Die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte (VKS) bereiten mutmaßlich den Einsatz neuer luftgestützter Marschflugkörper vor. Ukrainische Medien berichteten, dass die VKS ihre Bereitschaft erklärt hat, mit Test- und Kampfeinsätzen von drei neuen Typen von Luft-Boden-Raketen zu beginnen. Erwähnt werden die Kh-BD-K, die Kh-BD sowie die Kh-MC.

Neue Marschflugkörper und Hyperschallraketen für Russlands Bomber – ©Archiv
Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu präsentiert dem nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un im Jahr 2023 Russlands Bomberflotte.

Bei der Kh-BD-K dürfte es sich um einen Marschflugkörper ähnlich der Kh-101 handeln. Der Unterschall-Marschflugkörper ist für den Einsatz durch die Tupolev Tu-95MSM Bear vorgesehen. Die geschätzte Reichweite beträgt 3.000 Kilometer, die Geschwindigkeit rund 900 km/h. Angeblich soll sich Kh-BD-K durch eine sehr geringe Flughöhe von nur 30 bis 70 Metern auszeichnen. Erdkrümmung, Radarschatten durch Hügel und Berge sowie eine entsprechende Routenplanung und vermutlich eine geringe Signatur dürften die Erfassung und Abwehr dieses Systems erschweren.

Die Kh-BD hingegen wird als strategische Rakete für den Einsatz von den Bombern Tu-95MSM als auch der Tu-160M beschrieben. Die maximale Reichweite soll 5.500 Kilometer betragen, eine Reisegeschwindigkeit von 6.600 km/h klassifiziert sie als Hyperschallwaffe. Laut Informationen von 2023 verfügt die Rakete über einen Mehrfachgefechtskopf für zwei Ziele in 100 Kilometer Entfernung zueinander.

Eine Überschall-Anti-Schiffsrakete mit der Bezeichnung Kh-MC soll die veraltete Kh-22 ersetzen. Hier wird die maximale Reichweite mit 900 Kilometer angegeben. Eine alternative Version beziehungsweise eine neue Konfiguration soll allerdings bis zu 2.000 Kilometer fliegen können. Die maximale Geschwindigkeit dürfte bei rund 4.200 km/h liegen.

Russische Quellen behaupten, dass alle drei Waffen ausschließlich unter Verwendung russischer Komponenten entwickelt wurden. Überprüft werden kann das (noch) nicht, es wäre allerdings ein Novum. Denn die Analyse der gegen die Ukraine eingesetzten russischen Waffen zeigt auch in jüngster Zeit vielfach chinesische Baugruppen und in diesen mehrfach westliche Komponenten. Bilder der Waffensysteme gibt es noch keine.

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Tu-95MS/MSM (NATO-Codename: Bear)

Die Tu-95 wurde als strategischer Bomber entwickelt. Das Flugzeug steht seit 1957 bei der sowjetischen, später russischen, Luftwaffe im Einsatz. 1979 erfolgte die Hochrüstung zum Träger Tu-95MS für strategische Langstrecken-Flugkörper. Derzeit werden diese Maschinen modernisiert und mit neuer Ausrüstung und Bewaffnung ausgestattet. Die Flugzeuge erhalten die Bezeichnung Tu-95MSM.

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Tu-95 Bear mit Lenkwaffen.

Im März 2025 hatten zwei russische Flugzeugreparaturunternehmen den Auftrag zur Durchführung von Generalüberholungen, Reparatur und Modernisierung der Tu-95MS erhalten. Das 360. Flugzeugreparaturwerk in Rjasan und der Taganrog-Flugzeugbau- und Wissenschaftskomplex namens G. M. Berijew.

Die Werke sollen die Arbeiten an je drei Maschinen zu Gesamtkosten von rund 271 Millionen Euro durchführen. Ein Zeitplan ist nicht bekannt. Die Gesamtzahl der einsatzbereiten oder grundsätzlich wieder instandsetzungsfähigen Tu-95 ist nach der ukrainischen Operation „Spider Web” noch schwieriger einzuschätzen als zuvor. Es ist von bestenfalls 40 Maschinen auszugehen und einem Klarstand unter 50 Prozent.

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Tu-160 Blackjack mit Lenkwaffen.

Tu-160M/M2 (NATO-Codename: Blackjack)

Die Tu-160 wurde 1987 in Dienst gestellt. Es ist der einzige Langstreckenbomber Russlands, der sich aktuell in Produktion befindet. Die ersten drei Maschinen der modernisierten Tu-160M2-Version aus der Produktion in Kasan, wurden im Februar 2023 an die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte ausgeliefert, zwei Maschinen (statt geplant vier) wurden laut Verteidigungsminister Andrei Belousov Ende 2025 übernommen.

Laut „Military Balance 2024” verfügte Russland Anfang 2024 über 16 einsatzbereite Tu-160. US- und EU-Quellen berichteten von 18 älteren Maschinen zuzüglich der drei neuen Tu-160M2. Von den 18 älteren sollen zumindest sieben Maschinen umfassend zum Typ Tu-160M modernisiert worden sein, der Rest soll folgen. Der Neubau von insgesamt zehn Tu-160M2 war bis 2027 geplant. Die Flotte soll dann rund 25 bis 28 Maschinen umfassen.

Die Tu-160 wird ausschließlich als Plattform für den Start von Marschflugkörpern mit großer Reichweite eingesetzt.

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Das Flugzeugwerk in Kasan liefert seit 2023 und geplant bis 2027 zehn neu gebaute Tu-160M2 aus.

Stationierung und Einsatz

Russland hat einen Großteil seiner Fernfliegerkräfte auf dem Flugplatz Ukrainka in der Region Amur im Fernen Osten Russland zusammengezogen. Dort standen laut Satellitenbildern vom Jahreswechsel 37 Tu-95, acht Tu-160 sowie je eine Il-78M und Il-20M. Jedoch bewegt sich nur ein kleiner Teil der Flotte. In der ersten Jännerwoche wurde eine Verlegung von drei Tu-95 entlang der Route Ukrainka – Belaja – Engels-2Olenja durchgeführt. Zudem verließen zwei Tu-160 den Flugplatz Ukrainka.

Ein derzeit typisches Einsatzprofil ist die Verlegung von Flugzeugen aus Ukrainka und Belaja in Fernost sowie Olenja in der Oblast Murmansk nach Engels-2 in der Oblast Saratow, etwa 1.100 Kilometer östlich von Kiew. Dort werden die Maschinen bewaffnet und betankt. Beim Einsatzflug erfolgt der Start der Marschflugkörper im Bereich des Kaspischen Meeres. Von dort fliegen diese Marschflugkörper über den Kaukasus und dann über oder um die Krim, übers Schwarze Meer oder das Asowsche Meer in die Ukraine. Danach fliegen die Maschinen wieder zu den Ausgangsplätzen.

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Von der Tu-160 sollen 15 bis 18 Maschinen auf Version M modernisiert werden.

2025 flogen die russischen Fernfliegerkräfte 35 Kampfeinsätze mit jeweils rund zehn Maschinen Flugzeugen vom Typ Tu-95MS und Tu-160 gegen die Ukraine. Dabei wurden über 700 Marschflugkörper gestartet.

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