Fallschirmspringen ist eine Grundfertigkeit, die man als Jagdkommando-Soldat beherrschen muss. Was erwartet die angehenden Operator in der Ausbildung? Welche Herausforderungen sind zu meistern? Ein Militär-Fallschirmsprunglehrer des Jagdkommandos vom Österreichischen Bundesheer berichtet im Interview mit Militär Aktuell, was wirklich dahinter steckt.
Robert (Zum Schutz des Interviewpartners ist der Name geändert), wann macht man in der Jagdkommando-Karriere die Ausbildung zum Springer?
Der Rundkappenkurs ist in der Grundausbildung zu absolvieren. Später, wenn der fertig ausgebildete Jagdkommando-Soldat einer Task Group (TG) zugeteilt wird, beginnt der Freifallkurs.
Wie kann man sich diese Ausbildung zum Fallschirmspringer beim Jagdkommando vorstellen?
Es gibt mehrere aufeinander aufbauende Teile. Zuerst, im ersten Teil, lernt der Springer das Fallschirmspringen für sich, also der Sprung als Einzelperson. Das bedeutet, er lernt, wie er den Fallschirm packt, wie er ihn bedient, das ganze Umfeld Fallschirmspringen und so weiter. Dazu kommen Nachtsprünge, Gepäcksprünge und Außenlandungen, das heißt auf unbekannte Landezonen, die außerhalb von Flugzonen sind, die anspruchsvoller sind, weil dort keine „sterilen” Bedingungen herrschen.
„Unbekannte Landezone” bedeutet, er weiß nicht, was ihn am Ziel erwartet?
Unbekannt bedeutet hier, dass er sich vorher nicht den Ort anschauen konnte, sondern: Er verlässt das Luftfahrzeug und fliegt wohin, wo er noch nie war. Der Springer weiß natürlich anhand von Kartenmaterial und GPS, sowie der Planung des Sprunges, wie er dort am besten hinkommt.
Das sind also die Grundlagen des Fallschirmspringens …
Genau. Danach, wenn er einige Sprünge gesammelt hat, lernt der Springer, im Trupp zu fliegen. Das Ziel ist, im Trupp einen HAHO-Sprung (High Altitude – High Opening) zu machen, das heißt, dass sich nach etwa fünf Sekunden, nach einem Absprung in großer Höhe, gleich der Schirm öffnet und die Springer auf eine unbekannte Landezone gleiten.
Die Ausbildung beginnt vermutlich im eher überschauberen und flachen Gelände, richtig?
Gesprungen wird in ganz Österreich, man startet zunächst aber möglichst „steril” im flachen Gebiet. Das alpine Gebiet kommt erst später in eigenen Fortbildungen dazu. Dort gibt es besondere Eigenheiten. Winde, Thermik und weitere Faktoren sind schwieriger einzuschätzen als im „Flachland”.
Wie viele Sprünge sind in etwa bei diesen zwei Kursen zu absolvieren?
Im Freifallkurs sind es um die 80 Sprünge. Im Folgekurs sind es etwa 20 Sprünge, die aber auch entsprechend intensiv sind. Es bedarf mehr Vorbereitung, der Sprung selbst dauert länger, da der Springer eine höhere Öffnungshöhe hat und länger am Schirm hängt. Auch die Nachbereitung dauert länger.
„Es ist weiterhin noch so, dass man mit den Springern über eine weite Distanz viel Manpower verbringen kann – und das durchaus unerkannt.“
Robert, Militär-Fallschirmsprunglehrer des Jagdkommandos
Welche Rückmeldungen erhältst du da als Ausbilder von den Kameraden, die gerade die ersten Sprünge absolviert haben?
Da ist eigentlich alles dabei. Es gibt die einen, die wollen unbedingt springen oder haben schon Vorerfahrung. Die sind komplett euphorisch und begeistert und können gar nicht mehr aufhören, egal, wie schwierig die Anforderungen sind (lacht). Andere machen es, weil sie es müssen. Es muss einfach jeder die Befähigung dazu haben, jeder von uns muss so beweglich sein.
Das Gute beim Militär ist: Wir haben überall unsere Drills, das heißt es gibt Prozedere, die schlichtweg abgearbeitet werden müssen. Also auch jene, die nicht so begeistert davon sind, lernen diese Drills und können dann, wenn es darauf ankommt, alles richtig und sicher abwickeln.
Österreichs Hubschrauberpiloten trainieren wieder im Hochgebirge
Springt man gleich mit der vollen Ausrüstung?
