Mit 1,5 Metern Länge sticht das Gewehr unter seinen „Artgenossen” schon im Showroom des Steyr Arms-Schießzentrums bei Wiener Neustadt hervor. Dazu kommt noch die grüne „Bush Camo”-Optik, die das Steyr HS .50 M1 (Kaliber .50) ziert. Auf dem Weg zum Schießstand bekommt man einen zweiten Eindruck: 14 Kilo schwer und eine Mündungsbremse, die in Sachen Größe alles bisher Gesehene in den Schatten stellt.

Auf dem ausgeklappten Zweibein sprengt das Gewehr schon fast den mit grünem Teppich verkleideten Tisch für den Schützen. Klar, so eine Waffe ist nicht für den Schießstand gebaut. Mit einer Einsatzschussweite von 1,5 Kilometern laut Herstellerangaben und einer kolportierten Reichweite von bis zu 2,5 Kilometern bei geübten Scharfschützen rangiert dieses Gewehr in der größten Kaliberklasse, die man sonst nur von schweren Maschinengewehren kennt.

Entsprechend gigantisch für eine Handfeuerwaffe sind auch die Dimensionen der Patrone: Beim Kaliber .50, auch 12,7 x 99 Millimeter NATO genannt, misst sie knapp 14 Zentimeter und wiegt rund 110 Gramm.

Solche Parameter deuten auf den Einsatzbereich hin: Kaliber .50 ist laut österreichischem Recht eine Waffe der Kategorie A, also Kriegsmaterial, und darf von Privatpersonen nicht besessen werden. Die Nutzer sind daher Militär, Spezialeinheiten der Polizei und sonstige Sondereinsatzkräfte, die nicht nur auf extrem große Entfernungen schießen, sondern dabei auch noch halbharte Ziele bekämpfen müssen. Darunter versteht man etwa (gehärtete) Fahrzeuge und Luftfahrzeuge. Die Bekämpfung von Hubschraubern und Fahrzeugen durch Schüsse auf den Motor sind dabei die typischen Szenarien.

©Militär Aktuell

Anders ausgedrückt: Das Projektil durchdringt 20 bis 30 Zentimeter Beton und schafft mitunter die Haut eines Radpanzers Pandur. Ein ungünstiger Treffer kann sogar einem Schützenpanzer Ulan gefährlich werden. Beim Kampfpanzer Leopard – so erzählt man sich – soll aber Schluss sein. Die Energie, die Kette zu beschädigen, soll zu gering sein.

Zurück am Schießstand. Auf 100 Metern wartet die Scheibe und will getroffen werden. Doch wie stark ist der Rückstoß eines Gewehrs dieses Kalibers? Wahrscheinlich gigantisch. Geschichten über blaue Augen, blutige Gesichter und sonstige kleine Verletzungen aufgrund des Rückstoßes geistern durch die Szene. Jene, die damit geschossen haben, leben naturgemäß verschwiegen.

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Dass man an die erste Schussabgabe mit deutlich mehr Respekt herangeht, versteht sich von selbst. Sitzend aufgelegt ist zwar nicht die typische Haltung für dieses Gewehr, doch zum Probieren reicht es allemal. Anspannung wohnt den jungfräulichen Schützen inne. So viel, dass allesamt die Scheibe gar nicht treffen. Doch der ganz heftige Rückstoß bleibt aus; hilft doch die Mündungsbremse. Aber der Knall und die von der Bremse nach hinten abgegebene Druckwelle erinnern schon leicht an das Schießen mit dem Panzerabwehrrohr. Mit dem kleinen Unterschied, dass am Schießstand keine Erdklumpen ins Gesicht geschleudert werden.

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Quelle©Stefan Tesch