„Italienischer Kriegsschauplatz: An der ganzen Südwestfront nahm die Gefechtstätigkeit erheblich zu. Bei Flitsch, bei Tolmein und im Nordteile der Hochfläche von Bainsizza-Heiligengeist brach österreichisch-ungarische und deutsche Infanterie nach mächtiger Artillerievorbereitung in die italienischen Linien ein. Der Chef des Generalstabes.”

@Archiv RauchenbichlerSo meldete die Zeitung Neues Wiener Tagblatt am 25. Oktober 1917 auf der Titelseite die amtliche Mitteilung über den Beginn des Durchbruchs bei Flitsch. Dieser Durchbruch war die letzte von zwölf Schlachten am Isonzo. Nach elf Abwehrschlachten, handelte es sich hierbei um die einzige Isonzo-Offensive der k.u.k. Armee. Mit der Unterstützung des deutschen Verbündeten wurde diese Schlacht ein großer, taktischer Erfolg, der von der Habsburgermonarchie jedoch teuer bezahlt wurde.

Die ersten elf Schlachten am Isonzo
Am 23. Mai 1915 erfolgte die Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn. Italiens Generalstabschef Cadorna verfolgte den Plan, über die Städte Görz und Triest in das Laibacher Becken vorzustoßen, um von dort das Zentrum der Habsburgermonarchie zu erreichen. Am Fluss Isonzo standen sich an hauptsächlichen Kräften die 5. k.u.k. Armee unter General Boroevic sowie die italienische 2. und 3. Armee gegenüber. In diesen elf Schlachten griffen die italienischen Truppen an, während sich die k.u.k. Truppen durchgehend in der Defensive befanden.

Das Kriegsjahr 1915
Am 23. Juni 1915 eröffnete ein heftiger Artillerieschlag italienischer Geschütze auf die k.u.k.  Verteidigungsstellungen die erste von vier Isonzoschlachten dieses Jahres. Der Schwerpunkt der italienischen Angriffe lag im Raum um die Stadt Görz. Den kriegserprobten k.u.k. Soldaten gelang es, ihre Stellungen im Wesentlichen zu halten. Im Mittelpunkt dieser Schlachten stand der Berg Monte San Michele, der einen Eckpfeiler der Verteidigung von Görz darstellte. Der Wintereinbruch ließ die italienische Führung die Angriffe der 4. Isonzoschlacht am 11. Dezember 1915 einstellen.

Das Kriegsjahr 1916
Die 5. Isonzoschlacht bestand aus einer kurzen Offensive von 11. bis 16. März 1916. Die italienischen Truppen versuchten erfolglos den Monte San Michele zu erstürmen. Danach verlegte die k.u.k. Armee die Masse ihrer Kräfte nach Südtirol und versuchte die Isonzofront aus den Dolomiten anzugreifen. Dieses Unternehmen scheitere im Frühjahr 1916 vor allem daran, dass es General Cadorna gelang, die innere Linie auszunutzen und seine Truppen rasch vom Isonzo nach Südtirol zu verlegen.

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Soldatengruppe in einer Stellung im Karst.

Nach dem Scheitern dieser k.u.k. Südtiroloffensive, gelang es Cadorna den Großteil seiner Truppen – vom k.u.k. Generalstab unbemerkt – an den Isonzo zurückzuverlegen. Als die italienischen Truppen am 6. August die 6. Isonzoschlacht eröffneten, waren die österreichisch-ungarischen Truppen von der Wucht der Angriffe überrascht. Die k.u.k. Armee wurde an mehreren Stellen zurückgeworfen und nach der italienischen Eroberung des Monte San Michele brach die Verteidigung von Görz zusammen. Mit der Einnahme von Görz durch die Italiener endete diese Schlacht am 17. August.

Die langersehnte Eroberung von Görz bedeutete eine beträchtliche Moralsteigerung für die italienische Armee. Daher entschloss man sich noch im Herbst 1916, eine Reihe von weiteren Angriffen auf die Stellungen der k.u.k. Armee durchzuführen. Im Zentrum der 7. bis 9. Isonzoschlachten lagen die Stadt Triest beziehungsweise die Karsthöhen um Görz. Zwar versuchte die italienische Armee erneut, mit massivem Druck die Front der k.u.k. Armee zu durchbrechen, doch gelangen ihr nur unbedeutende Geländegewinne. Während diese Geländeverluste in den 3 Herbstschlachten für die k.u.k. Monarchie nicht so stark ins Gewicht fielen, waren deren personellen Verluste fast unersetzbar.

