Nach fast sechs Jahrzehnten und mehr als 20 Dienstjahren beim Österreichischen Bundesheer endet für die erste von drei C-130K Hercules nun die fliegerische Karriere. Die Maschine wird bis Ende des Monats nach Wiener Neustadt überstellt – künftig soll sie dem Jagdkommando als hochrealistische Trainingsumgebung dienen.

Die drei rot-weiß-roten Transporter wurden in den 1960er-Jahren gebaut und zunächst von der Royal Air Force betrieben. Seit ihrer Übernahme durch das Bundesheer absolvierten sie mehr als 18.000 Flugstunden, wie Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Rüstungschef Generalleutnant Harald Vodosek, Air Chief Generalmajor Gerfried Promberger und Jagdkommando-Kommandant Brigadier Arthur Bennett im Rahmen einer Pressekonferenz erklärten.

Bereits im Sommer 2024 fiel die Entscheidung, die betagte Hercules-Flotte durch moderne C-390M des brasilianischen Herstellers Embraer zu ersetzen. Gemeinsam mit den Niederlanden wurden vier Maschinen für Österreich und fünf für Den Haag beschafft; Schweden stieg jüngst mit vier weiteren C-390M in das nunmehr trilaterale Programm ein. Rüstungschef Vodosek bezifferte die Ersparnis der gemeinsamen Beschaffung gegenüber einer nationalen Lösung auf rund 140 Millionen Euro, die erste Maschine ist seit Anfang des Jahres in Bau.

Pressekonferenz mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Rüstungschef Generalleutnant Harald Vodosek, Air Chief Generalmajor Gerfried Promberger und Jagdkommando-Kommandant Brigadier Arthur Bennett.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Rüstungschef Generalleutnant Harald Vodosek, Air Chief Generalmajor Gerfried Promberger und Jagdkommando-Kommandant Brigadier Arthur Bennett informierten im Rahmen der Pressekonferenz über die Neugestaltung der österreichischen Lufttransportflotte.

Transportlücke wird international geschlossen

Die durch die Außerdienststellung entstehende Transportlücke soll in enger Kooperation mit Portugal geschlossen werden. Dort stehen neben neuen C-390M auch weiterhin C-130 zur Verfügung. Zudem kann Österreich Transportkapazitäten über das multinationale ATARES-Programm abrufen, wie Air Chief Promberger erklärte – ein „cashless exchange system”, an dem 28 europäische und NATO-Staaten teilnehmen. Promberger betonte die Vorteile dieses Systems, da Österreich im Gegenzug eigene Transportleistungen einbringen kann.

„Die Lebensdauer unserer Maschine zu verlängern, wäre deutlich teurer gewesen als die Leihvariante mit Portugal bis zur ersten neuen C-390 ab 2028”, so Verteidigungsministerin Tanner. Nach der Überstellung nach Wiener Neustadt werden Propeller und Triebwerke als Umlauf- und Ersatzteile genutzt, ebenso Funkgeräte und Bordinstrumente – wie Vodosek und Promberger ausführten.

C-130 Hercules des Österreichischen Bundesheeres – ©Kommando Luftunterstützung
Seit ihrer Indienststellung beim Österreichischen Bundesheer hat die C-130-Flotte insgesamt rund 16.000 Starts und Landungen absolviert.

Weltweit einzigartige Ausbildungs-Infrastruktur

Große Begeisterung zeigte Jagdkommando-Kommandant Bennett für die Weiternutzung des ausgemusterten Transporters: „Wir können künftig eine Vielzahl gefechtstechnischer und taktischer Verfahren direkt an der echten Maschine trainieren – eine Infrastruktur, die weltweit nur wenige Spezialeinheiten zur Verfügung haben.” Bereits jetzt gebe es reges internationales Interesse an einer Mitnutzung. „Ich gehe davon aus, dass auch Partnernationen die Möglichkeit wahrnehmen werden.”

Für Tanner ist die Nutzung der Hercules nach dem Ende ihrer fliegerischen Lebensdauer ein echter Mehrwert: „Es ist entscheidend, dass unser Jagdkommando realistische Trainingsmöglichkeiten hat. Diese außer Dienst gestellte Hercules wird einen wichtigen Beitrag leisten.”

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Rüstungschef Vodosek hob zudem einen weiteren Vorteil der Zusammenarbeit mit den portugiesischen Streitkräften hervor: Österreichische Piloten erhalten dort ein Type Rating auf die C-130 der portugiesischen Luftwaffe. Die Grundausbildung für Piloten und Loadmaster der neuen C-390M erfolgt zunächst im Herstellerland Brasilien, danach gemeinsam mit den Partnernationen. „Einige Piloten werden aber auch bereits in Portugal auf der C-390M eingeschult”, so Vodosek. Auch gemischte österreichisch-portugiesische Crews seien denkbar – ein „vorbildliches Beispiel internationaler Kooperation”.

Beispielgebend sei dahingehend auch die kürzlich getroffene Vereinbarung des Bundesheeres mit den niederländischen Luftstreitkräften und den schwedischen Streitkräften, im Lufttransportbereich enger zusammenzurücken, wie Air Chief Promberger erklärte. Auf der Dubai Airshow unterzeichneten die Kommandanten der Luftstreitkräfte der drei Länder eine Vereinbarung, gemeinsam an Ausbildung, Wartung und Wissensaustausch im Zusammenhang mit der Embraer C-390M zu arbeiten.

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Zwei weitere Hercules-Maschinen bleiben in Betrieb

Bereits in jüngster Vergangenheit wurde die Partnerschaft intensiviert: Eine portugiesische C-390M war Teil der Leistungsschau zum österreichischen Nationalfeiertag, gemeinsam mit Eurofightern, einer C-130 und mehreren Bundesheer-Hubschraubern. Zudem trainieren seit Längerem portugiesische Black-Hawk-Besatzungen gemeinsam mit österreichischen Einheiten.

Air Chief Promberger blickte abschließend auf zwei Jahrzehnte Hercules-Betrieb in Österreich zurück: Über 130.000 Passagiere und mehr als 14.000 Tonnen Fracht wurden transportiert sowie rund 16.000 Starts und Landungen absolviert. Zwei Maschinen bleiben vorerst im Dienst: Eine wird Ende 2027 außer Betrieb gehen, die zweite durchläuft derzeit ein geplantes einjähriges Wartungsereignis und soll bis 2030 verfügbar bleiben.

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Quelle©Bundesheer/Unterbuchberger, Militär Aktuell