Lateinamerika entwickelt sich für Saab zunehmend zum strategischen Schlüsselmarkt im Bereich der militärischen Luftfahrt. Während in Brasilien der Zulauf der F-39 Gripen E/F (lokale Bezeichnung) weiterläuft und sich in Kolumbien ebenfalls ein möglicher Zuschlag abzeichnet, hat nun auch Peru eine Entscheidung zugunsten des schwedischen Herstellers getroffen. Am 4. Juli bestätigte die Regierung unter Präsidentin Dina Boluarte die geplante Beschaffung von 24 Gripen-E-Kampfflugzeugen zu einem geschätzten Gesamtwert von rund 3 Milliarden Euro.
Zweistufiges Beschaffungsprogramm
Der Zuschlag markiert den Abschluss eines mehrjährigen Evaluierungsprozesses, bei dem sich der Gripen E gegen zwei weitere internationale Mitbewerber durchsetzen konnte. Die geplante Beschaffung folgt einem zweistufigen Finanzierungsmodell, das den schrittweisen Ersatz der alternden Mirage 2000- und MiG-29-Flotten der Fuerza Aérea del Perú (FAP) vorsieht – viele dieser Maschinen sind bereits seit mehr als drei Jahrzehnten im Einsatz.
Die erste Finanzierungsphase in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro wird durch ein nationales Darlehen der Banco de la Nación abgedeckt und ist bereits im Haushaltsplan für 2025 berücksichtigt. Die zweite Tranche über 1,3 Milliarden Euro soll dann 2026 folgen.

G2G-Ansatz und Technologietransfer
Die Regierung bezeichnet den geplanten Kauf als strategische Akquisition im Rahmen der langfristigen Zielsetzungen des Verteidigungsministeriums. Grundlage dafür war die kürzlich erfolgte Verabschiedung des „Schuldengesetzes 2025” durch den peruanischen Kongress. Ein entsprechendes Dekret von nationalem Interesse, das den Kauf formal bestätigt, soll in Kürze unterzeichnet werden.
Am 10. Juli wird der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson gemeinsam mit seinem peruanischen Amtskollegen Walter Astudillo Chávez in Lima erwartet, um die Bedingungen eines zwischenstaatlichen Abkommens (G2G) final zu verhandeln. Vertreter von Saab werden an diesem Termin nicht teilnehmen, das bilaterale Engagement bleibt jedoch zentral, insbesondere im Hinblick auf Technologietransfers und die künftige sicherheitspolitische Zusammenarbeit.
F-16 und Rafale ausgestochen
Peru entschied sich für den Gripen E gegenüber der F-16 Block 70 von Lockheed Martin und der Rafale F4 von Dassault Aviation – vor allem wegen der günstigeren Kostenstruktur und eines deutlich verkürzten Lieferzeitplans. Saab gibt an, das erste Flugzeug innerhalb von 24 Monaten nach Vertragsunterzeichnung liefern zu können. Mindestens zwei Jets sollen bis zum 23. Juli 2026, dem Jahrestag der FAP, in Peru eintreffen.
Interessantes Detail: Die zweisitzige Variante Gripen F, wie sie etwa von Brasilien in acht Exemplaren beschafft wurde, ist in der peruanischen Bestellung nicht enthalten. Die Umschulung der peruanischen Piloten dürfte daher entweder in Schweden oder in Kooperation mit Brasilien erfolgen.

Hoher Preis – oder umfassendes Paket?
Auch wenn der Zuschlag für Saab ein klarer Erfolg ist, werfen die bekannt gewordenen Stückkosten von 93 bis 102 Millionen Euro pro Flugzeug Fragen auf. Sie liegen damit zwar deutlich unter jenen der ausgeschiedenen Mitbewerber (zwischen 144 und 204 Millionen Euro), gelten aber dennoch als vergleichsweise hoch – zumal der Gripen E oft als „kosteneffizientester Kampfjet” positioniert wird.
Eine Erklärung dafür könnten die im Paket enthaltenen Offset-Vereinbarungen und Zusatzleistungen liefern. Im Vormonat fanden jedenfalls intensive Gespräche zwischen Saab und Vertretern des peruanischen Militärs statt, bei denen vor allem über das Kompensationspaket verhandelt wurde. Dieses soll Investitionszusagen und Technologietransfers beinhalten, die auch über den militärischen Bereich hinausgehen.
Peru und Saab verbindet bereits eine gewisse industrielle Vorgeschichte: Frühere Kooperationen umfassten unter anderem die Koproduktion von Patrouillenbooten durch lokale Werften. Welche Leistungen im aktuellen Vertrag genau enthalten sind – und wie stark sich diese auf den Gesamtpreis auswirken –, wird sich wohl erst mit Veröffentlichung der finalen Staatsverträge zeigen. Ob und wann diese öffentlich gemacht werden, bleibt abzuwarten.
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