Das Kriegsjahr 1917
Nach einer Pause von fast einem halben Jahr trat das italienische Heer am 12. Mai 1917 zur 10. Schlacht am Isonzo an. Am 4. Juni endete diese Schlacht mit der Eroberung der Kuk-Höhe im Karstgebiet nördlich von Görz, welche einen guten Ausgangspunkt für weitere Angriffe auf das Laibacher Becken darstellte. Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Schlacht war die enorme Zahl an italienischen Gefangenen, welche sich durch die bereits nachlassende Kampfmoral erklären lässt.

Am 18. August 1917 begann das italienische Trommelfeuer auf die österreichisch-ungarischen Truppen, und das bedeutete den Auftakt zur 11. Isonzoschlacht. Bis 13. September griffen die italienischen Truppen mit Todesverachtung an, wirkungsvoll unterstützt durch tödliches Artilleriefeuer. Ein Eckpfeiler dieser Kämpfe war der Monte San Gabriele, dessen Verlust die Lage am Isonzo für die k.u.k. Armee unhaltbar gemacht hätte. Die rücksichtslose Verteidigung dieses Berges ließ ihn als „Berg des Todes” in die Kriegsgeschichte eingehen.

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Zeitgenössische Aufnahme des Ortes Tolmain (Tolmein).

Angesichts der elf erfolglosen Versuche, die Isonzofront trotz einer Übermacht an Infanterie und Artillerie zu durchbrechen, kam es in der italienischen Armee sowie der italienischen Bevölkerung zu großer Enttäuschung und sogar zu Unruhe bis hin zur offenen Meuterei. Bei der österreichisch-ungarischen militärischen Führung entwickelte sich der Gedanke, dem Gegner mit einer eigenen Offensive zuvorzukommen. Man glaubte nämlich nicht, eine weitere Verteidigungsschlacht erfolgreich durchstehen zu können. Besondere Berücksichtigung verdienen die Verluste in der 11. Schlacht, die aufgrund von Krankheiten zum Tragen kamen. Auf beiden Seiten betraf dies jeweils rund 500.000 Mann. Medizinische Experten führten diese hohen Ausfälle bereits damals auf die schlechte Versorgung der eingesetzten Truppen zurück.

Charakteristisch für alle Isonzoschlachten war es, dass die italienische Armee der k.u.k. Armee personell und materiell um ein Vielfaches überlegen war. Das galt besonders für die hohe Ausstattung an Artilleriemunition. Darüber hinaus hatte die italienische Armee den Vorteil, nur an einer Front Krieg führen zu müssen, während die Isonzofront für die k.u.k. Armee neben dem Balkan und der russischen Front, den bereits dritten Kriegsschauplatz darstellte. Neben den Truppenkörpern aus dem Gebiet des heutigen Österreichs kämpften auch die südslawischen Soldaten mit besonderer Motivation, um den Italienern einen Einbruch in ihre Heimat zu verwehren.

Zu den Eigenheiten des Kampfgebietes im Karstgebiets gehörte:

  • die Splitterwirkung des Untergrundes
  • die Schwierigkeiten, wetterfeste Unterkünfte zu bauen
  • die Verseuchung der wenigen Trinkwasserquellen durch Gefallene
  • die Logistikprobleme bei der Truppenversorgung
ungefähre Verluste mit Todesfolge in der italienische Armee k.u.k. Armee
1. Isonzoschlacht (23. Juni – 7. Juli 1915 15.000 10.000
2. Isonzoschlacht (15. Juli – 10. August 1915) 42.000 46.000
3. Isonzoschlacht (18. Oktober – 5. November 1915) 67.000 42.000
4. Isonzoschlacht (10. November – 11. Dezember 1915) 49.000 25.000
5. Isonzoschlacht (11. – 16. März 1916) 2.000 2.000
6. Isonzoschlacht (4. – 17. August 1916) 51.000 42.000
7. Isonzoschlacht (14. – 17. September 1916) 17.000 20.000
8. Isonzoschlacht (9. – 12. Oktober 1916) 24.000 25.000
9. Isonzoschlacht (31. Oktober – 4. November 1916) 16.000 11.000
10. Isonzoschlacht (12. Mai – 5. Juni 1917) 160.000 125.000
11. Isonzoschlacht (18. August – 13. September 1917) 150.000 100.000

