Wir reisen in der Zeit um etwa 2.400 Jahre zurück: Zu den berühmtesten Belagerungen des Altertums gehört jene von Platäa durch die Spartaner im Peloponnesischen Krieg. Sie wurde von Thukydides detailliert geschildert.

Der Versuch der Thebaner, die Stadt Platäa an sich zu bringen, war einer der Auslöser des Peloponnesischen Krieges (431 bis 404 v. Chr.). Platäa gehörte als einzige Polis der Region nicht dem von Theben dominierten boötischen Bund an, sondern war Alliierte Athens. Diese Haltung wurde aber nicht von allen Bürgern der Stadt geteilt, eine Minderheit unterstützte ein Bündnis mit Theben.

Im Frühjahr des Jahres 431 v. Chr. versuchten die Thebaner daher mit militärischer Gewalt einen Umsturz in Platäa zu ihren Gunsten zustandezubringen. Sie schickten zwei Truppenverbände auf den Weg nach Platäa.

Die Belagerung von Platäa durch die Spartaner – ©Gerd Eichmann/Wikimedia Commons
Thukydides gilt als einer der bedeutendsten antiken Geschichtsschreiber. Vor dem österreichischen Parlament in Wien ist eine Thukydides-Statue zu sehen.

Der erste dieser Verbände war nur 300 Mann stark. Diese Truppe sollte bei Nacht von der pro-thebanischen Fraktion unter Nauclides in die Stadt gelassen werden, um alle wichtigen Punkte zu sichern. Dann sollte eine weitaus größere Streitmacht heranrücken, um Platäa endgültig unter thebanische Kontrolle zu bringen. Der erste Teil des Planes glückte auch, die Thebaner gelangten in die Stadt. Die Platäer waren zunächst geschockt vom Anblick einer kampfbereiten fremden Streitmacht in ihrer Stadt und waren deshalb durchaus geneigt, den thebanischen Forderungen nachzugeben. Dann aber erkannten sie den nicht allzu beeindruckenden Umfang der thebanischen Truppe.

Ein mörderischer Nachtkampf hob an, bei dem auch Frauen und Sklaven mitkämpften. Am Ende waren 120 Thebaner tot – oder geflüchtet –, 180 gefangen. Die größere thebanische Truppe war bis zum Morgengrauen noch nicht eingetroffen. Als sie dann auf dem Schauplatz erschien, war der Kampf schon vorüber. Man vereinbarte, die Thebaner sollten abziehen, dafür würden die Platäer ihre thebanischen Gefangenen freilassen. Als das thebanische Heer jedoch abgezogen war, richteten die Platäer ihre thebanischen Gefangenen hin.

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429 v. Chr. begannen die Spartaner und ihre peloponnesischen und boötischen Bündnispartner unter der Führung des Spartanerkönigs Archidamos II. mit der Belagerung Platäas, einer der ältesten Verbündeten Athens. Die Athener hatten den Platäern versichert, sie mit allen notwendigen militärischen Kräften zu unterstützen, deshalb versuchten die Platäer, den Spartanern standzuhalten.

Platäa wehrt sich

Zunächst errichteten die Belagerer einen Palisadenzaun rings um die Stadt, um ein Entweichen der Verteidiger zu verhindern. Dann begannen sie mit der Konstruktion einer Belagerungsrampe, die aus einem fachwerkartigen System von Baumstämmen bestand, dessen Zwischenräume mit Steinen und Erde gefüllt wurden. Als diese Rampe so hoch emporwuchs, dass sie sich der Mauerkrone näherte, errichteten die Belagerten auf der Mauer eine hölzerne Brüstung, in deren Schutz sie die Mauer durch Ziegelsteine aus abgebrochenen Häusern der Stadt erhöhten. Die Holzkonstruktion schützte sie vor Beschuss durch Brandpfeile.

