Brigadegeneral Tamás Bali, stellvertretender Befehlshaber des Operativen Führungskommandos der ungarischen Streitkräfte (Magyar Honvédség) und zugleich Kommandant der ungarischen Luftstreitkräfte, hat dem Budapester Radiosender Spirit FM ein umfassendes Lagebild über den aktuellen Zustand und die Zukunft der ungarischen militärischen Luftfahrt gegeben.

Der Brigadegeneral formulierte dabei unmissverständlich: Das Jahr 2025 stand im Zeichen der Wiederherstellung zentraler Fähigkeiten und markierte für die ungarischen Luftstreitkräfte einen echten qualitativen Sprung. Neben den wichtigsten Beschaffungen und Modernisierungsschritten betonte Bali jedoch ausdrücklich, dass trotz aller technologischen Fortschritte der Mensch auch weiterhin der entscheidende Faktor für die Einsatzfähigkeit der Luftstreitkräfte bleibt.

Rückkehr der Luftbetankungsfähigkeit

Zu den bedeutendsten Beschaffungen des Jahres 2025 zählt die Indienststellung des taktischen Transport- und Luftbetankungsflugzeugs C-390M des brasilianischen Herstellers Embraer. Brigadegeneral Tamás Bali stellte in diesem Zusammenhang klar, dass die Fähigkeit zur Luftbetankung kein technisches Zusatzmerkmal, sondern eine grundlegende Voraussetzung für eine moderne und einsatzfähige Luftwaffe ist. Ohne diese Fähigkeit könne eine Luftstreitkraft in multinationalen Operationen kein vollwertiger Akteur sein.

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Zwar bleibt der Schutz des eigenen Luftraums die vorrangige Aufgabe – und Ungarn ist grundsätzlich in der Lage, diese Aufgabe auch ohne Luftbetankung zu erfüllen. Da die ungarischen Luftstreitkräfte jedoch zugleich als integraler Bestandteil der NATO agieren, ist für gemeinsame Einsätze, insbesondere über große Entfernungen hinweg, eine sogenannte expeditionäre Fähigkeit unverzichtbar.

In diesem Kontext kommt der C-390M eine Schlüsselrolle zu. Das Flugzeug ist nicht nur in der Lage, ungarische Kampfflugzeuge in der Luft zu versorgen, sondern kann auch Maschinen verbündeter Nationen betanken. Wirklich einsatzrelevant ist diese Fähigkeit jedoch nur dann, betonte Brigadegeneral Bali, wenn das Luftfahrzeug vollständig mit den Systemen, Kommunikationsmitteln und Einsatzverfahren der Partnernationen kompatibel ist.

Die Fähigkeit zur Luftbetankung ist eine grundlegende Voraussetzung für eine moderne und einsatzfähige Luftwaffe – ©Ungarn MoD
Die Fähigkeit zur Luftbetankung ist eine grundlegende Voraussetzung für eine moderne und einsatzfähige Luftwaffe. Ungarn beschaffte zwei C-390M.

Ein zentrales Schlagwort ist in diesem Zusammenhang die Interoperabilität. Nach Ansicht des Brigadegenerals reicht es heute nicht mehr aus, moderne Flugzeuge zu betreiben. Eine tatsächliche militärische Fähigkeit beginnt erst dort, wo Systeme, Verfahren und Besatzungen nahtlos mit den Streitkräften anderer Nationen zusammenwirken können, und zwar auf der Grundlage einheitlicher Standards, gesicherter Kommunikation und abgestimmter Einsatzverfahren. Für alle Teilstreitkräfte gelten innerhalb des Bündnisses klar definierte Anforderungen. Werden diese nicht erfüllt, ist eine wirksame Zusammenarbeit im multinationalen Rahmen nicht möglich.

Neue Basis für die Pilotenausbildung

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Pilotenausbildung. Im Jahr 2025 wurden die neuen Schulflugzeuge des Typs L-39NG Skyfox des tschechischen Herstellers Aero Vodochody in den Verband der ungarischen Streitkräfte integriert. Derzeit sind acht dieser Maschinen im Einsatz. Damit erhält Ungarn nach langer Zeit wieder die Möglichkeit zurück, ein eigenes modernes militärisches Ausbildungssystem für Piloten aufzubauen.

Derzeit werden ungarische Piloten in mehreren Ländern – unter anderem in den USA, in Italien und in Katar – ausgebildet. Diese Programme seien fachlich exzellent und von großer Bedeutung, um internationale Standards zu vermitteln, die englische Fachsprache zu erlernen und eine gemeinsame Kultur der Flugsicherheit zu entwickeln. Gleichzeitig ist dieses System jedoch äußerst kostspielig und biete kaum Flexibilität.

Brigadegeneral Bali stellte klar: Ausbildungsplätze, Zeitfenster und Kontingente seien auf Jahre im Voraus festgelegt. Die Wiederherstellung eigener Pilotenausbildungskapazitäten habe daher strategische Bedeutung. In Krisenzeiten könnten ausländische Ausbildungsplätze schnell knapp werden. Eine nationale Pilotenausbildung sei damit nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine sicherheitspolitische Frage.