 

Der Durchbruch bei Flitsch – 24. Oktober 1917
Nach mehrwöchiger, intensiver Vorbereitung begann am 24. Oktober 1917 die 12. und letzte Schlacht am Isonzo. Am Beispiel der 22. k.u.k. Schützendivision und dessen Schützenregimenter Graz Nr. 3 und Marburg Nr. 26 soll der erfolgreiche Durchbruch der vereinten deutschen und österreichischen Divisionen dargestellt werden.

@GM. Schöfer, Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg, Wien 1934
Verlauf des Durchbruchs.

Die Vorbereitungen und der Aufmarsch
Noch während die k.u.k. Truppen in der 11. Isonzoschlacht im Abwehrkampf standen, kam es zu Überlegungen bezüglich einer eigenen Offensive. Das k.u.k. Oberkommando ersuchte das Deutsche Kaiserreich, Truppen an die Isonzofront zu verlegen. Obwohl das Deutsche Kaiserreich diese Front bisher nur als Nebenkriegsschauplatz zur Kenntnis genommen hatte, entschloss es sich diesmal, sechs Divisionen an den Isonzo zu verlegen. Dazu kamen noch ausgewählte Gebirgsbataillone, aus denen noch eine weitere Division gebildet wurde. Zusätzlich verlegte man zahlreiche Artillerieverbände inklusive Gaswerfer, und Flugzeugkräfte an den Isonzo.

Für den Transport der Truppen und Kriegsmaterialien verbesserte Österreich-Ungarn sein vorhandenes Eisenbahnnetz und baute es großzügig aus. Bis zum Beginn der Offensive wurden über 2.200 Züge in den Aufmarschraum gefahren. Die zumeist eingleisigen Bahnstrecken waren jedoch rasch überlastet und die Transportzüge stauten sich weit in das Hinterland. Der Zeitplan, um die benötigten Truppen, Waffen und Munition an den Isonzo zu verlegen, geriet ins Stocken. Aus diesem Grund musste die Offensive um zwei Tage nach hinten verlegt werden.

Die Folgen dieses militärischen Aufmarsches waren auf dem zivilen Sektor jedoch nicht vorherzusehen. Von September bis Dezember 1917 waren zwei Drittel der in der Monarchie vorhandenen Güterwagen für den Aufmarsch am Isonzo eingesetzt. Diese Züge fehlten jedoch, um die Ernte, besonders die Kartoffelernte, von den Feldern in die Städte zu transportieren. Ein Großteil der Ernte verfaulte auf den Feldern der Monarchie. Die immense Anzahl von Zügen verschlang auch eine ungeheure Menge an Kohle für die Lokomotiven. Diese Kohle fehlte in den Häusern der Menschen. Für die Zivilbevölkerung war der Winter 1917/18 nicht nur ein sehr frostiger, die Menschen mussten ihn auch mit leerem Magen ertragen.

@Archiv Rauchenbichler
Relief von Flitsch.

Die Schlacht
Am 24. Oktober 1917 setzte ein kurzer Artillerieschlag das Zeichen für den Beginn der Offensive. Munitionsmangel ermöglichte kein tagelanges Trommelfeuer, sondern nur ein gezieltes Beschießen der italienischen Stellungen, vor allem der erkannten Befehlsstellen. Eine besondere Bedeutung kam der Verwendung von Giftgas zu, die große Teile der italienischen Armee in diesem Abschnitt ausgeschaltet hat. So war es das 35. (deutsche) Gaswerferpionierbataillon, welches die 22. k.u.k. Schützendivision bei ihrem Vorstoß durch die italienischen Verteidigungslinien effektiv unterstütze. Der rasche italienische Zusammenbruch sowie die enormen Verluste der italienischen Armee waren in diesem Bereich vor allem auf die fehlende Vorsorge (Gasmasken) gegen diese Art des Beschusses zurückzuführen.

