Erstmals seit seiner Indienststellung hat Saabs Mehrzweckkampfjet JAS-39 Gripen C/D einen scharfen Einsatz geflogen – und darf sich damit nun auch offiziell als „kampferprobt” (combat proven) bezeichnen. Die Royal Thai Air Force (RTAF) setzte das Muster im Rahmen der jüngsten Grenzeskalation mit Kambodscha zur Unterstützung eigener Bodentruppen ein.

Der bislang letzte westliche Jet der 4. Generation ohne nachgewiesenen Waffeneinsatz erhielt damit seine „Feuertaufe”. Zwar hatte Schweden bereits 2011 acht Gripen C/D nach Sizilien entsandt, um im Rahmen der NATO-Operation „Unified Protector” über Libyen Aufklärungsflüge durchzuführen – jedoch blieb der Einsatz aufgrund des neutralen Status auf Fotoaufklärung beschränkt.

©Militär Aktuell

Präzisionsschläge in der Grenzregion Surin–Oddar Meanchey

Auslöser des jüngsten Konflikts war ein Vorfall am 28. Mai, bei dem ein kambodschanischer Soldat in einer umstrittenen Patrouillenzone getötet wurde – entlang einer Grenze, deren Verlauf seit einer französischen Kolonialkarte von 1907 zwischen beiden Staaten umstritten ist. Nach mehreren Zwischenfällen griffen kambodschanische Raketenartillerieverbände dann Ende Juli die thailändische Provinz Surin an. Die Antwort Bangkoks erfolgte am 26. Juli – gezielte Luftschläge der thailändischen Luftwaffe gegen Artilleriestellungen, unter anderem zur Vermeidung von Kollateralschäden im zivilen Umfeld.

GBU-10-Gleitbombe – ©RTAF
Thailand setzte von den Gripen-Jets aus GBU-12-Gleitbomben ein – im Bild eine GBU-10.

Dabei kamen JAS-39C Gripen der 701. Staffel, vorübergehend auf der Luftwaffenbasis Korat stationiert, erstmals in scharfen Einsatz. Ausgerüstet mit 230-Kilogramm-Gleitbomben GBU-12 (basierend auf Mk.82 und Laser-Lenkung) griffen sie unter anderem Raketenstellungen vom Typ BM-21 und RM-70 nahe der Tempelruine Prasat Preah Vihear an – ein Unesco-Weltkulturerbe, das seit Jahren im Mittelpunkt territorialer Spannungen steht.

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Ergänzt wurde der Einsatz durch F-16 der 103. Staffel, die mit südkoreanischen KGGB-Gleitbomben Kommandoeinrichtungen der 8. und 9. kambodschanischen Unterstützungsbrigade angriffen.

Laut RTAF kehrten alle eingesetzten Flugzeuge sicher zurück. Innerhalb von nur fünf Tagen forderte der Konflikt 43 Todesopfer – darunter nahezu gleich viele Soldaten wie Zivilisten auf beiden Seiten. Zehntausende Menschen flohen vorübergehend oder wurden evakuiert. Eine von Malaysia vermittelte Waffenruhe trat am 31. Juli in Kraft.

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Ersteinsatz stärkt Saab im Exportgeschäft

Mit dem dokumentierten Kampfeinsatz der thailändischen Gripen-Flotte, die sieben einsitzige JAS-39C (einer ist am 14. Jänner abgestürzt) und vier doppelsitzige JAS-39D umfasst, demonstrierte das System erstmals Operationsfähigkeit unter realen Gefechtsbedingungen – inklusive Echtzeit-Zielzuweisung, dynamischer Koordination und Präzisionswirkung im scharfen Einsatz. Unterstützt wurde die Mission von Saab 340 AEW&C-Plattformen, die Teil der netzwerkzentrierten Struktur der RTAF sind.

Der Einsatz verleiht dem schwedischen Jet nun jenes Attribut, das bislang fehlte – „combat proven” – und könnte Saab international zusätzlichen Rückenwind verleihen, vor allem in Märkten, die nach einem leistungsfähigen und zugleich kosteneffizienten Mehrzweckkampfflugzeug suchen.

Thailand bestellt neue Gripen E – ©RTAF
Thailand will mit vier neuen Gripen E/F seine Kampfjetflotte weiter aufwerten.

Schweden steht weiterhin hinter der Gripen-Beschaffung

Unmittelbar nach dem Einsatz bestätigte der schwedische Militärattaché in Bangkok auf Nachfrage des Journalisten Pravit Rojanaphruk, dass Schweden weiterhin zu 100 Prozent hinter der laufenden Gripen-Beschaffung für Thailand steht – entgegen anderslautender Gerüchte der Phnom Penh Post.

Magni-X – das neue fliegende Auge des Bundesheeres

Derzeit verfügt Kambodscha über keine Kampfjets mehr; ältere MiG-21, J-6C und J-5 wurden ausgemustert. Phnom Penh verfügt lediglich über Transport-, Verbindungs- und Schulungsflugzeuge – ohne moderne Luftverteidigung. Die Luftherrschaft lag damit eindeutig bei Thailand.

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Neue Gripen-Generation bereits in Vorbereitung

Thailand hatte seine erste Gripen-Staffel 2011 erhalten und stationiert diese regulär auf der Surat Thani AB im Süden des Landes. Die jüngsten Kämpfe fielen zeitlich mit der Bestellung von vier neuen Gripen-E/F-Maschinen zusammen, die bis 2029 ausgeliefert werden sollen – eine erste Tranche von insgesamt bis zu zwölf weiteren Jets. Deren Preis soll laut thailändischen Medien bei rund 520 Millionen Euro liegen.

Wie Luftwaffenchef ACM Punpakdee Pattanakul vor wenigen Tagen gegenüber Militär Aktuell am Rande des Royal International Air Tattoo (-> Highlights vom RIAT 2025) betonte, sei die neue Gripen-Generation nicht als Ersatz für die bestehenden Gripen C/D gedacht, sondern für die Ablöse der ältesten F-16A/B, die teilweise seit über 37 Jahren im Dienst stehen. Auch ein Zweisitzer des Typs Gripen F sei in dem Erstpaket enthalten.

Thailands Luftwaffenchef ACM Punpakdee Pattanakul mit Militär Aktuell-Redakteur Georg Mader – ©Georg Mader
Thailands Luftwaffenchef ACM Punpakdee Pattanakul mit Militär Aktuell-Redakteur Georg Mader.

Saab punktet in Lateinamerika

Neben Thailand verzeichnet Saab derzeit auch zunehmenden Erfolg in Lateinamerika: Nach den 36 bestellten Gripen E/F durch Brasilien (acht ausgeliefert, mit langfristigem Bedarf von über 100 Maschinen) hat Kolumbien im April 2025 eine Absichtserklärung zum Kauf von 16 bis 24 Gripen E unterzeichnet. Auch in Peru gilt der Jet in der laufenden Ausschreibung als Favorit.

Übrigens: Der in Thailand lebende australische Vlogger Tim Newton versucht in seinem Beitrag „Thai-Cambodia Conflict – Who’s Telling the Truth?”, beide Perspektiven des – vermutlich nur vorübergehend beigelegten – Grenzkonflikts zu beleuchten und die jeweiligen Darstellungen gegenüberzustellen.

Quelle©Georg Mader, RTAF