Die US-Luftwaffe hat dieser Tage neue Rüstungsverträge im Gesamtwert von rund 6,7 Milliarden Euro vergeben, um ihre Bestände an Luft-Luft-, Luft-Boden- und Schiffsabwehrraketen aufzustocken. Ziel ist die Wiederbefüllung der Depots angesichts wachsender globaler Spannungen – vor allem mit Blick auf den Indopazifik.

Lockheed Martin erhält größten Zuschlag

Mit 3,7 Milliarden Euro geht der größte Auftrag an Lockheed Martin zur Fertigung der Joint Air-to-Surface Standoff Missile (JASSM) sowie der daraus abgeleiteten Long Range Anti-Ship Missile (LRASM). Bestellt wurden die Produktionslose 22 bis 26 (JASSM) sowie 9 bis 12 (LRASM). Der Vertrag inkludiert auch Foreign Military Sales (FMS) an Finnland, Japan, die Niederlande (-> Bericht) und Polen (-> Bericht). Beide Waffensysteme teilen sich dieselbe Fertigungslinie. Der kumulierte Auftragswert des bestehenden Rahmenvertrags steigt damit auf knapp 8,2 Milliarden Euro.

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Rekordauftrag für Raytheons AMRAAM

Ein weiterer Milliardenauftrag ging an Raytheon für die Produktionslose 39 und 40 der Advanced Medium Range Air-to-Air Missile (AMRAAM). Das 3-Milliarden-Euro-Paket umfasst auch Lieferungen an 19 FMS-Partnerländer, darunter Taiwan. Es ist der größte Einzelauftrag in der Geschichte des AMRAAM-Programms.

Die vielseitige Rakete wird nicht nur von Jets wie F-15, F-16 und F-35, sondern auch vom bodengestützten NASAMS-System eingesetzt. Der Vertrag wird gemeinsam durch Mittel von Luftwaffe, Marine und internationalen Partnern getragen.

Produktionsausweitung durch Sonderhaushalt

Finanziert werden die Bestellungen durch bereits freigegebene, aber noch nicht verausgabte Mittel früherer Haushaltsjahre sowie durch das sogenannte One Big Beautiful Bill (OBBB) – ein Sonderhaushaltspaket zur schnellen Stärkung der US-Rüstungsbasis. Es sieht unter anderem 423 Millionen Euro für zusätzliche JASSM, 346 Millionen Euro für LRASM sowie 328 Millionen Euro für den Ausbau der LRASM-Produktionskapazität vor. Auch AMRAAM profitiert mit 216 Millionen Euro für neue Raketen und 194 Millionen Euro für mehr Produktionsvolumen. Die Jahresproduktion soll künftig von derzeit 1.200 auf 2.400 Einheiten verdoppelt werden.

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Fokus auf kosteneffiziente Alternativen

Trotz der Milliardeninvestitionen prüfen Pentagon-Verantwortliche weiterhin kostengünstigere Alternativen, etwa einfachere Marschflugkörper oder weniger komplexe Abfangwaffen – eine Reaktion auf die enormen Stückkosten der High-End-Systeme wie JASSM oder AMRAAM.

Mit der aktuellen Maßnahme bereitet sich das Pentagon nicht nur auf mögliche künftige Konflikte vor – insbesondere mit China –, sondern sichert auch die Munitionsversorgung für laufende Einsätze und Waffenlieferungen, etwa in die Ukraine (-> Aktuelle Meldungen aus dem Ukraine-Krieg).

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Quelle©Lockheed Martin