Das Schützenregiment Nr. 26 wurde in vorderster Linie eingesetzt, das Schützenregiment Nr. 3 folgte in zweiter Angriffswelle. Am ersten Tag der Offensive wurden nicht nur alle drei italienischen Stellungen durchbrochen, sondern sogar zwei Brücken über den Isonzo unbeschädigt erobert. Am selben Tag machten die beiden Schützenregimenter zahlreiche Gefangene: 54 feindliche Offiziere und 2.518 Soldaten von fünf verschiedenen italienischen Truppenkörpern. Am zweiten Tag erstürmte die 22. Schützendivision den Stol, einen mit massiven Stellungen ausgebauten Berggipfel, von den Italienern. Dabei wurden ein General und mehr als 5.000 italienische Soldaten gefangengenommen.

Ab 26. Oktober verfolgte die 22. Schützendivision die flüchtenden Italiener über Friaul und Venetien bis an den Tagliamento. Durch das unerwartet stürmische Vordringen der Mittelmächte gab der italienische Generalstabschef Cadorna jeden Widerstand östlich des Tagliamento auf, welcher von den Mittelmächten bereits am 30. Oktober erreicht wurde. Die 3. italienische Armee konnte sich unter Zurücklassung ihres Materials über diesen Fluss retten, die 2. italienische Armee löste sich jedoch östlich davon auf und geriet fast vollständig in Gefangenschaft.

@Archiv Rauchenbichler
Diese Aufnahme aus dem Kampfgebiet unmittelbar nach dem Durchbruch zeigt die Verkehrsschwierigkeiten.

Der Vorstoß ging unbeirrt weiter, und am 13. November wurde vom Schützenregiment Nr. 3 Feltre erreicht. Nach tagelangen, schier endlosen Märschen gab es für die Schützenregimenter Nr. 3 und 26 endlich eine kurze Ruhepause.

Der Austritt der angreifenden Truppen aus den Bergen in die Flachebenen brachte einige Friktionen mit sich. Die Gefechtsstreifen der Divisionen kamen durcheinander, was auf Grund der schlechten Straßenverhältnisse beim Vormarsch selbst, aber auch für die Versorgungstruppen große Schwierigkeiten mit sich brachte. Die österreichischen Nachschubtruppen hatten enorme Probleme, die kämpfende Truppe ausreichend zu versorgen. Diese hatten nur eine sehr geringe Erstausstattung an Verpflegung aber auch Munition bei sich. Es zeigte sich, dass die k.u.k. Führung vom eigenen Erfolg überrascht wurde.

Die Mehrzahl der k.u.k. Führungsstäbe agierten zu vorsichtig und blieb zu lange in ihren bisherigen Befehlsstellungen. Dadurch waren sie bald nicht mehr in der Lage, mit ihren stürmisch angreifenden Truppen Fühlung zu halten. Fehlende Nachrichtenverbindungen ließen Befehle entweder gar nicht ankommen, oder sie waren bereits von einem neuen Lagebild überholt.

Die flüchtenden italienischen Truppen konnten sich auf ein gut ausgebautes Stellungssystem am Grappa und am Fluss Piave zurückziehen. Dieses hatte der italienische Generalstabschef Cadorna bereits im Jahr 1916 vorsorglich bauen lassen, und die italienischen Truppen konnten es nun beziehen. Die Alliierten verlegten ebenfalls Divisionen nach Italien. Sieben französische und fünf britische Divisionen stützten die italienische Armee in diesen Tagen. Diese Maßnahmen trugen entscheidend dazu bei, dass die italienischen Truppen am Piave erfolgreich eine neue Verteidigungslinie aufbauen konnten und der italienische Kampfgeist wiedererwachte.

Die winterlichen Wetterverhältnisse sorgten im Dezember für die Einstellung der deutsch-österreichischen Offensive. Es galt vor allem die Versorgung der eigenen Truppe sicherzustellen. Glücklicherweise konnte man bis auf weiteres auf eroberte italienische Konserven zurückgreifen. Die deutschen Truppen, welche Hauptträger der Offensive waren, wurden nach und nach an die Westfront verlegt, um dort an der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 teilzunehmen.

