Vor 155 Jahren, am 7. April 1871, starb Vizeadmiral Wilhelm von Tegetthoff, der wohl größte Seeheld der kaiserlich-königlichen österreichischen Kriegsmarine. Seine ersten Erfolge erzielte Tegetthoff 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg, als er die dänische Blockade durchbrach. Unsterblich wurde sein Name jedoch rund zwei Jahre später in der Seeschlacht von Lissa, als er die weit überlegene italienische Marine besiegte.
Wilhelm von Tegetthoff wurde im heutigen Maribor (damals Marburg an der Drau) geboren. Schon vor dem eigentlichen Schicksalsjahr 1866 machte er durch Tapferkeit und taktisches Geschick auf sich aufmerksam. Nach seiner Ausbildung an der Marineakademie in Venedig von 1840 bis 1845 führte er Einsätze im Mittelmeer und an der nordafrikanischen Küste durch. Sein erster großer Erfolg kam 1864 im Krieg gegen Dänemark.
Der Held von Helgoland
Als Reaktion auf die preußisch-österreichische Kriegserklärung an Dänemark am 1. Februar 1864 reagierte die dänische Kriegsmarine mit einer Seeblockade schleswig-holsteinischer und preußischer Häfen. Da die Königlich Preußische Marine den Dänen unterlegen war, unterstützte Österreich seinen Verbündeten. Linienschiffskapitän Tegetthoff segelte daraufhin mit den Fregatten „Schwarzenberg” und „Radetzky” sowie dem Kanonenboot „Seehund” in den Norden. Sein Ziel war, mit Hilfe von drei kleineren preußischen Schiffen die dänische Blockade zu durchbrechen. Das Seegefecht von Helgoland am 9. Mai 1864 blieb zwar nach heftigem gegenseitigem Beschuss ergebnislos, dennoch hoben die Dänen die Blockade auf.

Wichtiger als das unmittelbare Ergebnis war für Tegetthoff die Erkenntnis, dass glatte Kanonenrohre gegenüber den gezogenen Geschützen der Dänen wenig Wirkung zeigten. Er schloss daraus, dass k.k. Kriegsschiffe aufgrund ihrer schwachen Bewaffnung den Feind gezielt anlaufen sollten, anstatt sich in wirkungslose Kanonaden zu verstricken. Diese Lehre bildete die Grundlage für den glanzvollen Sieg in der Seeschlacht von Lissa 1866, einem der größten Triumphe der k.k. Kriegsmarine.
„Den Feind anlaufen“
1866 kam es zum Krieg zwischen Österreich und Preußen um die Führung im Deutschen Bund. Das Königreich Italien schloss sich Preußen an und trat Anfang April 1866 in ein Militärbündnis ein. Österreich, zwischen zwei Fronten gezwungen, siegte zwar in der Schlacht von Custozza gegen Italien, unterlag jedoch im Norden in der Schlacht von Königgrätz gegen Preußen.
Die italienische Marine erhielt nun den Auftrag, die österreichische Garnison auf der dalmatischen Insel Lissa anzugreifen, um die k.k. Kriegsmarine aus ihrem Ankerplatz in Fasana bei Pola zu locken und zu einer offenen Seeschlacht zu zwingen.

Anders als die italienische Flotte war die k.k. österreichische Kriegsmarine zunächst nicht voll einsatzfähig. Viele Schiffe mussten nachgerüstet werden, was großes Geschick erforderte. Konteradmiral Tegetthoff gelang es schließlich, 27 Schiffe zusammenzubringen, die er nach Gattung – Panzerschiffe, Holzschiffe, Kanonenboote – in drei Divisionen aufteilte.
„Wir können stolz sein auf den gestrigen Tag und wenn wir das nächstemal dem Feinde begegnen, mit dem Bewusstsein in den Kampf gehen, dass seine Überlegenheit an Schiffen und Geschützen in Zahl und Kaliber durch die Tüchtigkeit der österreichischen Seeleute aufgewogen wird.“
Wilhelm von Tegetthoff, Tagesbefehl vom 21. Juli
Am 20. Juli 1866 kam es zur Entscheidung. Die k.k. Flotte dampfte in Keilformation, die den Einsatz purer Kraft, also der Ramme, begünstigte. Tegetthoff durchbrach bereits beim ersten Anlauf die langgezogene Linie der Italiener. Die Schlacht zerfiel danach in kleinere Einzelkämpfe. Dabei gelang es den Österreichern, das italienische Flaggschiff „Re d’Italia” zu rammen und zu versenken. Als anschließend das italienische Panzerschiff „Palestro” explodierte, lösten sich die Schiffe voneinander, und die italienische Flotte brach die Schlacht ab.

Tegetthoffs Erbe
Der Sieg von Konteradmiral Wilhelm von Tegetthoff in der Seeschlacht von Lissa ist ein Paradebeispiel dafür, dass moderne Bewaffnung allein nicht automatisch zum Sieg führt. Der entschlossene Rammkurs machte ihn zum Nationalhelden der Habsburgermonarchie und festigte Österreichs Ansehen als Seemacht.
Nach Lissa widmete sich Tegetthoff intensiv dem Neuaufbau und der Modernisierung der k.(u.)k. Kriegsmarine, doch sein Tod kam unerwartet schnell: 1871 erkrankte er an einer Lungenentzündung und starb am 7. April 1871. Sein Grab befindet sich auf dem Sankt-Leonhard-Friedhof in Graz.
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