In einer Präsentation des US-Luftwaffenministeriums zum Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2026 (FY26) vor Ausschüssen des 119. Kongresses machten Luftwaffenstaatssekretär Troy Meink, US Air Force-Stabschef General David W. Allvin und General B. Chance Saltzman (Chef der US Space Force) eines klar: Der Budgetvorschlag priorisiert eindeutig die Entwicklung des – angeblich zu Ehren der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump als 47. US-Präsident benannten – F-47 von Boeing.

Das geht sichtlich zu Lasten mehrerer anderer Systeme. So wird etwa der ebenfalls von Boeing entwickelte F/A-XX-Jäger der 6. Generation der Navy in den Hintergrund gedrängt (-> Verzögerung beim neuen Kampfflugzeug der 6. Generation für die US-Navy). Auch die A-10C, der E-7 Wedgetail – erst kürzlich wurde stattdessen die E-2 Hawkeye vorgezogen – und Teile der F-35-Flottenplanung werden von den neuen Plänen der US Air Force beeinträchtigt.

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F-47 als oberste Priorität

In der Präsentation heißt es: „Unsere Kampfflugzeuge und ihre Einsatzweise werden einen revolutionären Wandel erfahren. Wie von Präsident Trump kürzlich angekündigt, stellt die F-47 – bemannte Plattform der Next Generation Air Dominance-Familie (NGAD) – einen monumentalen Sprung dar, um Amerikas Luftüberlegenheit für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Sie wird das fortschrittlichste, tödlichste und anpassungsfähigste Kampfflugzeug sein, das je entwickelt wurde.”

Boeing F-47 zieht „Blutspur” durch US-Rüstungslandschaft – ©DoD
General David W. Allvin machte bei der Haushaltspräsentation die Prioritäten der US Air Force klar.

Die F-47 solle eng mit dem Collaborative Combat Aircraft (CCA) operieren, das autonome Systeme und KI in einem modularen Architekturansatz integriert. Dieser ermögliche schnelle technologische Upgrades bei gleichzeitig reduzierten Systemkosten.

Wie es in der Präsentation weiter heißt, sollen trotz dieser Ausrichtung auch aktuelle Plattformen weiter modernisiert werden, insbesondere die F-35 in der Tranche 3 und dem Block 4-Upgrade, die F-15 mit einer Verlagerung von C/D- und E- auf die F-15EX-Version, die F-16 im Rahmen einer Lebensdauerverlängerung und die F-22 mit der Forschung und Entwicklung für Sensorik, Navigation und Kommunikation.

Hätte es nicht gerade die Navy am nötigsten gehabt?

Viele innerhalb des US-Militärs und Beobachter sprechen offen aus, dass unter Trump-II Rationalität nicht die oberste Tugend sei. Was man dabei als internen Widerspruch herausarbeiten kann: Gerade der künftige Kampfraum Indopazifik wird von den Offiziellen der Administration bei zahlreichen Gelegenheiten als vorrangig gegenüber Europa eingestuft.

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Mit Blick auf China, das selbst massiv in Technologien der 6. Generation investiert, wären ausgerechnet die US-Flugzeugträgerkampfgruppen wohl die am stärksten exponierten Machtmittel der USA. Sie würden laut verschiedenen Wargames und Planspielen (-> Planspiel: US-Streitkräfte scheitern in Taiwan-Szenario) im Fall eines Konflikts als erste in Kampfhandlungen verwickelt, sowohl als Abnutzungsinstrument gegen China als auch umgekehrt.

Dabei sollte gerade ein neuer Stealth-Fighter auf den Trägern die alternde F/A-18E/F Super Hornet ablösen, die bereits vor über 24 Jahren in Dienst gestellt wurde. Doch das de-facto-Aus für das F/A-XX-Projekt der Navy zeichnete sich bereits ab, seitdem die USAF mit dem eigenen „Next-Gen Fighter”, dem F-47, an die Öffentlichkeit trat. Auch in deutschsprachigen Medien war dies Thema, etwa bei Futurezone.

Das ursprünglich für die Marine vorgesehene Budget wurde stattdessen der USAF zugesprochen. Nun gilt das Projekt offiziell als eingestellt – auch wenn es intern heißt, man werde weiterhin „minimale Mittel bereitstellen, um den Entwicklungsfortschritt zu erhalten”.

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Letzteres dürfte kaum mehr bedeuten als die Konservierung bereits gefertigter, nie öffentlich gezeigter Prototypen, also der Weg ins Museum, wie einst bei der YF-23 oder der X-32.

Weniger F-35 in künftigen Produktionslosen

Auch die F-35-Beschaffung wird reduziert. Das ursprüngliche Ziel der USAF lag bei 1.763 Stück. Aktuell wird jedoch die laufende Bestellung von 74 auf 47 Jets gekürzt, ob absichtlich „symbolisch” passend zur Zahl 47, sei dahingestellt.

In den Vorjahren wurde noch betont, dass die Stückkosten sinken: So sind die Stückkosten der F-35A-Variante mit 76 Millionen Euro für die 15., 16. und 17. Produktionscharge beziffert worden. Die senkrecht landende F-35B hingegen ist mit Stückkosten von circa 100 Millionen Euro genauso wie die trägergestützte F-35C mit 94 Millionen Euro deutlich teurer.

Boeing F-47 zieht „Blutspur” durch US-Rüstungslandschaft – ©Georg Mader
Obwohl die Stückkosten der F-35A mit den vergangenen Produktionschargen stetig gesunken sind, wird die USAF nun weniger bestellen.

