Der staatliche Hersteller Turkish Aerospace Industries (TAI) hat in neuen Videos erstmals gleichzeitig die drei Prototypen P0, P1 und P2 des Stealthfighters Kaan präsentiert. Am 21. Februar 2024 fand der Erstflug des Kaan statt, die Entwicklung war bereits 2010 beschlossen worden – also lange bevor sich abzeichnete, dass die USA die Türkei im Zuge der Beschaffung des russischen S-400-Systems aus dem Lockheed Martin F-35 Lightning II-Programm ausschließen würden. Intern wird Kaan dennoch auch als „Trutz-Fighter” bezeichnet.
Seit 2025 ist bekannt, dass TAI an weiteren Prototypen arbeitet. Bei einem Besuch von Haluk Görgün, Präsident der Savunma Sanayii Başkanlığı (SSB), bei TAI waren die Maschinen deutlich zu sehen. P2 befindet sich noch in einem frühen Stadium – unter anderem fehlen Radarnase, Seitenruder und Triebwerke. P1 wirkt hingegen bereits weit fortgeschritten und erlaubt einen direkten Vergleich mit P0, der bislang zwei Testflüge absolvierte.
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— TR_tech (@T_Nblty) February 13, 2026
Sichtbare Unterschiede
Zwischen den Prototypen sind mehrere Unterschiede erkennbar. Bei P1 wurden die Lufteinlässe relativ zum Cockpit weiter nach hinten versetzt. Vor der Frontscheibe ist ein IRST-System zu sehen, unter der Nase ein elektrooptisches Zielsystem (EOTS), vergleichbar mit Lösungen bei der F-35 oder der Chengdu J-20.

Das Mittelsegment des Rumpfs scheint bei P1 breiter ausgeführt zu sein als bei P0. Dies könnte zusätzlichen Raum für Subsysteme, Kühlung oder Treibstoff schaffen. Auch die Querruder wurden überarbeitet: Während sie bei P0 unterschiedlich groß waren, sind sie bei P1 gleich dimensioniert. Die Schubdüsen treten bei P1 offenbar weiter hervor. Besonders auffällig ist das modifizierte Seitenruder mit zusätzlicher Kante, das nun stärker an die Lockheed Martin F-22 Raptor (-> Die F-22 Raptor bekommt längere und schärfere „Krallen”) erinnert, während die frühere Ausführung eher der F-35 ähnelte.
Weiterer Fahrplan – Fokus Triebwerke
Laut Görgün sollen P1 und P2 für Flugerprobungen genutzt werden, während P0 künftig für statische Bodentests vorgesehen ist. Die intensiven Tests mit P1 und P2 sind laut TAI zwischen April und August dieses Jahres geplant. Insgesamt sollen sechs Prototypen entstehen.
Die ersten drei Maschinen fliegen mit dem General Electric F110-GE-129 aus den USA, das auch in neueren Varianten der McDonnell Douglas F-15 Eagle und der General Dynamics F-16 Fighting Falcon verwendet wird. Für die Serie ist dieses Triebwerk jedoch offenbar nicht vorgesehen. Geplant ist stattdessen das in der Türkei entwickelte TF35000 von TUSAŞ Engine Industries (TEI) und TRMotor. Eine internationale Kooperation – etwa mit Safran oder Rolls-Royce – kam bislang nicht zustande.
21.02.2024
Bir milletin azmi, inancı, gücü ve iradesi o gün gökyüzüyle buluştu.
Yerli ve millî imkânlarla geliştirilen, gökyüzündeki bağımsızlığımızın simgesi Millî Muharip Uçağımız #KAAN, iki yıl önce bugün ilk uçuşunu başarıyla gerçekleştirerek tarihimize altın harflerle… pic.twitter.com/FCpIdZC3Ou
— Türk Havacılık Uzay Sanayii (@TUSAS_TR) February 21, 2026
Zwar wurden zehn F110-Triebwerke geliefert, weitere 80 sind vorgesehen, jedoch aufgrund von US-Exportlizenzen und CAATSA-Sanktionen noch nicht freigegeben. Sollten sie genehmigt werden, könnten ab 2028 monatlich zwei weitere folgen. Ob dieser Zeitplan hält, ist offen. Nach aktuellen Aussagen dürfte es bis in die 2030er-Jahre dauern, bis Kaan-Serienmaschinen mit dem TF35000 ausgerüstet sind.








