Schon seit mehr als vier Jahren kursieren Meldungen über eine „baldige” Lieferung russischer Su-35-Kampfjets an den Iran – und ebenso oft verliefen die Ankündigungen im Sande. Nun jedoch verdichten sich die Hinweise auf eine tatsächliche Auslieferung. Gleichzeitig zeigt auch der Sudan Interesse an dem Muster: Dort steht sogar ein mögliches Tauschgeschäft „Kampfjets gegen Marinebasis” im Raum.
Als sich der damalige Chef des Generalstabs der iranischen Streitkräfte, Mohammad Bagheri, im Oktober 2021 in Moskau aufhielt, kamen erstmals Gerüchte auf, wonach der Iran am Kauf des Jagdflugzeugs Su-35 interessiert sei.
Konkreter wurde dies nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Mitte 2022, als Su-30SM- oder Su-35-Kampfflugzeuge als Kompensationsgeschäft für iranische Shahed-Drohnen kolportiert wurden. Putin reiste im Juli nach Teheran. Der Iran lieferte in der Folge Shahed-Drohnen und transferierte die entsprechende Fertigungstechnologie.

Im Herbst 2022 berichtete die Website Defense Arab über einen Rüstungsvertrag im Wert von umgerechnet rund neun Milliarden Euro, der die Lieferung von 64 Su-35-Kampfflugzeugen, einem Militärsatelliten und zwei S-400-Flugabwehrraketen-Divisionen umfassen soll.
Im Dezember 2022 meldete die Tehran Times, dass der Iran „in Kürze” eine gesamte Staffel Su-35-Kampfflugzeuge aus Russland erhalten werde. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete dann im Jänner 2023, dass die bestellten Su-35 zu Beginn des nächsten iranischen Jahres eintreffen sollen – also bereits Ende März desselben Jahres (Der Iran verwendet einen Sonnenkalender, dessen Jahresbeginn auf die Tagundnachtgleiche um den 21. März fällt).
Aber all diese Medienberichte führten zu nichts. Im März 2023 begann das Spiel dann von vorne: Russische Medien berichteten erneut über einen angeblichen Vertragsabschluss mit dem Iran zum Kauf russischer Su-35-Kampfflugzeuge. Das ISW (Institute for the Study of War) ging im Mai 2023 nach Analyse russischer und iranischer Quellen von einer ersten Lieferung „in der kommenden Woche” aus.
Im September 2023 wurde bekannt, dass mittels einer Antonov An-124 zwei Jak-130-Jettrainer an den Iran geliefert wurden (-> Der Iran setzt seine Jak-130-Trainer zur Drohnenjagd ein) – zur Ausbildung künftiger Su-35-Piloten.
Im November 2023 zitierte die TASS den stellvertretenden iranischen Verteidigungsminister General Mahdi Farahi, der den Kauf russischer Kampfhubschrauber vom Typ Mi-28, Kampfflugzeuge vom Typ Su-35 und Trainings- und Kampfflugzeuge vom Typ Jak-130 bestätigte. Der Beschaffungsprozess dauere noch an; Preise und Liefertermine blieben offen.

