Wie der jüngsten Präsentation des Sekretärs der US Air Force (-> aktuelle Meldungen rund um die US-Streitkräfte), Troy Meink, vor dem US-Senat und dem Repräsentantenhaus zu entnehmen ist, will die US Air Force bis zum Fiskaljahr 2029 insgesamt 96 Exemplare des kurz „Whiskey” genannten Kampf-, Such- und Rettungshubschraubers HH-60W Jolly Green II von Sikorsky beschaffen.

Bisher wurden 60 Maschinen ausgeliefert. Noch im Februar 2022 hatte das Department of the Air Force die ursprünglich geplante Beschaffung von 113 auf 65 Hubschrauber gekürzt.

Für das Fiskaljahr 2023 wurden auf Basis eines Abweichungsmemorandums sowie auf Anweisung des Kongresses insgesamt 20 weitere Maschinen bestellt. Nun dürften weitere 11 Hubschrauber die Gesamtflotte auf 96 Exemplare anwachsen lassen (10 Entwicklungs- und 86 Produktionsluftfahrzeuge).

©Militär Aktuell

Programmübersicht

Die Entwicklung des HH-60W Jolly Green II auf Basis des UH-60M als Ersatz für den HH-60G Pave Hawk auf Basis des UH-60L wurde am 2. März 2012 eingeleitet. Am 17. Mai 2019 absolvierte der Prototyp seinen Erstflug auf dem Testflugplatz von Sikorsky in West Palm Beach. Im September 2019 wurde die Beschaffung von 61 Maschinen in vier Produktionslosen genehmigt.

Im Juni 2021 wurde die erste Serienmaschine an die US Air Force ausgeliefert. Im Oktober 2022 wurde die erste operationelle Einsatzfähigkeit (Initial Operational Capability, IOC) erreicht. Im Dezember 2022 führten zwei HH-60W ihren ersten Einsatz durch und retteten erfolgreich zwei Personen am Horn von Afrika.

Sikorsky HH-60W Jolly Green II – ©USAF
Das Motto „That Others May Live“ – Damit andere leben – bringt den Auftrag der Kampfrettungskräfte auf den Punkt: Leben retten, auch unter Einsatz des eigenen.

Die HH-60W-Mission

Kernkompetenz des „Whiskey” und seiner Besatzungen ist die Rettung und Bergung isolierten Personals aus feindlichem oder gesperrtem Gebiet – bei Tag und Nacht, bei schlechtem Wetter, im Fall terroristischer Angriffe, in militärisch umkämpften Umgebungen sowie unter chemischer, biologischer oder nuklearer Bedrohung. Die Ausrüstung des HH-60W ist darauf ausgelegt, dass zwei Hubschrauber diese anspruchsvollen Missionen – soweit praktikabel – eigenständig erfüllen können.

Auf Basis dieser, kurz mit CSAR (Combat Search and Rescue) bezeichneten Fähigkeiten, können die Hubschrauber auch Nebenmissionen durchführen. Dazu zählen konventionelle und zivile Such- und Rettungseinsätze ohne Bedrohung, nationale und internationale Katastrophenhilfe, humanitäre Einsätze, Drogenbekämpfung, Unterstützung der NASA (z. B. Astronautenbergung) sowie konventionelle Flugoperationen im Rahmen der Verlegung oder des Abzugs von Kampftruppen.

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Die Ausrüstung des „Whiskey“

Die Crew des Hubschraubers besteht aus zwei Piloten und zwei Bordschützen. Hinzu kommen zwei bis vier Sanitäter.

Der Pilot steuert die Maschine und bedient die elektronischen Sensoren, einschließlich der Gegenmaßnahmen. Der Copilot übernimmt die Navigation, die Kommunikation – unter anderem via Link 16 – und koordiniert die Ausführung der Mission.

