In Manching wurde am 15. Oktober ein weiterer Meilenstein für das Eurofighter-Programm gesetzt: In einer feierlichen Zeremonie unterzeichneten Vertreter von Airbus, der Bundeswehr und der Industrie die Verträge zur Realisierung von 20 Eurofightern der neuen Tranche 5 im Gesamtwert von rund 3,75 Milliarden Euro für die deutsche Bundeswehr.

Die Unterzeichnung erfolgte nur eine Woche nach der Zustimmung des Haushaltsausschusses des deutschen Bundestags zur entsprechenden „25-Millionen-Euro-Vorlage” des Beschaffungsamts der Bundeswehr.

Vertragsunterzeichnung für Eurofighter Tranche-5 für die Bundeswehr – ©Airbus
Vertragsunterzeichnung: Vor wenigen Tagen machte die Bundeswehr die Bestellung von 20 neuen Eurofightern der Tranche 5 offiziell.

Bemerkenswert ist das hohe Tempo des Projekts: Vom formalen Beschluss zur Beschaffung im Juni 2024 bis zur Vertragsunterzeichnung vergingen lediglich 16 Monate. In dieser Zeit legte das Projektteam gemeinsam mit den drei weiteren Eurofighter-Nutzerstaaten die technischen Anforderungen fest, holte Angebote ein, erarbeitete den Vertragsentwurf und brachte die Parlamentsvorlage zur Entscheidung. Parallel dazu wurde die Finanzierung gesichert – die Mittel stammen vollständig aus dem regulären Verteidigungshaushalt.

Im Leistungsumfang des Vertrags enthalten sind auch 52 neue EJ200-Triebwerke von Eurojet, die künftig in den modernisierten Kampfjets der Luftwaffe zum Einsatz kommen werden.

„Puffy” Neptun und Tomahawks: Neue Marschlugkörper für die Ukraine?

Lieferung bis 2034 geplant

Die 20 Eurofighter der Tranche 5 ergänzen die bereits bestellten 38 Maschinen der Tranche 4 aus dem sogenannten Quadriga-Programm, mit dem die ab 2003 (in Österreich ab 2007) eingeführten Tranche-1-Jets schrittweise ersetzt werden. Die Auslieferung der neuen Tranche-5-Flugzeuge soll 2031 beginnen und bis 2034 abgeschlossen sein – vorgesehen sind jährlich fünf Übergaben an die Luftwaffe.

Mit der Einführung der Tranche 5 wird zugleich der schrittweise Ersatz zumindest eines Teils der noch rund 85 im Dienst befindlichen Tornado-Kampfflugzeuge eingeleitet, ergänzt durch die bereits bestellten 35 F-35A.

Um den ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten, haben das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), das Verteidigungsministerium, die Industriepartner und die NETMA (NATO Eurofighter 2000 and Tornado Management Agency) die vertraglichen und finanziellen Rahmenbedingungen frühzeitig abgestimmt – mit einem klaren Ziel: ein technologisch ausgereiftes Produkt bereitzustellen und den Beschaffungsprozess deutlich zu beschleunigen.

Eurofighter Tranche-5 Mock-up – ©Georg Mader
Seit Jahren ist die Rede von einer Tranche 5, nun ist der Fahrplan dorthin klar vorgegeben.

Offizielle Statements

Jorge Tamarit-Degenhardt, Vorstandsvorsitzender der Eurofighter GmbH, bezeichnete den neuen Auftrag als „hervorragende Nachricht für das Eurofighter-Programm und seine Industriepartner – gerade jetzt, da sich das Programm dem historischen Meilenstein von einer Million Flugstunden nähert”.

Die nun getroffene Entscheidung bekräftige, so Tamarit-Degenhardt weiter, das langfristige Engagement Deutschlands für eine souveräne europäische Luftmacht: „Der Auftrag sichert die Produktionskontinuität, bewahrt kritische Fähigkeiten entlang der gesamten Lieferkette und stärkt die Verteidigungsfähigkeit Europas für die kommenden Jahrzehnte. Mit einer geplanten Lebensdauer weit über das Jahr 2060 hinaus werden die Eurofighter vollständig in das künftige europäische Luftkampfumfeld integriert sein.”

„Mit einer geplanten Lebensdauer weit über das Jahr 2060 hinaus werden die Eurofighter vollständig in das künftige europäische Luftkampfumfeld integriert sein.“

Eurofighter-Chef Jorge Tamarit-Degenhardt

Auch Air Vice Marshal a.D. Simon Ellard, General Manager der NETMA, sprach von einem „stolzen Moment” und betonte die enge Kooperation aller Beteiligten: „Die heutige Unterzeichnung ist das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit zwischen NETMA, den Nationen und der Industrie. Der neue Auftrag unterstreicht Deutschlands Engagement für das Eurofighter-Programm und stellt sicher, dass die NATO ihre Agilität und Dominanz in der Luft beibehält. Die 20 Eurofighter der Tranche 5 und 52 EJ200-Triebwerke werden den Himmel über Deutschland und Europa sichern – und die industrielle Basis des Kontinents über Jahrzehnte stärken.”

Was über die Neuerungen der Tranche 5 bekannt ist

Auch wenn bislang keine umfassenden technischen Details veröffentlicht wurden, zeichnet sich bereits ab, wohin die Entwicklung der neuen Eurofighter Tranche 5 geht. Größere strukturelle Änderungen am Flugzeug sind derzeit nicht vorgesehen – die wesentlichen Neuerungen liegen in der Elektronik und Systemarchitektur.

