Vor einigen Jahren begann die US Navy – auch für die Jet-Ausbildung des Marinekorps – nach einem Ersatz für die seit 1991 eingesetzten 220 T-45C Goshawk-Jets zu suchen. Diese stellen eine verstärkte Ableitung der britischen BAE Hawk mit robusterem Fahrwerk und Fanghaken dar. Alle T-45A wurden ab 1997 zur T-45C mit „Glass-Cockpit” umgerüstet. Die heute noch 193 Exemplare sollen bis etwa 2035 ersetzt werden, das Nachfolgeprogramm trägt den Namen „Undergraduate Jet Training System” (UJTS) und hatte bisher vier Bewerber – nun gibt es einen fünften.

Boeing bietet eine adaptierte Version seines T-7A Red Hawk an, der derzeit mit Verzögerungen kurz vor der Auslieferung an die USAF steht. Textron-Beechcraft stellt zudem eine „amerikanisierte” Variante des Leonardo T-346N vor, während Korea Aerospace in Zusammenarbeit mit Lockheed Martin den TA-50 ins Rennen schickt. Beide Letztgenannten hatten im Wettbewerb um den USAF-Trainerauftrag bereits gegen den T-7A verloren. Mit dem wenig bekannten Unternehmen Stavatti Aerospace trat zudem ein vierter Bewerber an, der seinen Entwurf SM-31T Stiletto präsentierte – ein bislang rein konzeptionelles Projekt, da die Firma noch kein Flugzeug gebaut hat, jedoch ein 100 Prozent US-amerikanisches Produkt verspricht.

Klingt komisch? Ist aber so: Trägerfliegerei lernen ohne am Träger zu landen – ©Georg Mader
Die T-45C sollen bis etwa 2035 ersetzt werden.

Ein neuer Kandidat: SNC

Nun hat auf der jährlichen Marinefliegerkonferenz „Tailhook Association” in Reno, Nevada, ein fünfter Anbieter sein Projekt vorgestellt: die Sierra Nevada Corporation (SNC). Das 1963 gegründete und durch die militärische Partnerschaft mit Embraer beim leichten Kampfflugzeug A-29 Super Tucano”´ bekannte Unternehmen präsentierte den Jet-Trainer Freedom. Dieser zweistrahlige Trainer basiert auf einer Studie von Turkish Aerospace Industries (TAI), die später jedoch zugunsten des Hürjet nicht weiterentwickelt wurde. SNC setzt beim Freedom-Trainer auf Williams-44-Triebwerke und verspricht laut Vice President of Strategy Derek Hess bis zu 40 Prozent geringere Betriebskosten als bei der T-45. Derzeit existieren lediglich ein Mock-up von ADM-Works sowie erste Werbematerialien und Präsentationsvideos.

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Training von Trägerpiloten künftig nur noch an Land und im Simulator?

Bemerkenswert, und wohl auch ungewöhnlich, am UJTS ist, dass offenbar im Gegensatz zu den Vorgängermodellen nicht mehr auf echten Flugzeugträgern trainiert werden soll. Traditionell gilt die Landung auf dem sich bewegenden Trägerdeck, insbesondere bei Nacht oder schlechtem Wetter, als „Königsdisziplin” der militärischen Jetfliegerei. Doch seit der Einführung automatischer Gleitpfadsysteme bei der F-35C ist das Risiko solcher Manöver deutlich gesunken.

Noch ist die Navy unschlüssig, ob sie das Konzept vollständig auf ein kostengünstigeres und risikoärmeres Trainingsmodell mit virtueller Komponente umstellen soll, oder ob zumindest einige wenige reale „Touch-and-Go”-Manöver am Schiff erhalten bleiben. Wahrscheinlich werden Neulinge erst im Rahmen der Fleet Replacement Squadrons (FRS), die sie auf ihre Einsatzmuster (F/A-18E/F, EA-18G, F-35C und künftig möglicherweise F/A-XX) vorbereiten, erstmals auf einem echten Träger landen. Zuvor sollen sie eine sogenannte Field Carrier Landing Practice (FCLP) absolvieren, bei der Landungen mit Fanghaken auf einer präparierten Landebahn geübt werden.

Der SNC Freedom-Trainer soll außerdem mit der helmmontierten ATARS-Taktiksimulation des Partners „Red 6” kombiniert werden, die virtuelle Gegner einbindet – eine moderne Alternative zum klassischen „Top Gun”-Aggressor-Flugbetrieb. Ein überarbeiteter Request for Proposal (RFP) wird für Dezember dieses Jahres erwartet, die endgültige Entscheidung über den Gewinner des Programms ist für 2027 geplant.

Bis dahin bleibt Zeit für weitere Anpassungen, Diskussionen und Spekulationen über dieses ambitionierte Trainingskonzept, das innerhalb der Navy durchaus auch auf Skepsis stößt.

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Quelle©SNC, Georg Mader, ADM Works