Der 26. Juli dürfte aus Sicht der türkischen Luftfahrtindustrie als besonders erfolgreicher Tag auf der Rüstungsmesse IDEF in Istanbul in Erinnerung bleiben. Neben den spektakulären Exportverträgen mit Indonesien wurde an diesem Tag auch eine Kooperationsvereinbarung zwischen Airbus Defence & Space und Turkish Aerospace Industries (TAI) unterzeichnet.

Im Fokus steht das von TAI entwickelte Trainingsflugzeug Hürjet, das im Rahmen des spanischen Programms „Integrated Training System – Combat” (ITS-C) als Nachfolger für die alternden SF-5M der spanischen Luftwaffe ins Rennen geht. Wie bereits zuvor von TurDef spekuliert – unter anderem im Umfeld der IDEX in Abu Dhabi – ist der türkische Jet-Trainer Hürjet damit offiziell als Kandidat bestätigt.

Kooperationsabkommen zwischen Airbus und TAI – ©Airbus
Kooperationsabkommen unterzeichnet: Airbus Defence & Space und Turkish Aerospace Industries wollen rund um den Hürjet-Trainingsjet enger zusammenarbeiten.

Zur Auswahl stehen außerdem – wie bereits bei der Entscheidung über einen Advanced Jet Trainer in Österreich – auch die Boeing/Saab T-7A (-> T-7A verspätet sich weiter) und der Leonardo M-346, weiters die südkoreanische KAI FA-50.

Die Vereinbarung legt die Grundzüge der Zusammenarbeit beider Unternehmen fest: Airbus übernimmt die Rolle des industriellen Koordinators für Spanien, TAI bringt das bereits geflogene Hürjet-System ein. Gemeinsam soll ein Angebot ausgearbeitet und eingereicht werden. Die Vereinbarung formalisiert zudem den Lieferprozess und regelt die Rollenverteilung innerhalb des Projekts.

Hürjet-Mock-up – ©Army Recognition
Blick in die Zukunft? Das auf der FEINDEF-Messe im Mai in Madrid präsentierte Hürjet-Mock-Up trug bereits die exakten Markierungen der SF-5M-Trainerstaffel in Talavera La Real.

Fokus auf spanische Industrie – und auf europäischen Technologietransfer

Ziel ist nicht nur die Lieferung eines modernen Jet-Trainers für die Ejército del Aire, sondern auch ein klarer industrieller Impuls für die spanische Verteidigungswirtschaft. Im Gespräch ist unter anderem die Produktion ausgewählter Strukturkomponenten in Spanien.

SF-5M-Trainer mit spanischen Hoheitszeichen – ©Georg Mader
Spanien will seine in die Jahre gekommene SF-5M-Flotte durch neue Trainer ersetzen – aktuell sind noch 19 Stück der 5F-5M in Verwendung.

Das Hürjet-Angebot ersetzt damit de facto das bisherige Airbus-interne Konzept eines leichten Jet-Trainers (AFJT), das bislang nicht über das Entwurfsstadium hinausgekommen ist.

©Militär Aktuell

Der Hürjet-Prototyp wurde im Sommer 2024 auf dem Luftwaffenstützpunkt Torrejón bei Madrid evaluiert. Laut TAI-Generaldirektor Mehmet Demiroğlu ist von einer Mindeststückzahl von 30 Flugzeugen auszugehen: „Wir sagen zunächst 30 plus. Die genaue Zahl ist noch offen – es könnten auch 36 oder mehr werden. Klar ist: Es werden nicht weniger als 30 sein.”

Der Kaufvertrag soll bis Ende 2025 unterzeichnet werden, die Auslieferung ab 2028 starten.

In der Türkei längst auf Kurs

Cockpit des Hürjet-Trainers – ©Georg Mader
Auf der IDEX war auch ein Blick ins Cockpit des Hürjet-Trainers möglich.

Für die türkischen Luftstreitkräfte (THK) ist der Hürjet bereits Realität. Seit seinem Erstflug am 25. April 2023 haben zwei Prototypen über 210 Testflüge absolviert – inklusive Überschallflug. Die ersten 16 Serienmaschinen wurden bereits 2023 bestellt, die Einführung ist ab 2026 geplant.

Der Hürjet soll nicht nur als Schulflugzeug, sondern auch für Close Air Support, Feinddarstellung, Luftraumüberwachung sowie beim Kunstflugteam Turkish Stars zum Einsatz kommen. Mit Nachbrennertriebwerk und einer Höchstgeschwindigkeit von Mach 1,4 ist das Muster leistungsmäßig am oberen Ende seiner Klasse angesiedelt. Der zweite Prototyp zeigt bereits weiterentwickelte Auslegungen, darunter ein neues Radom, modifizierte Lufteinlässe und Raketenschienen an den Flügelspitzen.

Für die Türkei könnte die spanische Entscheidung den Startschuss für den ersten Hürjet-Export nach Europa bedeuten – und für Airbus ist sie ein pragmatischer Schritt zur Sicherung industrieller Beteiligung in einem strategischen Segment.

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Quelle©TAI, Georg Mader, Army Recognition