Wie werden ohnehin hochtrainierte Soldaten des Jagdkommandos noch leistungsfähiger? Diese Frage stand im Zentrum des „Human Peak Performance Project (HP³)” – einem international beachteten Forschungsprogramm des Österreichischen Bundesheeres und der Universität Wien, unterstützt von zahlreichen Partnern aus Wissenschaft und Industrie.

Im Fokus von HP³ steht die Frage, wie Soldatinnen und Soldaten unter extremen physischen und psychischen Belastungen dauerhaft gesund, resilient und einsatzbereit bleiben können. Die Forscherinnen und Forscher kombinieren dafür Spitzenforschung aus Medizin, Psychologie, Sport- und Ernährungswissenschaft mit der operativen Praxis der heimischen Spezialkräfte.

„Jagdkommando-Soldaten agieren körperlich und mental auf Spitzensportniveau. Der Unterschied ist jedoch klar: Während Athleten genau wissen, wann der nächste Bewerb stattfindet, müssen unsere Soldaten jederzeit bereit sein. Dafür trainieren sie beinhart”, betonte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner im Rahmen der Präsentation des Forschungsprojekts am Freitag Vormittag in der Wiener Stifts-Kaserne. „Wir verlangen unseren Jagdkommando-Soldaten Unglaubliches ab – und stellen zugleich modernste Ausrüstung, optimale Trainingsumgebungen (-> Das Bundesheer erhält eine alte C-130 Hercules für Trainingszwecke) und nun auch wissenschaftliche Spitzenforschung zur Verfügung.”

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Ein weltweit einzigartiges Studienformat

Für das Forschungsprojekt wurden 80 Jagdkommando-Soldaten über 15 Monate hinweg unter realistischen Einsatzbedingungen begleitet. Die Datenbasis ist umfangreich: Mehr als 21.500 Nächte Schlaf wurden mittels moderner Biosensorik aufgezeichnet, dazu kamen Blutanalysen, Stressmarker, leistungsphysiologische Messungen sowie psychologische Erhebungen. Zum Vergleich: Internationale Studien mit militärischem oder sportwissenschaftlichem Hintergrund erfassen meist nur 100 bis 1.000 Nächte.

Die Resultate sorgen auch deshalb international für Aufmerksamkeit, wie Projektleiterin Caroline Rakowitz betont: „Ja, es gibt bereits Interesse aus dem Ausland, etwa aus Deutschland. Die Daten sind natürlich auch für andere Spezialkräfte oder Hochrisikobereiche relevant – von Polizei über Rettung bis Feuerwehr.”

Konkrete Erkenntnisse für Training und Einsatz

Die Analysen zeigen: Spezialeinsatzkräfte weisen deutlich höhere physische und mentale Belastungen sowie einen überdurchschnittlich hohen REM-Schlafanteil auf – ein Indikator für intensive Regenerationsprozesse des Gehirns nach Hochstressphasen.

Jagdkommando-Soldaten – ©Bundesheer/Rainer
Im Rahmen des Forschungsprojekts soll die Leistungsfähigkeit und Resilienz von Jagdkommando-Soldaten nachhaltig verbessert werden.

Über den Studienzeitraum hinweg verbesserten sich dem Forschungsteam zufolge sowohl die subjektiv wahrgenommene Schlafqualität als auch objektive Parameter wie Herzratenvariabilität und Schlafarchitektur. Die Daten zeigen zudem erstmals präzise, wie sich spezifische Belastungen unmittelbar auf Regeneration und Leistungsfähigkeit auswirken – und wie gezielte Interventionen die Erholung steigern können.

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen bereits jetzt in die Trainingssteuerung des Jagdkommandos und des Bundesheeres ein. Ziel ist es, Belastungsspitzen frühzeitig zu erkennen, Regenerationsphasen zu optimieren und damit das Risiko für Verletzungen, Erschöpfung oder Leistungseinbußen langfristig zu reduzieren.

Fünf Disziplinen – ein integriertes Leistungsmodell

Das HP³-Modell basiert auf einem interdisziplinären Ansatz und vereint Forschungsergebnisse aus fünf Kernbereichen:

  • Psychologie: Resilienz, mentale Stärke, Stressverarbeitung
  • Medizin: biologische Marker, Entzündungsprozesse
  • Physiologie: Herzratenvariabilität, Schlafqualität
  • Sportwissenschaft: Kraft-, Ausdauer- und Neuroleistungsprofile
  • Ernährungswissenschaft: Zellgesundheit und Energieverfügbarkeit

Diese ganzheitliche Betrachtung ermöglicht laut dem Forschungsteam „erstmals ein umfassendes Bild der tatsächlichen Leistungsanforderungen an Spezialeinsatzkräfte – und zeigt Wege auf, wie Gesundheit und Einsatzbereitschaft langfristig gesteigert werden können”.

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Nächste Schritte: Von der Studie zur Streitkräfte-Implementierung

Das Projekt wird im Jänner abgeschlossen. Danach sollen die Erkenntnisse direkt in Präventionsprogramme, Trainingsplanung und Einsatzvorbereitung des Bundesheeres einfließen. Langfristig verfolgt HP³ die Entwicklung eines skalierbaren Human-Performance-Systems für sämtliche Einsatzkräfte.

„Mit HP³ setzen wir einen europäischen Meilenstein”, unterstreicht Rakowitz. „Wir schaffen ein einzigartiges Fundament, um Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Resilienz unserer Soldatinnen und Soldaten nachhaltig zu stärken.”

Partner des Projekts sind neben dem Bundesheer, dem Jagdkommando und der Universität Wien auch Biovis Diagnostik, Blackroll, Norsan, Sleep 2, die Paris Lodron Universität Salzburg, Panaceo und Iasis Elements.

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Quelle©Bundesheer/Rainer