Die Umbrüche im arabischen Raum haben genauso wenig stabile Verhältnisse gebracht wie die US-geführten Interventionen in Afghanistan und im Irak. Die Verbreitung des IS-Terrors führt zu Destabilisierung, fördert Gewaltherrschaft und macht viele Reformbemühungen zunichte. In Libyen stellt sich die Frage, ob eine tragfähige Einheitsregierung gebildet und die Etablierung des Islamischen Staats verhindert werden kann.

Innerstaatliche Kriege und militärische Interventionen führten zu dauerhafter Instabilität. Angesichts der zahlreichen bewaffneten Konflikte, des steigenden Einflusses nichtstaatlicher Gewaltakteure (Terroristen, Warlords) und der Handlungsschwäche von Regierungen sehen manche Analytiker Unordnung, Chaos und Gewalt daher in manchen Regionen bereits als „the new normal”, als neuen, brutalen Normalzustand, an.

Demgegenüber entsteht eine multi­polare Weltordnung, die sich gegen die US-Dominanz richtet. Aber „Pole” wie China, Indien, Russland, Brasilien oder die Europäische Union haben entweder nicht das Interesse oder das Vermögen, allein oder gemeinsam weltweit für Sicherheit und Frieden zu sorgen. Die USA wiederum sind es leid, den „Weltpolizisten” zu spielen. Nicht nur, weil auch ihre Ressourcen begrenzt sind. Vor allem, weil die negativen Erfahrungen mehr Skepsis als Motivation für zukünftige Einsätze bewirken. Gerade für Afrika kann das bedeuten, dass sich bewaffnete Konflikte ungehindert ausbreiten könnten, wenn niemand bereit ist, dagegen aufzutreten.

Was heißt das für Syrien? Kann Russland die neue Ordnungsmacht im Nahen Osten sein? Wohl kaum angesichts seiner beschränkten Ressourcen, der Spannungen mit der Türkei und der Rivalität Saudi-Arabiens und des Irans. Aber wer verhindert dann, dass Instabilität und Chaos zum „new normal” im Mittleren Osten und nordafrikanischen Raum werden?

Eine Frage, die wie ein Damoklesschwert über den aktuellen Entwicklungen schwebt.

Lesen Sie dazu auch die Analyse „Saudi-Arabien vs. Iran: Islamischer Machtkampf” von IFK-Experte Walter Posch. Hier geht es außerdem zu weiteren Beiträgen von IFK-Leiter Brigadier Walter Feichtinger.

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Der Autor ist seit 2002 Leiter des Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) an der Landesverteidigungsakademie.