Nur einen Tag nach der diesjährigen Dubai Airshow (-> Die Dubai Airshow 2025 in Bildern) deutet vieles darauf hin, dass Bangladesch der wohl nächste Betreiber des pakistanisch-chinesischen JF-17 Block III Thunder werden könnte. Pakistan kündigte während der Messe öffentlich an, ein Memorandum of Understanding (MoU) mit einer nicht näher benannten „freundlichen Nation” über den Export der jüngsten JF-17-Variante unterzeichnet zu haben. Dies löste sofort weitreichende Spekulationen in Verteidigungskreisen aus, dass es sich dabei um Dhaka handeln könnte.

Die Bekanntgabe war auch deshalb bemerkenswert, weil sie auf einer der weltweit führenden Luftfahrtmessen erfolgte und auf eine zunehmende internationale Aufmerksamkeit für nicht-westliche, kosteneffiziente und zugleich technologisch fortschrittliche Kampfjetlösungen hinweist. Das alles zu einer Zeit, in der globale Lieferketten angespannt sind und westliche Plattformen für viele mittelgroße Luftstreitkräfte sowohl zu teuer als auch zu spät lieferbar werden. Genau diese Kritik war auf der Dubai Airshow bei zahlreichen Gesprächspartnern aus Militär und Industrie mehrfach zu hören.

BAF-Piloten sollen noch 2025 nach Pakistan

Bangladeschs Luftwaffenchef, Air Chief Marshal Hasan Mahmood Khan, traf in Dubai seinen pakistanischen Amtskollegen ACM Zaheer Ahmed Baber Sidhu am Stand von PAC Kamra – eine offizielle Bestätigung eines Deals gab es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Kurz darauf wurde jedoch eine andere Entscheidung aus Dhaka bekannt: Bangladesch will noch dieses Jahr Kampfpiloten und technische Spezialisten zu einer weiterführenden fliegerischen Ausbildung nach Pakistan entsenden.

Bangladesch wohl nächster Kunde des JF-17 Thunder – ©Georg Mader
Die Block III-Variante ist die jüngste Version der JF-17 Thunder.

Dies wäre der erste formelle militärisch-fliegerische Ausbildungsaustausch zwischen beiden Ländern seit dem brutalen Bruch von 1971 – dem Jahr des dritten indisch-pakistanischen Krieges seit der Teilung des Subkontinents, ein tief im geopolitischen Gedächtnis Südasiens verankerter Einschnitt. Die Entscheidung markiert damit eine klare sicherheitspolitische Neuausrichtung Bangladeschs.

Asiatische Fachkollegen, die Bangladesch mit dem MoU in Verbindung bringen, berichten übereinstimmend, dass Dhaka die Diversifizierung seiner bisher stark chinesisch- und russisch geprägten Jagdflugzeugflotte beschleunigen will. Ziel sei die Beschaffung einer zuverlässigen, modernen und wartungsarmen Mehrzweckplattform, um die Bangladesh Air Force (BAF) langfristig abzusichern.

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Der aktuelle Modernisierungskurs trägt den Namen „Bangladesh Forces Goal 2030”. Er sieht vor, die BAF in eine vollständig modernisierte, vernetzte und dreidimensional ausgerichtete Luftstreitkraft zu transformieren, die in der Lage ist, Multi-Domain-Bedrohungen über der Bucht von Bengalen und im weiteren Indopazifik effektiv zu bewältigen. Zudem sucht Dhaka ausdrücklich einen leistungsfähigen Mehrzweckjäger mit niedrigen Betriebskosten – ein Profil, das der JF-17 Block III nach Angaben seiner Entwickler besonders gut erfüllen soll.

JF-17 Thunder als Brückenlösung

Sollten sich die in Dubai gewonnenen Eindrücke bestätigen, wäre dies ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich das JF-17-Programm, ein gemeinsames Produkt des Pakistan Aeronautical Complex (PAC) in Kamra und der chinesischen Chengdu Aircraft Corporation (CAC), zunehmend zu einer der erschwinglichsten und gleichzeitig leistungsfähigsten 4,5-Generationen-Lösung auf dem Weltmarkt entwickelt.

Selbst ein in Dubai aufgetretenes Hydrauliköl-Leck, durch das einer der Jets nicht mehr rollen konnte und in einen Hangar geschleppt werden musste, tat dem Eindruck keinen nennenswerten Abbruch.

Bangladesch wohl nächster Kunde des JF-17 Thunder – ©Georg Mader
Durch ein AESA-Radar sowie eine BVR-Fähigkeit stellt der JF-17 eine gute Übergangslösung dar.

Der Block III ist die jüngste und technologisch fortschrittlichste Version des Musters. Er integriert moderne Avionik- und Sensorsysteme, darunter ein AESA-Radar und eine starke BVR-Fähigkeit durch die seit Mai bekannte Langstreckenrakete PL-15E. Damit schließt der Jet für viele Luftstreitkräfte eine technologische Lücke zwischen klassischen Jets der vierten Generation und modernen Stealth-Plattformen der fünften Generation – zu einem Preis, der im globalen Vergleich attraktiv bleibt.

Bangladesch als möglicher vierter Exportkunde

Laut Berichten begann Bangladesch bereits im Jänner dieses Jahres mit einer formellen Bewertung des JF-17, einschließlich Machbarkeitsstudien und technischer Briefings. Die nun geplante Entsendung von Piloten und technischen Spezialisten nach Pakistan gilt als weiterer Schritt im Entscheidungsprozess.

Dhaka benötigt dringend einen Ersatz für seine F-7BG/MB-Flotte (chinesische MiG-21-Derivate), die unter hohem Wartungsaufwand, begrenzter Avionik und veralteten BVR-Fähigkeiten leidet – ein Nachteil gegenüber modernen Jets in der Region, etwa jener Myanmars. Die MiG-29 wären grundsätzlich leistungsfähiger, sind aber in Bangladesch wegen der schlechten Ersatzteilversorgung kaum durchgehend einsatzbereit.

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Ein BAF-Offizier wurde in Dubai mit folgenden Worten zitiert: „Bangladeschs Sicherheitsinteressen erfordern nun Diversifizierung, Ausweitung und realistische Einsatzbereitschaft – nicht Nostalgie für vergangene Konflikte. Die sich verändernde Sicherheitsordnung im Indopazifik verlangt flexible Verteidigungspartnerschaften über mehrere Vektoren, statt einer alleinigen Abhängigkeit von einem traditionellen Lieferanten.”

Für Dhaka geht es Berichten zufolge um 16 bis 24 Flugzeuge, im Gesamtwert von 345 bis 605 Millionen Euro, einschließlich Ausbildung, Ersatzteilen und Wartungsunterstützung. Die mögliche erste Lieferung könnte in drei bis fünf Jahren erfolgen. Bisherige Nutzer des JF-17 – neben Produzent Pakistan – sind Myanmar, Nigeria und seit Ende 2024 auch Aserbaidschan.

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Quelle©Georg Mader