So erhält die Tranche 5 eine vollständig modernisierte Avionik mit neuer Rechenarchitektur, leistungsfähigeren Bordrechnern und einer offenen Softwarestruktur, die künftige System- und Waffenintegrationen sowie eine deutlich schnellere Datenfusion ermöglichen soll. Ebenfalls neu ist ein überarbeitetes Cockpit mit einem großformatigen Mehrfeld-Display – ein ähnliches System konnte bereits im Juli beim RIAT in Fairford eingesehen werden.

Das zentrale Bordsystem wird das neue Zielsuch- und Feuerleitradar CAPTOR-E/ECRS Mk 1 mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung (AESA) sein, das eine deutlich verbesserte Zielerfassung in Luft- und Bodenlage bietet. Deutschland und Spanien haben sich für diese Variante entschieden, während Großbritannien und Italien leicht abweichende Versionen einführen. Derzeit wird das System in einem modifizierten Airbus-A320-Testträger erprobt.

A320 und Eurofighter – ©Bundeswehr
Gegenwart und Zukunft: Aktuell wird das neue Zielsuch- und Feuerleitradar CAPTOR-E/ECRS Mk 1 mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung (AESA) noch in einem modifizierten A320 getestet, in einigen Jahren soll es in Eurofighter-Kampfjets zum Einsatz kommen.

Eine weitere wesentliche Neuerung betrifft die elektronische Selbstschutzanlage: Künftig wird die Arexis-Suite des schwedischen Herstellers Saab integriert – ein bemerkenswerter Schritt, da damit das bisherige DASS Praetorian ersetzt wird. AREXIS ist modular aufgebaut, hochgradig anpassbar und soll auch bei bestehenden deutschen Eurofightern nachgerüstet werden. Damit werden künftig alle deutschen Typhoons mit der Saab-Technologie ausgestattet sein.

EloKa-Eurofighter „EK“ nicht Teil der neuen Tranche 5

Mögliches zukünftiges Eurofighter-Cockpit – ©Georg Mader
Blick in eine mögliche Cockpit-Zukunft: BAE Systems präsentierte bereits erste Möglichkeiten zur Umsetzung des zukünftigen Pilotenplatzes.

Die geplanten 15 Eurofighter „EK”, die künftig die Rolle der Tornado-ECR-Flotte bei der elektronischen Kampfführung (EloKa) übernehmen sollen, stammen übrigens nicht aus der neuen Tranche 5. Stattdessen handelt es sich um umgerüstete Maschinen der Tranche 3A.

Diese Jets werden mit einer speziellen Variante der Saab-Arexis-Suite ausgerüstet, die zusätzliche Fähigkeiten zur Unterdrückung und Bekämpfung gegnerischer Flugabwehrsysteme bietet (Suppression/Destruction of Enemy Air Defenses – SEAD/DEAD). Die Integration erfordert tiefgreifende strukturelle Anpassungen am Flugzeug. Saab arbeitet dafür eng mit dem auf Künstliche Intelligenz spezialisierten Technologieunternehmen Helsing zusammen.

Für dieses separate Programm sind Investitionen von rund 1,13 Milliarden Euro vorgesehen, hinzu kommen weitere 82 Millionen Euro für die Qualifizierung und Erprobung der Systeme und Komponenten.

Was noch offen ist …

Konkrete Angaben zu den künftigen Waffen- und Sensorsystemen der Tranche 5 stehen derzeit noch aus. Die genaue Ausstattung mit Bewaffnung, Sensorik, Kommunikations- und Datenlinksystemen wird schrittweise in Folgeverträgen während der Entwicklungsphase festgelegt.

Wahrscheinlich ist allerdings, dass die Integration moderner Präzisionswaffen wie der AARGM (Advanced Anti-Radiation Guided Missile) und des Taurus-Marschflugkörpers erfolgen wird. Ebenso gilt die Einbindung von Brimstone- und Spear-Luft-Boden-Lenkwaffen als möglich – abhängig vom jeweiligen Entwicklungsstand und gegebenenfalls in Kooperation mit der Royal Air Force beziehungsweise BAE Systems. Auch die Anbindung an künftige unbemannte Begleitflugzeuge wie Loyal Wingman- oder CCA-Drohnen dürfte ein Schwerpunkt der weiteren Arbeiten sein.

Ukraine-Krieg: Hubschrauber als Drohnenkiller

Unklar ist zudem, in welchem Umfang die Tranche 5 mit dem langfristigen Modernisierungspaket LTE (Long Term Evolution) verzahnt wird, das Eurofighter und Airbus bereits seit Jahren vorbereiten. Möglich scheint, dass man vom bisherigen Konzept schrittweiser LTE-Upgrades hin zu einem umfassenderen Mid-Life-Upgrade (MLU) übergeht, das den Eurofighter bis weit in die 2050er-Jahre kampffähig halten soll.

Anstatt in großen Block-Modernisierungen zu denken, zeichnet sich ein Ansatz ab, der auf kontinuierliche, modulare Nachrüstungen setzt – mit Fokus auf die fortlaufende Verbesserung von Rechenleistung, Avionik, Sensorfusion, elektronischer Kampfführung und der Vernetzung mit unbemannten Systemen.

Eurofighter-CEO Jorge Tamarit-Degenhardt hatte bereits auf der Paris Air Show 2025 entsprechende Pläne angedeutet. Mehr Klarheit über die konkrete Ausgestaltung der Tranche-5-Modernisierung erhoffen sich auch österreichische Beschaffungsverantwortliche – voraussichtlich schon im kommenden Monat bei Gesprächen in Bayern.

Hier geht es zu weiteren Meldungen rund um Airbus Defence and Space, hier geht es zu weiteren Eurofighter-Meldungen und hier zu aktuellen Meldungen rund um die Bundeswehr.

Quelle©Airbus