Im schwedischen Örnsköldsvik wurde der erste für die tschechischen Streitkräfte bestimmte CV90-Schützenpanzer von Vertretern des Herstellers BAE Systems Hägglunds offiziell übergeben. Anwesend waren der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson sowie seine tschechische Amtskollegin Jana Černochová.
Während die ersten Serienfahrzeuge ab dem kommenden Jahr in Tschechien eintreffen und an die Truppe übergeben werden, dient das nun ausgehändigte erste System zunächst der Truppenerprobung.

Verteidigungsministerin Černochová sprach von einem „bedeutenden Schritt zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten der Tschechischen Republik und zur Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber der NATO”. Das CV90-Projekt sei das Ergebnis monatelanger Verhandlungen und Tausender Arbeitsstunden: „Ich bin überzeugt, dass die tschechischen Soldaten mit dem CV90 das Beste erhalten, was die Verteidigungsindustrie zu bieten hat. Der heutige Tag beweist, dass wir nicht nur über die Modernisierung der Armee sprechen, sondern sie auch konsequent umsetzen.”
40 Prozent tschechischer Industrieanteil
Der Vertrag sieht vor, dass 39 der insgesamt 246 bestellten CV90-Schützenpanzer vollständig in Schweden gefertigt werden. Die Montage der übrigen 207 Fahrzeuge erfolgt in Tschechien beim staatlichen Unternehmen VOP CZ. Eingebunden sind zudem zahlreiche weitere Industriepartner wie Excalibur Army, VR Group, Ray Service, Meopta, EVPÚ Defence, ZAKO Turčín, JihoTech, Chropyňská strojírna und Laser Centrum CZ.
Tschechiens Rüstungsindustrie: von der Vergangenheit in die Zukunft
Einige dieser Unternehmen liefern nicht nur für das nationale Programm, sondern auch für internationale CV90-Vorhaben, darunter Versionen für die schwedischen Streitkräfte, die Ukraine, Dänemark und die Slowakei, sowie für andere Plattformen von BAE Systems wie das Kettenfahrzeug BvS10.
Auch die künftigen Nutzer, die Soldaten der 7. Mechanisierten Brigade, hatten bereits mehrfach Gelegenheit, das neue Gefechtsfahrzeug aus nächster Nähe zu erleben – etwa im Vorjahr in Přáslavice, wo sie sich detailliert mit dem System vertraut machen konnten, oder heuer bei der Großübung „Stampeding Bison 2025”.
Briten übernahmen schrittweise beide schwedischen Traditionsfirmen
Was hat BAE Systems eigentlich mit den schwedischen Panzern zu tun? Der CV90 wurde Ende der 1980er-Jahre von Hägglunds gemeinsam mit Bofors entwickelt und 1994 erstmals an die schwedische Armee ausgeliefert – damals noch mit einer 40-Millimeter-Bofors-Maschinenkanone.
1997 übernahm jedoch die britische Alvis plc Hägglunds Vehicle AB (bekannt etwa durch den auch in Österreich genutzten Bandvagn). Alvis fusionierte später mit anderen Rüstungsfirmen zu Alvis Vickers, das im September 2004 von BAE Systems geschluckt wurde. Hägglunds wurde in die Division Land Systems integriert, firmierte eine Zeit lang als Land Systems Hägglunds und ist heute Teil der schwedischen BAE-Tochter BAE Systems AB.
Auch Bofors wechselte mehrfach den Eigentümer. Ursprünglich Teil der Celsius Group, ging das Unternehmen 1999 an Saab. Bereits im Jahr darauf verkaufte Saab die Artilleriesparte (Bofors Weapon Systems) an United Defense Industries (UDI). 2005 wiederum übernahm BAE Systems UDI und gliederte Bofors in seine Division Land and Armaments ein. Heute firmiert das Unternehmen als BAE Systems Bofors AB – ebenfalls eine schwedische Tochter von BAE Systems.
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Die CV90Cz-Version des CV90-Schützenpanzers
Die Nomenklatur der CV90-Familie folgt einem einfachen Prinzip: Bezeichnung CV90 plus Kaliber der Bordkanone. So sind etwa die dänischen CV9035 mit der von Northrop Grumman produzierten Bushmaster III im Kaliber 35 × 228 Millimeter ausgerüstet.
Der CV90Cz basiert auf dem Turm der D-Serie, die aus dem niederländischen MLU-Programm hervorgegangen ist. Als Hauptwaffe dient eine Bushmaster II Maschinenkanone im Kaliber 30 × 173 Millimeter, ebenfalls von Northrop Grumman. Der erste Prototyp des Turms entstand im Juni 2024, der Zuschnitt des Stahls für die Fahrzeugwanne folgte im September. Die tschechischen Streitkräfte waren während des gesamten Prozesses eng eingebunden.
Die Visions- und Feuerleitsysteme stammen von Saab, deren Lieferung durch einen im Oktober 2023 geschlossenen Vertrag abgesichert ist. Dieser sieht zugleich eine Lizenzproduktion in Tschechien für mögliche Folgeaufträge vor. Wie aktuelle Bilder der Übergabe zeigen, werden die Fahrzeuge zusätzlich mit integrierten Spike-LR/LR2-Panzerabwehrlenkflugkörpern sowie mit dem abstandsaktiven Hard-Kill-System Iron Fist ausgestattet.
„Der CV90 bietet eine unübertroffene Kombination aus Mobilität, Feuerkraft und Schutz”, betonte Tommy Gustafsson-Rask, Geschäftsführer von BAE Systems Hägglunds. Hinsichtlich der Schutzwirkung – genaue Daten sind geheim – wird angenommen, dass die Frontpartie gegen panzerbrechende 30-Millimeter-Sabotmunition resistent ist, während die Seiten und das Heck Schutz gegen 14,5 × 114-Millimeter-Munition bieten.
Der CV90 fasst neben der dreiköpfigen Besatzung bis zu sieben Infanteristen samt Ausrüstung. Bis heute wurden rund 1.300 Fahrzeuge gebaut und in mehreren Konflikten auch bereits eingesetzt – unter anderem in Afghanistan und zuletzt in der Ukraine. Dort setzen die Streitkräfte neben 50 älteren schwedischen CV90 auch 40 neue CV9035 ein, die im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Dänemark finanziert und in Schweden produziert wurden.
Gemeinsame Beschaffung mit der Slowakei
Militär Aktuell war dabei, als am 27. August 2022 die Regierungen Tschechiens und der Slowakei in einer gemeinsamen Erklärung ihren Entschluss bekanntgaben, künftig auf den CV90 zu setzen und damit ihre alten BMP-2-Schützenpanzer zu ersetzen.

Die Tschechische Republik unterzeichnete dann in weiterer Folge am 24. Mai 2023 mit der schwedischen Regierung sowie BAE Systems Hägglunds den Vertrag über die Lieferung von 246 CV90 MkIV in sieben Varianten. Das Auftragsvolumen beträgt rund 2,49 Milliarden Euro.
Auch die Slowakei plant insgesamt 223 Fahrzeuge zu beschaffen. Der Bedarf wurde in zwei Phasen gegliedert: Zunächst beschafft Bratislava 152 CV90 in sieben Varianten – darunter den CV9035 mit 35-Millimeter-Maschinenkanone sowie eine 120-Millimeter-Mörserträgervariante. Diese erste Tranche ist Teil eines am 12. Dezember 2022 unterzeichneten Vertrags über 1,3 Milliarden Euro. Die Auslieferung soll bis 2026 erfolgen, eine zweite Tranche mit weiteren 71 Fahrzeugen ist vorgesehen.
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