Militär Aktuell berichtete im Jänner 2024 über eine neue Vereinbarung zwischen dem Iran und Russland zur Beschaffung der Su-35 Flanker-E und im August 2024 meldete CNN, Teheran fühle sich von Moskau betrogen: Russland habe die Shahed-Produktion in Alabuga nahezu vollständig lokalisiert, Zahlungen zurückgehalten und seine Zusagen zur Lieferung der Su-35 nicht eingehalten.
Social-Media-Propagandakrieg in Südasien
Unmittelbar nach der US-Operation „Midnight Hammer” gegen den Iran im Juni 2025 – bei der die USA zentrale iranische Atomanlagen angriffen – und unter dem Eindruck des kurzen Schlagabtauschs zwischen Indien und Pakistan im Mai 2025, berichteten lokale Medien im Juli von einer möglichen Lieferung chinesischer J-10C an den Iran. Genannt wurden Stückzahlen zwischen 10 und 40 Flugzeugen.
BREAKING!
🇨🇳China’s State Media announced that China is transferring 10 of its J-10 fighter jets from 🇵🇰Pakistan to 🇮🇷 Iran! pic.twitter.com/eEO2ABAOW0— Daily Iran News (@DailyIranNews) October 4, 2025
Ukrainische Hacker veröffentlichen Daten zur russischen Luftfahrtindustrie
Ein Einbruch ukrainischer Hacker in die IT-Systeme eines russischen Luftfahrtzulieferers lieferte im Oktober zuletzt neue Hinweise auf den Auftragsbestand. Demnach bestehen Aufträge für:
- Algerien: 12 Su-57 und 14 Su-34 (-> Militär Aktuell berichtete)
- Äthiopien: 6 Su-35
- Iran: 48 Su-35
Laut den durchgesickerten Vorauszahlungsdaten (2022) wird eine Komponentenlieferung zwischen 2024 und 2026 und eine Auslieferung der Flugzeuge im Zeitraum 2026 bis 2028 vermutet. Russische Quellen berichten zudem, iranische Medien hätten über Vorbereitungen zur Endmontage der Su-35 im Iran geschrieben. Der erwähnte Bericht spricht von einer jährlichen Kapazität von 48 bis 72 Flugzeugen – eine nahezu absurde Übertreibung.
🇮🇷🇷🇺 Russia has begun manufacturing parts for the ‚SU-35‘ fighter jets ordered by Iran.
Based on leaked documents related to the „KnAAZ“ factory, „NPP-Zvezda“ and the „Yakovlev“ fighter jet companies, the „United24“ news outlet published a report indicate that currently 16… pic.twitter.com/yDvRFMpiWe
— OSINT Expert (@OsintExperts) December 2, 2025
Eine ähnliche Meldung in ukrainischen Medien sorgt nun in russischen sozialen Netzwerken für Aufmerksamkeit:
Dokumente der OAK (United Aircraft Corporation), von KnAAZ (Hersteller der Su-35), NPP Zvezda (Schleudersitze) und der Jakovlev Corporation (Sensorik und weitere Ausrüstung) deuten darauf hin, dass der Iran eine Bestellung von 16 Maschinen vollständig bezahlt hat – in Tranchen im März, Juli und Dezember 2024. Die Ausführung sei für 2025 bis 2027 vorgesehen.
Die Aufträge enthalten Vorgaben zur Kennzeichnung und technischen Dokumentation in englischer Sprache, zur Verwendung des imperialen Maßsystems sowie zur Fertigung ausschließlich neuer Komponenten.
Militär Aktuell Podcast #13: Air Chief Generalmajor Gerfried Promberger im Gespräch
Lieferung an den Iran bis 2027?
Aktuell gehen russische Fachmedien von einer bezahlten Bestellung über 16 Su-35 mit Lieferung bis 2027 aus. Um die ursprünglich genannten Zahlen von 48 oder 64 Maschinen zu erreichen, wird über drei bis vier Liefertranchen spekuliert.
Fakt ist jedoch, dass Russland bisher nicht liefern konnte – obwohl Su-35 für Ägypten bereits in Produktion und teilweise fertiggestellt waren und auch bereits erste Bilder der Maschinen im Netz zu sehen waren. Es ist anzunehmen, dass in diesen Maschinen Komponenten stecken, auf die Russland infolge der Sanktionen keinen Zugriff mehr hat. Importsubstitution und Sanktionsumgehung prägen seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine insbesondere die Luftfahrt- und Rüstungsindustrie.

Su-30, Su-35 oder Raketen im Tausch für Marinebasis im Sudan?
Zuletzt berichtete Defense Arab mit Verweis auf Army Recognition, dass Russland auch mit dem Sudan über den Ankauf von Su-30 oder Su-35 verhandelt. Die sudanesischen Streitkräfte suchen demnach dringend Luftüberlegenheits- und Tiefangriffsfähigkeiten, um den Vormarsch der Rapid Support Forces (RSF) im Bürgerkrieg aufzuhalten. Der Sudan ist jedoch nicht in der Lage, die Flugzeuge klassisch zu finanzieren.
Daher steht ein strategischer Tauschhandel im Raum: Moskau bemüht sich seit 2020 um eine Marine- beziehungsweise Logistikbasis in Port Sudan am Roten Meer. Laut Medienberichten könnte ein Geschäft „Flugzeuge gegen Stützpunkt” erwogen werden.

Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf sudanesische Beamte, Russland habe ein 25-jähriges Kooperationsabkommen angeboten. Der Deal würde die Stationierung von bis zu 300 russischen Soldaten und vier Kriegsschiffen – darunter nuklear angetriebene U-Boote – erlauben. Zudem sei vom Angebot vergünstigter russischer Raketenabwehrsysteme für den Sudan die Rede.
Hier geht es zu weiteren Meldungen rund um die iranischen Streitkräfte.