Die trägergestützte F-35C wird nun wohl für lange Zeit die Hauptlast der Navy-Kampfflugzeuge tragen, während Super Hornets nach über zwei Jahrzehnten Dienst altern. Dennoch ist die Reichweite der F-35C im Pazifik oft zu gering.

Bremsklotz für die F-35 bleibt – wie bei vielen Großwaffenprojekten – der schleppende Innovationszyklus der konventionellen Rüstungstechnik. Das Programm befindet sich derzeit in der dritten Modernisierungsphase, bei der zwar neuere, aber keineswegs hochmoderne Prozessoren zum Einsatz kommen. Das zentrale Problem: Der langsame Hardware-Upgrade-Zyklus verhindert, dass die F-35 von den rasant fortschreitenden Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz voll profitieren kann.

F-15EX: Die beste „Eagle“ aller Zeiten

Im Gegensatz dazu erlebt die F-15EX Eagle II, inspiriert von der F-15QA für Katar, einen Aufschwung. Mit etwa 80 Millionen Euro pro Stück (zweite Produktionscharge) wird die Flottengröße von 98 auf 129 Maschinen angehoben. Der Haushaltsentwurf FY26 sieht rund 2,54 Milliarden Euro für das Programm vor. Das ist durchaus sinnvoll, da die F-15EX hohe Nutzlast, Reichweite und Sensorik bietet.

Sie soll die Lücke zwischen reduzierter F-35-Stückzahl und verspätetem F-47, dessen Erstflug für 2028 erwartet wird, füllen. Gerüchteweise sei der F-47 jedoch bereits „inkognito” im Südwesten der USA unterwegs.

Der zähe „Kanonenvogel“ wird weiter abgebaut

Die A-10C Thunderbolt II ist mit ihrer ikonischen 30-Millimeter-Revolverkanone zwar unersetzlich in Bodenkampfmissionen, doch über Gebieten mit starker Luftabwehr (etwa im Konflikt mit einem „Near Peer”) ist ihre Überlebensfähigkeit fraglich.

Zwar hat sich der US-Kongress über Jahre hinweg gegen das bereits von früheren US-Regierungen angestrebte Ende der A-10-Flotte gestellt. Nicht zuletzt, weil es dort Abgeordnete gibt, die selbst auf diesem Muster geflogen sind.

Boeing F-47 zieht „Blutspur” durch US-Rüstungslandschaft – ©Georg Mader
Die A-10 ist aufgrund der 30-mm-Revolverkanone für Bodenkampfmissionen unersetzlich.

Zwischen 1975 und 1986 wurden insgesamt 715 Exemplare der A-10 produziert. Aktuell betreiben die US-Luftstreitkräfte noch rund 240 Maschinen. Im vergangenen Jahr wurden davon 56 zur Ausmusterung gebracht. Dabei war die gesamte Flotte vor etwa zehn Jahren noch einmal umfassend modernisiert worden: neue Tragflächen sowie umfangreiche Avionik- und Systemelektronik. Doch das endgültige Aus scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Verzicht, Widersprüche – und methodische Intransparenz

Abseits des „Kriegerethos” von Verteidigungsminister Pete Hegseth bleibt klar: Was Amerika mit seinem Militär macht – oder unterlässt – hat weltweite Sicherheitsrelevanz. Das sehen auch US-Verbündete und Gegner.

Radikale Kurskorrekturen zeichnen sich derzeit nicht nur bei der US Air Force ab – auch die US Army schlägt in ihrer Struktur- und Fähigkeitsplanung neue, kompromisslose Töne an. In einem aufsehenerregenden Schreiben an die Streitkräfte hat Secretary of the Army Dan Driscoll Anfang Mai die Army Transformation Initiative (ATI) vorgestellt und offensiv beworben. Das Programm trägt den Titel: „Bereitstellung kritischer Kampffähigkeiten, Optimierung unserer Truppenstruktur sowie Beseitigung von Verschwendung und veralteten Programmen.” Die Botschaft dahinter ist deutlich: Alles, was nicht unmittelbar zur tödlichen Wirksamkeit im Gefecht beiträgt, soll gestrichen werden.

Driscoll kritisiert in diesem Zusammenhang offen den bisherigen Kurs des Verteidigungsministeriums. Der Entscheidungsprozess sei über drei Jahrzehnte hinweg „verzerrt” worden und habe sich zu einem „provinziell gelenkten Unternehmen” entwickelt, das eher den Interessen von Teilorganisationen diene als den tatsächlichen Anforderungen der Truppe. Das berichtet unter anderem das Fachmagazin Dronelife.

Das französische Portal Meta-Défense kommentierte: „Trotz Budgetsteigerungen (plus 15 Prozent auf etwa 815 Milliarden Euro) sehen wir beispiellose Kürzungen, interne Widersprüche und eine methodische Intransparenz, die selbst republikanische Abgeordnete verwirrt. Peking hingegen verfolgt eine stringente, fortschrittliche und langfristige Militärplanung mit einem strategischen Ziel: Die Vereinigten Staaten in der Rolle der dominierenden Militärmacht des 21. Jahrhunderts zu verdrängen.”

Doch dabei dreht sich bei den Trumps, Rubios und Hegseths dieser „Neuen Welt” gerade alles um China – oder etwa doch nicht?

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Quelle©DoD, Georg Mader, NG mit KI bearbeitet