Im Rahmen einer Pressekonferenz zu aktuellen Beschaffungen und Wertschöpfung räumten Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (-> Interview mit Militär Aktuell) und Rüstungsdirektor Generalleutnant Harald Vodosek vergangene Woche ein, dass die Auslieferung der neuen AW169 Lion-Helikopter des Bundesheeres dem Zeitplan hinterherhinkt.

Laut Lieferplan gemäß dem Vertrag vom 21. Dezember 2022 hätten mittlerweile alle zwölf AW169B an das Bundesheer ausgeliefert sein sollen. Doch bislang sind erst elf Maschinen in Österreich, die zwölfte Maschine für die Ausbildungsstaffel fehlt noch. Sie soll die Kennung 5M-IL erhalten. Die Lieferung war ursprünglich für Ende des zweiten Quartals 2025 vorgesehen.

Bewaffnungsfähige „MA“-Version des AW169 – ©Leonardo
Die bewaffnungsfähige „MA“-Version des AW169 ersetzt die Alouette III in Aigen im Ennstal und die OH-58 in Langenlebarn – ein zentraler Leistungsträger im Zwei-Typen-Konzept der künftigen Bundesheer-Hubschrauberflotte.

Ebenfalls verzögert ist die Auslieferung der bewaffnungsfähigen Mehrzweckversion „MA” (Multirole Advanced). Diese hätte im vierten Quartal 2024 beginnen sollen – geplant waren ein bis zwei Maschinen pro Quartal und die vollständige Auslieferung der ersten Staffel bis Ende 2026. Doch von den „MA”-Versionen fehlt bislang jede Spur. Auch italienische Spotter, sonst eine der zuverlässigsten Quellen, haben noch keine dieser Maschinen vor die Linse bekommen. Üblicherweise lassen sich anhand der baulichen Details auf Fotos von Zulassungs- und Abnahmeflügen eindeutige Rückschlüsse ziehen – doch die drei bis fünf „MA”-Helikopter, die laut Lieferplan mittlerweile erwartet worden wären, sind bisher nicht aufgetaucht.

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Das Bundesheer erhält die Maschinen aufgrund des „Government-to-Government”-Vertrags nicht direkt von Hersteller Leonardo, sondern von den italienischen Streitkräften. Auch die Informationsschiene läuft über Italien. Laut Generalleutnant Vodosek wurde er von dort informiert, dass sich der Hersteller maximal bemühe. Grund für die Verzögerung sei die Integration und Zertifizierung österreichspezifischer Systeme. Nur das Bundesheer erhält die bewaffnungsfähige „MA”-Version und benötigt daher einen speziellen Waffenrechner sowie externe Waffenträger.

Generalleutnant Harald Vodosek – ©Georg Mader
Rüstungschef Generalleutnant Harald Vodosek: „Der Hersteller musste bereits Pönalen zahlen.“

Vodosek räumte ein, dass der Hersteller für die Verzögerungen bereits Pönalen zahlen musste. Über deren Höhe wollte er keine Auskunft geben. Er verwies allerdings auf die Möglichkeit, dass Hersteller anstelle von Geld auch zusätzliche Sachleistungen erbringen können. Grundsätzlich achte man jedoch darauf, dass die genehmigten Budgetmittel beim Bundesheer verbleiben und nicht an das Finanzministerium zurückfließen.

©Militär Aktuell

Von der ursprünglich bei Vertragsunterzeichnung im Dezember 2021 verkündeten ersten Einsatzbereitschaft ab 2023 musste das Bundesheer bereits abrücken. Mit den bisher elf ausgelieferten Maschinen wird bislang nur die Ausbildung an den Standorten Aigen im Ennstal und Langenlebarn durchgeführt.

Polnischer AW169 – ©Poland MoD
Die polnischen AW149 sind deutlich größer als die österreichischen AW169. Erwartet wird, dass sich die Waffenträger beider Typen stark ähneln – bislang gibt es jedoch noch keine Sichtung einer AW169 mit Bewaffnung.

Dem Lieferplan aus dem Landesverteidigungsbericht 2023/10 zufolge sind keine anfänglichen Einsatzbereitschaften vorgesehen. Die volle Einsatzbereitschaft der Staffel in Aigen im Ennstal ist aktuell für Anfang 2029 geplant, jene in Langenlebarn für das dritte Quartal 2030. Möglich ist das nach wie vor – entscheidend dafür werden jedoch die Fortschritte in der Fertigung bei Leonardo und die Zulassung der Maschinen in Italien sein.

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