Die pakistanische Luftwaffe (PAF) hat erstmals öffentlich den erfolgreichen, einsatznahen Flugtest des eigenentwickelten luftgestützten Marschflugkörpers Taimoor (auch als Taimur bezeichnet) bestätigt. Die Waffe wurde vom Air Weapons Complex (AWC) entwickelt und wird über GIDS vermarktet. Als Testplattform diente eine betagte Mirage III No. 506.
Der am 3. Jänner durchgeführte Test kann als abschließender Validierungsschritt gewertet werden; zugleich deutet alles darauf hin, dass mit diesem Flugtest die Initial Operational Capability (IOC) erreicht wurde. Die bekannten Spezifikationen (siehe Tabelle unten) ordnen Taimoor eindeutig der Kategorie der mittelreichweitigen Präzisionswaffen zu und unterstreichen die zunehmende Reife der indigenen pakistanischen Hochtechnologie-Waffenentwicklung.
Der Name Taimoor (Urdu für „eisenhart”, im übertragenen Sinn: stark, unerschütterlich oder mächtig) leitet sich von Timur (Tamerlan) ab, dem zentralasiatischen Herrscher des 14. Jahrhunderts. Der Flugkörper gilt als neuester Baustein von Pakistans Langstrecken-Präzisionsschlagfähigkeit und wird weithin als Nachfolger oder parallele Entwicklungdes Ra’ad-II-Programms eingeordnet.
Luftmarschall gratuliert

Der Test wurde von hochrangigen Offizieren der pakistanischen Streitkräfte sowie von führenden Wissenschaftlern und Ingenieuren verfolgt, die maßgeblich an der Entwicklung des Systems beteiligt waren. Luftmarschall Zaheer Ahmed Baber Sidhu, Chef des Luftwaffenstabes der pakistanischen Luftwaffe, gratulierte den beteiligten Wissenschaftlern, Ingenieuren und dem gesamten Team der PAF „herzlich zu diesem bemerkenswerten Erfolg”.
Sidhu würdigte deren „fachliche Exzellenz, ihren Einsatz und ihr unerschütterliches Engagement für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Pakistans” und betonte, dass „solche Erfolge den festen Willen des Landes unterstreichen, technologische Selbstversorgung zu erreichen und in einem sich wandelnden regionalen Sicherheitsumfeld eine glaubwürdige konventionelle Abschreckung aufrechtzuerhalten”. Der erfolgreiche Test unterstreiche die technische Reife, Innovationskraft und Eigenständigkeit der pakistanischen Verteidigungsindustrie und spiegle zugleich „das kontinuierliche Streben der pakistanischen Luftwaffe nach Einsatzbereitschaft, technologischer Überlegenheit und der konsequenten Verfolgung nationaler Sicherheitsziele wider”.
Unterschallflug – gegen Land- und Seeziele
Pakistanische Medien bezeichnen Taimoor bereits als den „pakistanischen Storm Shadow”. Tatsächlich ist der Marschflugkörper in der Lage, Land- und Seeziele mit hoher Präzision auf eine offiziell angegebene Reichweite von bis zu 600 Kilometern zu bekämpfen. Er trägt einen konventionellen Sprengkopf.
Ausgestattet mit einem modernen Navigations- und Leitsystem (DSMAC/TERCOM) ist Taimoor für den Flug im hohen Unterschallbereich und in sehr niedrigen Höhen ausgelegt, um gegnerische Luft- und Raketenabwehrsysteme zu unterfliegen. Dass selbst westliche Systeme dieses Prinzips – etwa in der Ukraine (-> Aktuelle Meldungen aus dem Ukraine-Krieg) – nicht immer vollständig immun gegen moderne Abwehr sind, relativiert diese Fähigkeit zwar, ändert jedoch nichts an der deutlichen Stärkung der konventionellen Abschreckung und operativen Flexibilität der PAF.
Primär richtet sich diese Fähigkeit gegen Indien, sie wurde jedoch zuletzt auch für Präzisionsschläge gegen islamistische Ziele, etwa in Afghanistan, relevant. Die pakistanische Luftwaffe hatte bereits im Mai während der indischen Operation „Sindoor” ihre Fähigkeit zu Luft-Luft-Wirkungen über große Entfernungen demonstriert – nun soll diese Reichweite auch auf hochwertige Bodenziele und maritime Ziele ausgeweitet werden. In letzterem Punkt ähnelt das Konzept dem indischen Gegenstück Brahmos, wobei dieses als Mach-3-Flugkörper einer anderen Leistungsklasse angehört.

Offene Fragen
Unklar bleibt bislang, ob auch eine nuklearfähige Variante des Taimoor vorgesehen ist – offiziell bestätigt ist derzeit ausschließlich die konventionelle Ausführung. Ebenso offen ist, ob der Marschflugkörper neben dem JF-17 auch auf weiteren Plattformen wie F-16 oder J-10C integriert werden soll. Darüber hinaus bestehen Fragen, ob die tatsächliche Reichweite möglicherweise über den offiziell kommunizierten Werten liegt.
Auch zu Endanflugmanövern sowie zur – anhand der äußeren Gestaltung erkennbar angestrebten – Reduzierung der Signatur (Stealth-Eigenschaften) liegen bislang keine belastbaren Details vor.
Technische Merkmale (soweit bekannt)
| Typ | Luftgestützter Marschflugkörper (ALCM) |
| Herkunft | Pakistan |
| Entwickler | Luftwaffen Komplex (AWC) |
| Länge | rund 4,38 Meter |
| Gewicht | keine Angabe |
| Spannweite | rund 3,2 Meter |
| Reichweite | bis zu 600 Kilometer |
| Geschwindigkeit | Bis zu Mach 0,8 |
| Einsatzhöhe | Von 6.000 bis 7.600 Meter |
| Antrieb | Turbojet (wahrscheinlich NESCOM NTJ ‑V1) |
| Sprengkopf | Konventionell (HE, Penetration, Fragmentierung) |
| Anleitung | INS + GNSS/GPS + DSMAC/TERCOM |
| Ziele | Land und Seeziele |
| Plattformen | Diverse Flugzeuge der pakistanischen Luftwaffe (wohl anfänglich JF-17/III) |
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