Die Folgen der Offensive
Obwohl die Offensive der Mittelmächte durch Überläufer an die italienischen Truppen bekannt wurde, reagierte man von italienischer Seite überhaupt nicht oder falsch. Einerseits glaubte die italienische Führung nicht an eine mögliche k.u.k. Offensive, andererseits war sie nicht auf den massiven Einsatz von Giftgas vorbereitet. Darüber hinaus war die infanteristische Übermacht der italienischen Armee (238 Bataillone der Italiener standen 171 deutschen und österreichischen Bataillonen gegenüber) und deren Reserven falsch eingesetzt.

Das führte bei der italienischen Armee zu 10.000 Toten und 30.000 Verwundeten, während bei den Mittelmächten insgesamt nur zirka 5.000 Soldaten verwundet oder getötet wurden. Über 290.000 italienische Soldaten gerieten in Gefangenschaft, weitere 400.000 verließen einfach ihre Stellungen und flüchteten rückwärts. Auch die materiellen Verluste der italienischen Armee waren enorm. Die Mittelmächte eroberten mehr als 3.000 Geschütze, über 1.700 Minenwerfer, 3.000 Maschinengewehre und 300.000 Gewehre.

Die 12. Isonzoschlacht war ein anschauliches Beispiel, wie erfolgreich die deutsche und österreichisch-ungarische Heeresleitung zusammenarbeiten konnten. Leider waren die Offensiven des Jahres 1918 nicht aufeinander abgestimmt oder koordiniert. Für die Habsburgerarmee bedeutete der Erfolg am Isonzo daher nur einen Pyrrhussieg. Hunger, Erschöpfung und die nationalen Unruhen führten im Herbst 1918 zum Zusammenbruch der Front und schlussendlich zum Untergang der k.u.k. Monarchie.

@GM. Schäfer, Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg, Wien 1934
Karte der elf Isonzoschlachten.

Traditionspflege in der Ersten Republik
Mit der Gründung der Republik Österreich im Herbst 1918 wurde mit der untergegangenen Habsburgermonarchie in allen Bereichen gebrochen. Das 1920 aufgestellte Bundesheer konnte sich auf Grund innenpolitischer und außenpolitischer Probleme nur vorsichtig dem Geist der k.u.k. Armee annähern. Ein erster Schritt wurde im Jahr 1924 getätigt, indem der Bundesminister Vaugoin beschloss, dass alle Truppenkörper des Bundesheeres einen oder mehrere Traditionsverbände aus dem k.u.k. Heer zu führen hatten.

Das Steirische Alpenjägerregiment Nr. 9 mit Garnisonen in Graz und Strass bekam die Schützenregimenter Nr. 3 und Nr. 26 als Traditionstruppenkörper zugewiesen, da es sich, zumindest teilweise, aus dem gleichen Gebiet rekrutierte. Zur Pflege der Verbundenheit und der Zusammengehörigkeit zwischen dem neuen Bundesheer und den Traditionsverbänden sollte auch ein Traditionstag gewählt werden, der eine besondere Heldentat im Weltkrieg beschrieb. Das AJR Nr. 9 wählte den 24. Oktober 1917, den Tag des Durchbruchs bei Flitsch. Ab 1924 gab es um diesen Tag die jährliche Flitschfeier mit den Kameradschaftsverbänden der beiden Schützenregimenter.

Am 24. Oktober 1925 fand die feierliche Weihe der vom Land Steiermark gespendeten Regimentsfahnen der AJR Nr. 9 und 10 im Bereich des heutigen Messegeländes (Fröhlichgasse) statt. An dieser Feier neben den Vertretern der Traditionsverbände auch zahlreiche zivile Zuseher teil. Es wurden auch zwei Fahnenbänder mit der Inschrift „Immer wachsam und kampfbereit” und „Immer wie bei Flitsch” gespendet. Letztere wurde von der Frau des damaligen Landeshauptmannes Anna Rintelen gespendet und befindet sich heute im Museum in der Kaserne Strass.

