Unter dem sperrigen Titel „Military Air Surveillance and Acquisition Radar Systems (MARS) – Teilsystem Medium Range Radar (MRR)” hat das Österreichische Bundesheer in der letzten Jännerwoche zu Teilnahmeanträgen für verlegbare Mittelstrecken-Radargeräte aufgefordert. Zur Stärkung des Luftraumüberwachungssystems Goldhaube sollen drei Medium Range Radarsysteme (MRR) sowie entsprechende Logistik- und Ausbildungsleistungen. Gebeten wird auch um Angebote für eine Option auf bis zu weitere sechs MRR.
MRR ist ein weiteres Teilsystem, dessen Funktion es ist, das Luftlagebild über Reichweiten bis etwa 200 Kilometer zu verdichten. Sie liegen in der Reichweite deutlich unterhalb der drei großen stationären und des einen verlegbaren Goldhaube-Langstreckenradargeräts des Bundesheeres, die auch Luftfahrzeuge in über 400 Kilometer Entfernung erfassen können.

Im Frühsommer 2024 wurden Kurzstrecken-Radarsysteme ausgeschrieben. Die Vergabe des Auftrags für 14 mobile und acht verlegbare Short Range Radar (SSR) samt fünf abgesetzten Bedienarbeitsplätzen ist bereits erfolgt. Wie Militär Aktuell in Erfahrung bringen konnte, erging der Auftrag an ein israelisches Unternehmen, wobei offenbar ein sehr günstiges Angebot den Ausschlag gab. Die Kurzstrecke betrifft Distanzen bis 100 Kilometer.

Im Dezember 2024 folgte die Ausschreibung für vier Führungsinformationscontainer (CCP – Command and Control Post). In diesen als Container auf Lkw ausgeführten Einrichtungen befinden sich die Bildschirmarbeitsplätze der Luftraumüberwacher. Damit wird das Radarbataillon (RadB) des Kommandos Luftraumüberwachung künftig über 29 bis 35 Radarsysteme verfügen.

Blick auf den Ist-Zustand
Zum Vergleich: Nach der Beschaffung der CSF/Thales RAC 3D Mitte der 1990er-Jahre verfügte das Bundesheer über drei ortsfeste und zwei verlegbare RAT-31S Longrange-Luftraumüberwachungsradargeräte sowie insgesamt 22 mobile Tiefflieger- und Zielerfassungsradargeräte (ZZR & TER). Mittlerweile ist die Ausstattung auf drei ortsfeste RAT-31DL und ein verlegbares RAT-31DLM Longrange-Luftraumüberwachungsradargerät sowie zwölf Aufklärungs- und Zielzuweisungsradargeräte (AZR) gesunken.

Eine einigermaßen brauchbare Abdeckung des Bundesgebietes, insbesondere der tieferen Lagen und Täler, ist damit angesichts der erheblich gestiegenen militärischen Nutzung des bodennahen Luftraums nicht mehr durchführbar.

Blick in die Zukunft
Nach der eingeleiteten Beschaffung wird das Bundesheer im Bereich der Luftraumüberwachung neben den drei ortsfesten und einem verlegbaren Longrange-Luftraumüberwachungsradar somit über drei bis neun Mittelstrecken-Radargeräte und 22 Kurzstrecken-Radargeräte verfügen.
Noch dichter wird das Bild, wenn man die Radargeräte der neuen und modernisierten Flugabwehrsysteme mitberücksichtigt. Die sieben taktischen Einheiten sind jeweils mit einer Sensoreinheit mit 360-Grad-Radar ausgestattet. Ebenso verfügen die 36 Skyranger Pandur der Landstreitkräfte über ein 360-Grad-Radar. Die Radargeräte dieser Flugabwehrsysteme haben eine Reichweite von bis zu 50 Kilometer.
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Die heuer anstehende Beschaffung von möglicherweise bis zu acht Kurz- und Mittelstrecken-Flugabwehrsystemen wird jeweils auch ein Mittelstrecken-Radargerät beinhalten. Damit wird die Republik Österreich künftig über ein Luftlagebild verfügen, das in seiner Dichte und Auflösung alles Bisherige weit übertrifft.

Anmerkung: Die genannten Entfernungen beziehen sich auf Luftfahrzeuge mit großen Signaturen beziehungsweise Radarquerschnitten. Die erforderliche Energie, um ein Objekt zu erfassen, steigt proportional mit dem Quadrat der Entfernung. Das bedeutet umgekehrt, dass auch für kleine Objekte, signaturreduzierte Militärluftfahrzeuge (Eurofighter) und Stealth-Luftfahrzeuge (F-35) die Wahrscheinlichkeit einer Erfassung mit abnehmender Entfernung proportional im Quadrat steigt.
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