würde. Um vollständig für Operationen im zivilen Luftraum zugelassen zu sein, ist der Nachweis erweiterter Sicherheits- und Lufttüchtigkeitsmerkmale wie beispielsweise Hinderniserkennung und Kollisionsvermeidung erforderlich – das macht unser System einzigartig.

Mit welchen anderen Drohnen lässt sich der Starliner in Größe und Leistungsfähigkeit vergleichen?
Im Vergleich zum bekannten US-System MQ-9 Reaper mit seinen bis zu fünf Tonnen Startgewicht liegen wir bei nur 1,5 Tonnen. Trotzdem lassen sich mit Höhen von bis zu 30.000 Fuß und bis zu 24 Stunden Verweildauer rund 80 Prozent der Leistung der Reaper abdecken – das aber mit nur 25 Prozent des Personals und bei 25 Prozent der Lebenszykluskosten.

Generalmajor Dorfer und Brigadier Promberger bestätigt

Wie viele Leute braucht es, um sechs bis acht Plattformen zu betreiben? Einschließlich Piloten, Sensorbetreibern und Technikern.
Insgesamt etwa 40 Leute, gerechnet inklusive Schichtbetrieb. Dabei sind prinzipiell alle Arten elektronischer Nutzlasten möglich, elektronische Signale wie optische Aufklärung, Störbehälter, Radarnutzlasten und dergleichen – und das entweder via Satellitenanbindung oder in direkter Sichtlinie bis zu 350 Kilometer. Dabei kann der Starliner nicht nur in militärischen Rollen eingesetzt werden, sondern ist als zivil zertifiziertes UAV auch für Brand- und Umweltbeobachtung oder Grenz- und Migrationsüberwachung einsetzbar.

Hier geht es zu weiteren Meldungen rund um Elbit Systems und hier zu den anderen Beiträgen unserer Serie „5 Fragen an”.

Quelle@Georg Mader, Armasuisse
Der Autor ist einer der renommiertesten österreichischen Luftfahrtjournalisten, Korrespondent des britischen Jane’s Defence und schreibt seit vielen Jahren für Militär Aktuell.