Aktuell wirkt es fast so, als seien es nur noch Tage, bis sich US-Präsident Donald Trump Grönland unter den Nagel reißen will (-> Wie die USA, China und Russland die Welt neu verteilen). Dänemark versucht gegenzuhalten – und verweist dabei gern auf Erfahrung: Den arktischen Konflikt um eine andere Insel mit Kanada konnte Kopenhagen nach fünf Jahrzehnten erst vor wenigen Jahren für sich entscheiden.

Die Hans-Insel kennt praktisch niemand. Und wer das gerade einmal 1,25 Quadratkilometer große Eiland doch kennt, ist mehrheitlich kein Seefahrer. Gelegen im Kennedy-Kanal zwischen Grönland und der kanadischen Ellesmere-Insel, taugt die Hans-Insel noch nicht einmal richtig als Schifffahrtshindernis. Denn dort, am 80. nördlichen Breitengrad, ist das Meer den größten Teil des Jahres dick zugefroren.

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1880 beanspruchte Kanada, damals Teil des Vereinigten Königreiches, die Insel für sich. Ab 1920 beanspruchte Dänemark ganz Grönland – international anerkannt, auch durch das Vereinigte Königreich. Die Grenze verläuft in der Mitte des Kennedy-Kanals, die Hans-Insel liegt direkt auf dieser Grenze. Beide Seiten wähnten sich in ihrem Besitz. Als Kanada in den 1980er-Jahren ein Lager für wissenschaftliche Untersuchungen auf der Hans-Insel errichtete, schickte der NATO-Partner Dänemark Militärflugzeuge über die Insel.

Der Kommandant des dänischen Kriegsschiffes „HDMS Triton” bei einem Besuch auf der Hans-Insel – ©Archiv
Der Kommandant des dänischen Kriegsschiffes „HDMS Triton” bei einem Besuch auf der Hans-Insel im August 2003.

Ab 1984 begann ein Konflikt, der mit Fahnen, Schnapsflaschen und diplomatischen Noten ausgefochten wurde. Im selben Jahr hisste Dänemarks Grönlandminister Tom Høyem eine dänische Flagge auf der Insel. Kanada protestierte. Seither etablierte sich ein Ritual: Die jeweilige Nationalflagge wurde gehisst und eine Flasche landesüblicher Spirituosen für die jeweils andere Seite hinterlassen. Der Konflikt ging als „Whisky-Krieg” in die Geschichte ein.

Eine Einigung erzielten am 14. Juni 2022 die kanadische Außenministerin Mélanie Joly, der dänische Außenminister Jeppe Kofod und der grönländische Regierungschef Múte B. Egede in Ottawa. Der Grenzvertrag teilt die Insel entlang einer annähernd mittig verlaufenden Schlucht, wobei der grönländische Teil etwas größer ausfällt. Am 19. Dezember 2023 ratifizierte Dänemark als letzter der beteiligten Akteure den Vertrag und beendete damit eine arktische Grenzfrage, die jahrzehntelang energisch, mit Humor, aber niemals mit Gewalt ausgetragen wurde.

Das könnte nun im Falle von Grönland durchaus anders sein, an Humor fehlt es den beteiligten Akteuren in jedem Fall: Nach der Ankündigung Donald Trumps, Grönland zum Schutz der USA „unbedingt” zu benötigen, haben in diesen Tagen Frankreich, Schweden, Deutschland, Norwegen, die Niederlande, Finnland und das Vereinigte KönigreichMilitärpersonal für die Aufklärungsmission „Arctic Endurance” in die grönländische Hauptstadt Nuuk entsandt.

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