Der erste Teil der Ausbildung ist ähnlich dem, wie man es sich im Zivilen vorstellt. Man lernt das Fallschirmspringen. Zusätzlich gibt es ein paar Nachtsprünge mit Nachtsichtbrille, aber alles noch ohne weiterer militärischer Ausrüstung. Im weiteren Verlauf wird dann auch alles mit militärischer Ausrüstung gesprungen, also mit Waffe, mit Plattenträger und auch Gepäcksprünge sind dabei.
Wie unterscheidet sich dieses militärische Springen vom zivilen Fallschirmsprung genau?
Was es im Militärischen schwieriger macht, ist die Ausrüstung. Sie ist sperrig, man kann daher die Griffe nicht so leicht greifen. Es ist alles schwer, ein bisschen unangenehm. Man hängt auch meist länger am Schirm, beim Gleiteinsatz pro Sprung etwa 15 bis 20 Minuten. Schwierig ist auch das Navigieren, besonders in der Nacht, wenn wir auf eine unbekannte Landezone fliegen. Im Trupp muss der erste Springer die Zone finden und alle anleiten, geführt von Kompass und GPS, möglicherweise im Flug durch eine Wolkendecke. Das ist alles herausfordernd!
Fliegt man die längeren Flüge mit zusätzlicher Sauerstoffversorgung?
Nein, diese Flüge werden noch ohne Zusatz ausgeführt. Bei allen Flügen, die über 4.000 Meter über Meeresniveau sind, wird Sauerstoff verwendet. Das lernt man in einem eigenen Kurs. Die Luft ist so dünn, dass sonst in diesen Höhen mit Ausfällen zu rechnen wäre, weil man bei zu wenig Sauerstoff nicht mehr adäquat reagieren kann.
Welche Herausforderungen bringt so ein Flug aus großen Höhen mit Sauerstoffflaschen mit sich?
Solche Sprünge sind nicht mehr vergleichbar mit einem normalen Fallschirmsprung, wie man es noch im Zivilen machen würde. Die Vorbereitung muss noch präziser sein und ist viel aufwendiger. Man trägt noch mehr Ausrüstung mit sich, es ist noch kälter und es ist noch schwieriger zu navigieren. Man muss auch sehr aufpassen, nicht mit den Schläuchen und Kabeln durcheinander zu kommen. Auch die Kommunikation untereinander ist sehr herausfordernd.
Ihr springt auch aus dem Black Hawk, oder?
Richtig, wir können auch aus dem Hubschrauber absetzen. Besonders im Gebirge nutzen wir die Möglichkeit gerne, weil wir dann überall auch wieder aufgenommen werden können. Es ist damit alles um einiges flexibler.
Wie läuft die Navigation im Flug ab?
Es bedarf einer sehr guten Vorbereitung mit Kartenstudium und vielem anderen. Dabei schaut man sich an, wie die Flugstrecke ist und welche markanten Punkte es gibt und vieles mehr.
Die Herausforderungen sind also sehr hoch, ebenso aber auch die Gefahren. Hat ein Fallschirmspringer-Trupp tatsächlich noch so viele Vorteile gegenüber moderner Technik, wie beispielsweise Drohnen?
Es ist natürlich nicht ungefährlich, aber man muss auch wissen, wann man Fallschirmspringer einsetzen kann. Es ist weiterhin noch so, dass man mit den Springern über eine weite Distanz viel Manpower verbringen kann – und das durchaus unerkannt. Es ist nicht leicht, uns aufzuklären. Gleichzeitig können wir aber für Kommandounternehmen oder Spezialaufklärung über eine sehr weite Distanz verbracht werden, ob als kleiner Trupp oder als ein recht großes Element. Da sind im Grunde keine Grenzen gesetzt.
Was fasziniert Dich persönlich so sehr am Fallschirmspringen?
Mir hat das Fallschirmspringen schon immer sehr gefallen. Im Militärischen mag ich es wegen der erwähnten Komplexität. Gerade beim Gleiten: Wie montiere ich meine Ausrüstung? Wie bereite ich mir den Flug vor? Wie fliege ich zum Ziel? Und wie verbringe ich meinen Trupp dorthin? Es ist nie gleich, weil der Wind immer anders ist. Jede Zone ist anders. Da ist jeder Sprung eine Herausforderung für sich. In der Ausbildung macht es mir einfach Spaß, das zu vermitteln.
Hier geht es zu weiteren Meldungen zum Jagdkommando und hier zu weiteren Bundesheer-Meldungen.