Einen Höhepunkt der Traditionspflege stellte die Publikation der zweibändigen Regimentsgeschichte des Schützenregiments Graz Nr. 3 im Jahr 1930 sowie eine Serie von Ansichtskarten für den Witwen- und Waisenfond, dar. Die Publikation wurde vom AJR Nr. 9 herausgegeben, den Ansichtskarten lagen Bilder des Kriegsmalers Wilhelm Thöny zu Grunde.

Ab dem Jahr 1930 arbeitete das AJR Nr. 9 in der Alpenjägerkaserne in Graz an einem Traditionsmuseum, welches 1933 feierlich eröffnet wurde. Das Museum stellte Waffen, eroberte Standarten und andere Kriegsrelikte aus den Jahren 1914 bis 1918 in mehreren Sälen aus.

Am 27. Oktober 1935 wurden den Truppenkörpern des Bundesheeres die Fahnen und Standarten der Traditionstruppenkörper aus der k.u.k. Armee zugewiesen. Das AJR Nr. 9 bekam die Regimentsfahne des Schützenregimentes Graz Nr. 3 als neue Regimentsfahne.

@Archiv RauchenbichlerTraditionspflege in der 2. Republik
In der 2. Republik wurde eine Aufnahme der Traditionspflege lange Zeit vermieden. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges wollte man keine erneute Militarisierung der Gesellschaft oder des neuen Bundesheeres. So gab es erst 1966 eine Wiederaufnahme von Traditionstruppenkörpern und Gedenktagen. Da die Verbände der Wehrmacht aus ersichtlichen Gründen für eine Traditionspflege nicht in Frage kamen, griff man nicht nur auf die Habsburgerarmee zurück, sondern auch auf die Truppenkörper des Ersten Bundesheeres.

Am Nationalfeiertag 1966 wurde die Aufnahme der Pflege der Tradition der „Alten Armee” und des Bundesheeres der Ersten Republik durch das Bundesheer der 2. Republik veranlasst. Das steirische Jägerbataillon Nr. 17 in Strass wurde mit der Traditionspflege der beiden Schützenregimenter Nr. 3 und 26 sowie des Alpenjägerregimentes Nr. 9 beauftragt. Als Traditionsgedenktag wurde mit dem 24. Oktober 1917 wiederum der Tag der Durchbruchsschlacht bei Flitsch-Tolmain festgelegt. Als Traditionsmarsch wurde der 3er-Schützenmarsch bestimmt.

Das Jägerbataillon Nr. 17 begeht daher jedes Jahr kurz vor dem 24. Oktober seinen Regimentstag, welcher auch heute noch gebührend gefeiert wird. Ein weiteres Zeichen der Verbundenheit mit den Traditionstruppenkörpern findet sich heute auch in der Strasser Kaserne: Es gibt sowohl einen „Lehrsaal Alpenjäger Nr. 9”, als auch einen „Lehrsaal Schützenregiment Nr.  3”.

An der Außenmauer der Strasser Kaserne finden sich auch zwei Gedenktafeln, die an die Traditionstruppenkörper erinnern. Der Bund der 26er Schützen spendete am 27. Oktober 1929 eine Tafel zum Gedenken an den eigenen Verband. Am 25. Oktober 1972 wurde dort eine Gedenktafel an das III. Bataillon des AJR Nr. 9 angebracht.

Schlussendlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch andere Truppenkörper des Bundesheeres der Ersten und der Zweiten Republik das Gedenken an die Durchbruchsschlacht von Flitsch hochhielten. Auch an der Militärakademie gedachte man ihrer, daran erinnert auch der Jahrgangsname des 13. Jahrgangs der Militärakademie: Flitsch-Tolmain.

Quelle@Archiv Rauchenbichler, GM. Schöfer, Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg, Wien 1934
Der Milizoffizier und Oberstufen-Lehrer hat seit 2009 zahlreiche Artikel zu militärhistorischen Themen aus der Zwischenkriegszeit und insbesondere zum Thema Bundesheer der Ersten Republik u.a. in der Bataillonszeitung „Der Panther” des Jägerbataillons 17 veröffentlicht.