Mit dem Schulflugzeug L-39NG soll die nationale Pilotenausbildung vorangetrieben werden – ©Ungarn MoD
Ungarn setzt auf tschechisches Know-how. Mit dem Schulflugzeug L-39NG soll die nationale Pilotenausbildung vorangetrieben werden.

Mobile Radare – Mehr Flexibilität und Reichweite

Auch im Bereich der Luftraumüberwachung erzielte die ungarische Luftwaffe 2025 deutliche Fortschritte. Neue mobile Radarsysteme wurden in Dienst gestellt, die eine erhebliche Verbesserung der bisherigen Kapazitäten darstellen. Ungarn verfügt zwar über mehrere fest installierte Haupt-Radarstationen, aus deren Daten ein gemeinsames Luftlagebild erstellt wird. Die neuen mobilen Systeme stellen jedoch eine neue Qualitätsstufe dar, denn sie können rasch verlegt, in kurzer Zeit aufgebaut und gezielt in Regionen eingesetzt werden, die bislang nur unzureichend abgedeckt waren.

Ein wesentlicher Vorteil ist ihre Fähigkeit, auch tief fliegende Ziele – etwa Drohnen – zuverlässig zu erfassen. Die bisherigen Systeme, die überwiegend auf Technik der 1960er- und 1970er-Jahre basierten, waren dafür nur eingeschränkt geeignet. Zudem waren die alten mobilen Radargeräte physisch überaltert gewesen und kaum noch transportfähig. Mit der Einführung der neuen mobilen Radarsysteme hat die ungarische Luftwaffe diese kritische Fähigkeit zurückgewonnen. Brigadegeneral Bali hob hervor, dass mobile Radarstationen nicht nur die Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen, sondern auch die strategische Flexibilität verbessern: Ungarn kann nun schnell auf sich ändernde Bedrohungslagen reagieren und Lücken in der Luftraumüberwachung schließen.

NASAMS bedeutet neue Ära der Luftverteidigung

Im Bereich der Luftverteidigung markiert 2025 ebenso einen Meilenstein. Eine neue Flugabwehrraketen-Einheit wurde mit dem NASAMS-System (National/Norwegian Advanced Surface-to-Air Missile System) ausgestattet. Brigadegeneral Bali erklärte, dass NASAMS insbesondere den mittleren Höhenbereich abdeckt und für die Bekämpfung von Kampfflugzeugen, Marschflugkörpern und größeren Drohnen konzipiert ist. Das System umfasst moderne Radarsensoren, ein automatisiertes Feuerleitsystem sowie die entsprechenden Raketen.

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Die zuvor eingesetzten Flugabwehrsysteme sowjetischer Herkunft seien technisch veraltet gewesen und hätten aus sicherheitstechnischen Gründen nicht länger betrieben werden können. Die Raketen dieser alten Systeme enthielten instabile Treibstoffe, die ein Risiko für Personal und Betrieb darstellten. Mit der Einführung von NASAMS, resümiert der Chef der Luftstreitkräfte, verfügt Ungarn ach mehreren Jahrzehnten erstmals wieder über eine moderne Flugabwehr mittlerer Reichweite.

Die Hubschrauber-Flotte ist vollständig

Auch die ungarische Hubschrauberflotte wurde 2025 entscheidend modernisiert und vervollständigt. Die letzten Mehrzweckhubschrauber H225M Caracal von Airbus Helicopters wurden ausgeliefert. Diese Maschinen sind multifunktional: Sie können Truppen transportieren, sind aber gleichzeitig bewaffnungsfähig und können direkte Feuerunterstützung für Bodentruppen leisten. Brigadegeneral Tamás Bali, der zuvor selbst Kommandant der 86. Hubschrauberbrigade war, betonte, dass mit diesen Hubschraubern erstmals eine wirklich integrierte Fähigkeit entsteht, bei der Luft- und Landstreitkräfte eng zusammenarbeiten. Die H225M-Flotte ergänzt die bereits vorhandenen H145M; die letzten Mi-24 Hind Kampfhubschrauber wurden hingegen Anfang 2026 ausgemustert.

Der entscheidende Faktor bleibt der Mensch

Zum Abschluss stellte er klar, dass moderne Flugzeuge, Radare und Raketensysteme allein noch keine einsatzbereite Luftwaffe ausmachen. Die tatsächliche Leistungsfähigkeit ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Technik, Ausbildung, Integration und qualifiziertem Personal.

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Für das Jahr 2025 zieht Brigadegeneral Bali das Resümee, dass die ungarischen Luftstreitkräfte nicht nur neue Systeme in Dienst gestellt, sondern auch mehrere verloren geglaubte Fähigkeiten zurückgewonnen und teilweise auf ein höheres Niveau gehoben haben. Diese Entwicklungen seien essenziell, um eine effektive Luftverteidigung sicherzustellen.

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Quelle©Ungarn MoD