Die ungarischen Streitkräfte schicken ihre Mil Mi-24 P/V-Kampfhubschrauber in Rente, nachdem auch die letzten Exemplare die geplante, bereits verlängerte Lebensdauer überschritten haben. Der Mi-24 P/V mit der Kennung 334 absolvierte sein letztes Scharfschießen Ende Oktober 2025. Anfang 2026 ging dann eine nahezu 50-jährige Epoche zu Ende: Die letzten Mi-24 wurden ausgemustert.

Der Mil Mi-24 galt über Jahrzehnte hinweg als eines der bekanntesten Kampfhubschrauber. Mit zwei Wellenturbinen ausgerüstet, erreicht der „fliegende Panzer” – wie der Mi-24 von den Sowjets genannt wurde – eine Höchstgeschwindigkeit von 335 Kilometern pro Stunde und eine Flughöhe von 4.500 Metern. Die zulässige Nutzlast beträgt 1.500 Kilogramm intern und 2.400 Kilogramm extern. Interessant und für Kampfhubschrauber eher ungewöhnlich ist auch die Tatsache, dass im Laderaum bis zu acht Soldaten transportiert werden können.

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Historischer Rückblick: Ungarn baut seine Mi-24-Flotte auf

Die ersten vier Maschinen der Ungarischen Volksarmee (Magyar Néphadsereg) landeten im Sommer 1978 auf dem Flugplatz Szentkirályszabadja, unweit des Balatons. Die Ausbildung der Ungarn wurde jeweils von einem sowjetischen Fluglehrer und einem sowjetischen Bordschützen-Operator unterstützt. Dabei wurden nicht nur fleißig Überprüfungsflüge absolviert, sondern auch Verfahren im Bereich der Feuerunterstützung und der Panzerabwehr einstudiert. Das erste Mal zeigte die neue Kampfhubschrauber-Staffel ihr Können an der Militärübung „Schild 79” („Pajzs 79”) des Warschauer Pakts. In der Zwischenzeit trafen immer mehr Hubschrauber ein, sodass im September 1980 eine weitere Staffel aufgestellt wurde.

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Ungarn verfügte damit bereits über drei Transporthubschrauber-Staffeln und zwei Mi-24-Staffeln. Zunächst beschaffte die damalige Volksarmee Maschinen der Version Mi-24D. Ab 1985 wurde dann im Rahmen des Rüstungs- und Modernisierungsprogramms „Mátra” die neue Version Mi-24V bestellt, die sowohl flug- als auch waffentechnisch mehrere Neuerungen mit sich brachte. Den Höhepunkt stellte das Jahr 1989 dar: Insgesamt rund 70 Hubschrauber standen im ungarischen Dienst, darunter 39 Mi-24-Kampfhubschrauber. Bei der Bestellung der Mi-24V beabsichtigte man zunächst sogar die Aufstellung einer dritten Kampfhubschrauber-Staffel. Aus personellen und finanziellen Gründen wurde dieses Vorhaben jedoch nicht umgesetzt.

Von den Jugoslawienkriegen bis zur Mission in Afghanistan

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kam es zu einer deutlichen Verschlechterung der Einsatzfähigkeiten. Aufgrund des dauerhaft bestehenden Ersatzteilmangels gingen sowohl die Zahl der einsatzbereiten Hubschrauber als auch die jährlich zu absolvierenden Flugstunden kontinuierlich zurück. Daran änderte sich auch mit der Übernahme von insgesamt 20 Maschinen – darunter 14 Mi-24D und sechs Mi-24P – aus den Beständen der Nationalen Volksarmee (DDR) wenig.

In die Jahre gekommen, aber immer noch imposant: Der ungarische Mi-24 P/V mit der Kennung 334 – ©Ungarn MoD
In die Jahre gekommen, aber immer noch imposant: Der ungarische Mi-24 P/V mit der Kennung 334.

Im Zuge der Jugoslawienkriege wurden die Mi-24 alarmiert und nach Taszár beziehungsweise später nach Kecskemét verlegt, um sich dort an der Sicherung der Südgrenze zu beteiligen. Eine ähnliche Aufgabe übernahmen die Kampfhubschrauber im Jahr 1999 im Zusammenhang mit dem Kosovokrieg. 2003 kam es zur Schließung des Militärflugplatzes Szentkirályszabadja und zur eigentlichen Agonie der Mi-24-Flotte. Im Zuge der darauffolgenden Umstrukturierung wurden die beiden Hubschrauber-Staffeln aufgelöst und in das 86. Hubschrauber-Regiment Szolnok integriert. Die in Szolnok stationierte Einheit erhielt die Bezeichnung Kampfhubschrauber-Bataillon.

An der NATO-Mission in Afghanistan (-> Afghanistan, wohin gehst du?) nahmen ungarische Mi-24-Kampfhubschrauber-Piloten und Techniker im Rahmen des Air Mentor Teams (HDF Mi-35 Air Mentor Team) teil. Das erste Kontingent kam im April 2010 in Kabul an. Ihr Auftrag lautete, die afghanischen Hubschrauberbesatzungen (Mi-35) und Techniker nach NATO-Standards auszubilden und zu unterstützen. Neben den Flügen hielten die ungarischen Soldaten auch theoretische Schulungen für ihre afghanischen Kollegen ab und richteten gemeinsam mit den US-Mentoren einen mit Computern ausgestatteten Vorbereitungs- und Schulungsraum ein. Das letzte ungarische Kontingent beendete seinen Einsatz im Jahr 2013.

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Das Ende der Mi-24-Kampfhubschrauber in Ungarn

Im Jahr 2017 unterzeichnete die ungarische Regierung einen Vertrag über die Generalüberholung von acht plus vier Hubschraubern. Nahezu zeitgleich mit der Vertragsunterzeichnung begann auch der Transport der ausgewählten Maschinen mit einer Antonow An-124 Ruslan von Ungarn nach Sankt Petersburg. Für die Durchführung der Instandsetzungsarbeiten standen dem Auftragnehmer ab dem Zeitpunkt der Übernahme zehn Monate zur Verfügung.

Obwohl die ursprünglichen Planungen die Modernisierung von insgesamt zwölf Hubschraubern vorsahen, wurden bis August 2018 lediglich zwei Mi-24V (711 und 720) sowie sechs Mi-24P (335, 336, 358, 361, 415 und 444) überführt, womit die Stärke der Mi-24-Flotte Anfang der 2020er Jahre bei acht Maschinen blieb. Mit der Ausmusterung der letzten Maschine Anfang 2026 endete auch die Ära der sowjetischen Kampfhubschrauber in Ungarn.

Das letzte Scharfschießen des Mi-24 P/V – ©Ungarn MoD
Der Mi-24 P/V mit der Kennung 334 absolvierte sein letztes Scharfschießen Ende Oktober 2025.

Ein Teil der Aufgaben von Mi-24 wird künftig von den leichten H145M-Hubschraubern übernommen, die mit zusätzlichen Waffenmodulen ausgestattet werden können. Dies kann aber nur eine Zwischenlösung sein, denn die leichten H145M sind für den klassischen Einsatz als Kampfhubschrauber weniger geeignet. Laut italienischen Medienberichten führte eine ungarische Delegation Anfang 2023 Gespräche über die Beschaffung des noch in der Entwicklung befindlichen italienischen Kampfhubschraubers AW249 des Herstellers Leonardo. Im September 2023 besuchte General László Tömböl zudem das Werk, in dem der AW249 produziert wird. Näheres ist bis zum heutigen Tag nicht bekannt.

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