Für die beiden Bordschützen stehen je nach Einsatzprofil folgende Bewaffnungsoptionen zur Verfügung: eine GAU-2B, eine 7,62-Millimeter-Gatlingkanone mit einer Feuerrate von 3.000 Schuss pro Minute, oder alternativ eine GAU-18 (12,7 Millimeter, 650 bis 800 Schuss/Minute) beziehungsweise eine GAU-21 (12,7 Millimeter, 950 bis 1.100 Schuss/Minute).

In der Kabine ist Platz für zwei Patienten auf hochklappbaren Liegen. Eine Rettungswinde des Typs Breeze-Eastern ist über der rechten Kabinentür montiert.

Luftbetankung eines Sikorsky HH-60W Jolly Green II – ©USAF
Die Luftbetankungssonde wird ausgefahren um Treibstoff im Flug zu übernehmen.

Pilotensitze, Kabinenboden, Cockpittüren und Kabinenwände sind gehärtet, um das Eindringen panzerbrechender 7,62-Millimeter-Geschosse aus Entfernungen ab 100 Metern zu verhindern.

Statt der üblichen 1.360 Liter Treibstoff des UH-60M ist der HH-60W mit zwei vergrößerten, selbstverständlich selbstversiegelnden Treibstofftanks mit einem Gesamtfassungsvermögen von 2.513 Litern ausgestattet. Darüber hinaus ermöglicht eine Luftbetankungssonde die Übernahme von Treibstoff durch einen C-130-Tanker.

Unter dem Radom an der Nase verbirgt sich ein Honeywell Primus 701A Farb-Wetterradar. Direkt darunter ist ein stabilisiertes elektrooptisches/infrarotbasiertes Kamerasystem des Typs Wescam MX-10 EO/IR montiert.

Zur Selbstverteidigung kommen ein AAR-57(V)3 Raketen- und Feindfeuerwarnsystem, ein AVR-2B(V)1 Laserwarnsystem, ein APR-52(V)1 Radarwarnempfänger sowie ein AN/ALE-47 Gegenmaßnahmensystem mit insgesamt sechs Störkörperwerfern zum Einsatz.

Sikorsky HH-60W Jolly Green II – ©USAF
Ein HH-60W Jolly Green II des 33rd Rescue Squadron aud der Kadena Air Force Base in Japan.

Flugleistungen

Das Missionsgewicht des HH-60W Jolly Green II beträgt 10.205 Kilogramm. Er kann mit bis zu 285 km/h (153 kn) rund 1.100 Kilometer weit fliegen. Der praktische Einsatzradius liegt bei etwa 360 Kilometer, die maximale Einsatzflughöhe bei bis zu 6.000 Meter.

Die Schwebeflughöhe liegt bei mindestens 1.200 Meter bei 35 °C Außentemperatur, wobei der HH-60W auch Treibstoff ablassen kann, um gegebenenfalls die Schwebeflughöhe zu steigern.

Lufttransporte während „Waldviertel 2025“-Manöver

Aktuell sind HH-60W Jolly Green II stationiert bei:

  • 33rd Rescue Squadron, Kadena AFB, Japan
  • 41st Rescue Squadron, Moody AFB, Georgia
  • 55th Rescue Squadron, Davis-Monthan AFB, Arizona
  • 56th Rescue Squadron, Aviano Air Base, Italien
  • 66th Rescue Squadron, Nellis AFB, Nevada
  • 101st Rescue Squadron (RQS), Teil des 106th Rescue Wing (New York Air National Guard), Francis S. Gabreski Air National Guard Base, New York
  • 129th Rescue Squadron (RQS), Teil des 129th Rescue Wing (California Air National Guard), Moffett Federal Airfield, Kalifornien
  • 305th Rescue Squadron, Davis-Monthan AFB, Arizona
  • 512th Rescue Squadron, Kirtland AFB, New Mexico

Hier geht es zu weiteren Berichten rund um Sikorsky und hier zu weiteren Meldungen rund um die US-Streitkräfte.

Quelle©USAF