Die niederländischen Streitkräfte investieren in zusätzliche Radarsysteme für die Nordsee, schwere Bergefahrzeuge für die Landstreitkräfte sowie spezielle Verwundetenzüge für den Transport von Kriegsverletzten.

Zusätzliche „Augen“ über der Nordsee

Die Nordsee besitzt für die Niederlande und ihre Bündnispartner hohe strategische Bedeutung – wirtschaftlich wie militärisch. In der Region befinden sich zentrale Infrastrukturen wie Öl- und Gasplattformen, Unterwasserpipelines, Offshore-Windparks und Datenkabel. Diese gelten als besonders anfällig für Sabotageakte und hybride Bedrohungen.

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Bislang verfügt das Verteidigungsministerium nur eingeschränkt über Lagebilder zu sogenannten „Dark Vessels”-Schiffen, die durch Abschalten ihres Transponders versuchen, unerkannt zu operieren. Die Marine erhält daher zusätzliche Radarsysteme, um solche Bewegungen besser erfassen zu können. Die neuen Sensoren sind in der Lage, auch Objekte unter 50 Metern Größe zu detektieren und eignen sich damit ebenfalls zur Erkennung von Drohnen.

Die Systeme werden von einem niederländischen Unternehmen geliefert. Wartung und Instandhaltung erfolgen durch Rijkswaterstaat gemeinsam mit dem Hersteller. Die Datenanbindung erfolgt über die bestehende Verbindung zwischen dem Küstenwachzentrum und der Marine.

Mehr Bergekapazität für mögliche Großkonflikte

Angesichts der sicherheitspolitischen Lage bereitet sich die Niederlande auch auf ein mögliches groß angelegtes Gefechtsszenario vor. Entsprechend gewinnt die Gefechtsfähigkeit der Landstreitkräfte an Bedeutung. Die schweren und mittleren Infanteriebrigaden erhalten daher zusätzliche Bergekapazitäten.

Geplant ist die Beschaffung von Wisent-2-Panzerbergefahrzeugen des deutschen Herstellers FFG. Diese sind unter anderem für das neue Panzerbataillon sowie ein neu aufzustellendes Panzerinfanteriebataillon vorgesehen. Die Fahrzeuge sollen beschädigtes oder liegengebliebenes Gerät auch unter Feindeinwirkung bergen können. Zum Lieferumfang zählen fernbedienbare Waffenstationen, Munition, Ersatzteile sowie IT-Ausstattung.

Iris-T für Österreich? Diehl setzt auf industrielle Verankerung

Der Wisent 2 basiert auf dem Fahrgestell des Leopard-2-Kampfpanzers und ist als marktverfügbares System („off the shelf”) erhältlich. Damit sollen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen minimiert werden. Die niederländische Beschaffungsstrategie setzt bewusst auf robuste und einfache Lösungen, um Bedienung, Wartung und Ausbildung zu erleichtern sowie eine rasche Nachproduktion im Verlustfall zu ermöglichen. Im Rahmen der Partnerschaft mit FFG soll auch die niederländische Industrie eingebunden werden.

Verwundetenzüge für den Massenanfall von Verletzten

Zusätzlich beschafft das Verteidigungsministerium spezielle Verwundetenzüge für den Transport von Kriegsopfern über größere Distanzen. Derzeit erfolgt der Verwundetentransport vor allem mit Rettungsfahrzeugen und Hubschraubern. Für strategische Lufttransporte steht künftig die C-390M (-> Die Niederlande, Österreich und Schweden beschaffen zusammen 13 C-390M-Transportmaschinen) zur Verfügung, die ab 2027 die C-130 ablöst.

Im Falle eines groß angelegten Konflikts rechnet Den Haag mit einer hohen Zahl an Verwundeten. Daher sollen zusätzliche Transportkapazitäten geschaffen werden, die eine größere Anzahl von Patienten gleichzeitig befördern können. Die dafür vorgesehenen Züge stammen aus niederländischer Produktion, auch der Umbau erfolgt im Inland.

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Quelle©FFG