Nach 70 Tagen und Nächten ununterbrochener Arbeit erreichte die Rampe die Stadtmauer. Nun gruben die Platäer einen Tunnel unter der Rampe und versuchten, sie zum Einsturz zu bringen. Die Spartaner verstärkten hastig ihre Rampe. Dann brachten sie Mauerbrecher gegen die erhöhte Mauer zum Einsatz. Die Platäer konterten, indem sie Seilschlingen herunterließen und darin verfangenen Mauerbrecher (Rammböcke) emporzogen. Sie benutzten auch improvisierte Kräne, um schwere Stämme auf die Rammböcke herunterfallen zu lassen. Trotz dieser Gegenmaßnahmen brach ein Teil der Stadtmauer unter den Rammstößen zusammen.

©Militär Aktuell

Die Platäer hatten aber unbemerkt vom Feind eine halbkreisförmige Mauer (eine sogenannte „Lunette”) hinter der potentiellen Einbruchsstelle errichtet. Als die Spartaner und ihre Verbündeten nun durchbrachen, fanden sie sich in einer Art Zwinger. Sie änderten ihre Vorgehensweise und brachten nun bündelweise Reisig in diesen Zwinger. Den tränkten sie mit Baumharz und (und das war neu) mit Schwefel. Diese infernalische Mischung brannte mit großer Hitze und hätte durch ihre tödlichen Abgase (Schwefeldioxid) die Platäer fast getötet. Da löschte ein plötzlicher Schlagregen die Flammen.

Belagerung wird aufrechterhalten

Archidamos schickte wohl oder übel viele seiner Soldaten heim, damit sie die Ernte einbringen konnten. Der Rest errichtete eine doppelte Umfassungsmauer (mit rund fünf Metern Abstand zwischen den Mauern) um die Stadt mit dem Ziel, die Platäer auszuhungern. Das geschah im Herbst des Jahres 429 v. Chr. Rund 2.000 Mann der Spartaner und deren lokalen Verbündeten verblieben bei der belagerten Stadt. Die meisten Platäer hatten schon vor dem Beginn der Belagerung die Stadt verlassen, sie wurde nur von 480 Mann verteidigt, davon waren 80 Athener. 110 Frauen waren ebenfalls zurückgeblieben, um die kleine Garnison zu versorgen.

Vorräte gab es zunächst reichlich. Tatsächlich hielten es die Belagerten rund zwei Jahre aus. In einer stürmischen mondlosen Winternacht entkam rund die Hälfte der Garnison, der 220 Mann starke Stoßtrupp überwand die doppelte Umwallung und wurde von der großen Truppe der Verfolger nicht mehr eingeholt, da sie eine Kriegslist anwendeten und zunächst auf der Straße nach Theben (und nicht auf der nach Athen, wie die Spartaner vermuteten) marschierten. 212 Leute erreichten ihr Ziel Athen. Die Zurückgebliebenen hielten in der optimistischen Hoffnung durch, die Athener würden ein Entsatzheer schicken.

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Zerstörung der Stadt

Schließlich ergaben sie sich aber doch im Sommer 427 v. Chr. Die Spartaner eröffneten ein Gericht gegen alle überlebenden 225 männlichen Verteidiger, darunter 25 Athener. Es drohte die Todesstrafe. Nur wer beweisen konnte, einmal die Spartaner begünstigt zu haben, sollte mit dem Leben davonkommen. Das konnte keiner, so wurden die tapferen Verteidiger hingerichtet. Die Frauen wurden von den Spartanern in die Sklaverei verkauft. Hinter dieser rücksichtslosen und grausamen Vorgehensweise steckten laut Thukydides die Thebaner, die waren schon lange Rivalen der Platäer und hatten noch eine Rechnung offen. Die Spartaner übergaben dann die Stadt auch den Thebanern, die sie völlig zerstörten.

Die Belagerung Platäas und insbesondere das Schicksal der unterlegenen Belagerten wurde häufig von antiken Autoren als Beleg für die Verrohung der Sitten im Peloponnesischen Krieg angeführt.

Quelle©Archiv Seehase, Gerd Eichmann/Wikimedia Commons