Militärexperte Gustav Gressel, Hauptlehroffizier und Forscher an der Landesverteidigungsakademie des Bundesheeres, warnt in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk (BR24) vor einem russischen Angriff auf ein völlig unvorbereitetes Europa. Wir haben die fünf wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch zusammengefasst.
Aussage #1: Gustav Gressel über die Gründe für einen möglichen Krieg mit Russland
Gressel sieht als ein politisches Ziel Russlands die Ausdehnung der russischen Sicherheitsordnung auf Europa. Um das umzusetzen, müsste Russland in allen baltischen Staaten und in Ostpolen einmarschieren und dort de facto ein Ende der NATO-Einflussnahme erzwingen. Ist das Land damit erfolgreich, könnte Russland damit ein Exempel statuieren, und, so Gressel, mit einem „Frieden-, Freundschafts- und Kooperationsvertrag” die Einflussnahme auf die angrenzenden Staaten erhöhen.
Aussage #2: Gustav Gressel zur Wahrscheinlichkeit eines Krieges mit Russland
Der Militärexperte sieht die Höhe der Wahrscheinlichkeit eines solchen Krieges bei mittlerweile 100 Prozent. Die bisherigen Bemühungen, Stärke zu zeigen, habe nur zur Schaffung von „Papiertigern” geführt, so Gressel, nicht zur Loslösung der militärischen Abhängigkeit von den USA.
FP-5 Flamingo: Kriegslist der Ukraine oder strategische Gefahr für Russland?
Aussage #3: Gustav Gressel über ein mögliches Angriffsjahr
Ende 2028 ist mit der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten zu rechnen. Während sich danach die Zeit zur Amtseinführung „turbulent” gestalten wird, wird Russland – gestärkt durch China und Nordkorea – weiterhin gut dastehen und zudem kriegserfahren sein. 2029 bezeichnet Gressel daher als ein „relativ kritisches Jahr”.

Aussage #4: Gustav Gressel zu den Folgen eines Krieges für Deutschland
Die Bundeswehr sei keinesfalls für einen solchen Krieg gewappnet, meint der Militärexperte. Weder wäre das Material einsatzfähig, noch könne ohne amerikanischen Beistand ein Erfolg erzielt werden. Die strategische Relevanz Deutschlands (Logistikscheibe, Rüstungsproduzent) würde zu noch mehr Mobilisierung führen müssen und letztlich – so Gressel – zu einer wirtschaftlichen Krise „vergleichbar mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs” führen.
Aussage #5: Gustav Gressel über die Möglichkeit, einen Krieg zu verhindern
Ein Krieg könne durch die Investition in Fähigkeiten und Kompetenzen abgewendet werden, so Gressel im BR24-Interview weiter. Dazu sagt er konkret: „Nicht nur Waffenkäufe, sondern strukturelle Veränderungen, personelle Tiefe, Zivilschutzkonzepte” könnten eine abschreckende Wirkung haben. Putin würde eher vor starken Gegnern ablassen, meint Gressel. Abschreckend würde auch die Unterstützung der Ukraine wirken, so sie grundlegend und nicht oberflächlich vollzogen wird. In diesem Krieg wäre die Ukraine, so Gressel, ein „zentrales Element der europäischen Sicherheit”.









