Die Beschaffungspläne des ukrainischen Verteidigungsministeriums sehen für das Jahr 2025 eine Ausstattung der Streitkräfte mit etwa 200.000 unbemannten Systemen pro Monat vor. Dies inkludiert die gesamte Palette an Drohnen für Luft (UAV), Boden (UGV) oder See (USV) Anwendungen.
Hlib Kanevsky, Direktor der Abteilung für Beschaffungspolitik im ukrainischen Verteidigungsministerium, betont, dass über eine Milliarde Euro ausschließlich für den Erwerb von FPV-Drohnen, einschließlich Glasfasermodellen, vorgesehen sind. Während 2024 der Fokus auf Langstrecken-Systemen lag, steht 2025 die Stärkung der taktischen Drohnenkapazitäten im Vordergrund.
Drohnen-Logistik im Fokus
Das ukrainische Verteidigungsministerium hat bei einem Treffen mit führenden Herstellern auf eine schnellere Lieferung von FPV-Drohnen gedrängt. Ziel ist es, die Zeitspanne zwischen Produktion und Einsatz in den Kampfeinheiten so kurz wie möglich zu halten.

Diese Entwicklung spiegelt nicht nur den Ausbau der Fertigungskapazitäten wider, sondern auch die wachsende Zahl spezialisierter Einsatzkräfte. Den zuvor bestehenden Mangel an FPV-Drohnen zum Jahreswechsel 2023/24 hat die Ukraine mittlerweile vollständig überwunden.
Erfahrene Teams führen täglich bis zu 30 FPV-Einsätze durch. Einheiten, die weiterhin über Engpässe klagen, sehen sich intern mit Vorwürfen zu mangelhafter Befehlsgebung, Betrug oder Desinteresse konfrontiert. Bei durchschnittlichen Kosten von 500 Euro für eine Funk- und 1.000 Euro für eine Glasfaserdrohne ergibt sich für 2025 eine erwartete Stückzahl von 1 bis 1,5 Millionen FPV-Drohnen. Das entspricht drei bis vier Drohnen pro Frontkilometer und Tag.
Rasch wachsende UAV-Streitkräfte in der Ukraine
Die ukrainische Teilstreitkraft „Kräfte für unbemannte Systeme” (Syly bezpilotnykh system, SBS) umfasst laut aktuellen Schätzungen rund 5.000 Soldaten. Zusätzlich gibt es weitere spezialisierte Einheiten für Drohnen-Kriegsführung, die nicht direkt zur SBS gehören. Die genaue Anzahl der FPV-Teams in den ukrainischen Streitkräften ist nicht bekannt, sie dürfte jedoch in die Hunderte gehen.
Die größten UAV-Einheiten derzeit sind Brigaden. Bekannt sind die 9., die 59. „Yakiv Handziuk” , das 414. „Magyar” und die 383. Ausgewiesene UAV-Regimenter sind das 14., das 20. „K-2”, das 411. „Hawk”, das 412. „Nemesis”, das 425. „Ochi”, das 427. „Rarog” und das 429. „Achilles”. Außerdem gibt es noch eine Reihe an Bataillonen und viele noch kleinere Einheiten.
Die Welt nach FPV
Der massenhafte Einsatz von FPV-Drohnen im Krieg zwischen der Ukraine und Russland (-> aktuelle Meldungen aus dem Ukraine-Krieg) hat die moderne Kriegsführung grundlegend verändert. Experten sprechen bereits von einer Zeitenwende – einer Trennung in Kriegsführung vor und nach dem Aufkommen von FPV-Drohnen. Ein technologischer Rückschritt zu motorisierten und mechanisierten Kolonnen erscheint undenkbar.
Militärische IT und Mikroelektronik sind längst nicht mehr ausschließlich das Produkt gigantischer Rüstungskonzerne. Innovationen entstehen zunehmend in der Zivilgesellschaft, getrieben von agilen Entwicklern und Start-ups.
Bundesheer: Jetpiloten-Ausbildung kostet 17 Millionen in zwei Jahren
Die klassische Militärstrategie, in der Angriffspfeile aus zwei Richtungen ein Ziel umschließen, verliert an Dynamik. FPV-Drohnen attackieren die sichtbare Logistik und blockieren so den Motor dieser Zangenbewegung.
Ein kürzlich gefangener russischer Soldat berichtete in einem Interview über seine Erlebnisse an der Front: Bis zu seiner Gefangennahme hatte er keinen einzigen ukrainischen Soldaten mit eigenen Augen gesehen – nur Drohnen.
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