Bundesheer-Oberst Markus Reisner übt in einem aktuellen Interview mit NTV scharfe Kritik an europäischen Selbstbildern und der Wirksamkeit westlicher Ausbildungsprogramme für ukrainische Soldaten. Diese müssten nach ihrer NATO-Ausbildung erst aufwendig umgeschult werden, um im Krieg gegen Russland bestehen zu können.
Ausgangspunkt der Kritik sind Aussagen von Rheinmetall-Chef Armin Papperger, der ukrainische Drohnenentwicklungen zuletzt abwertend kommentiert hatte. Reisner warnt vor solchen Fehleinschätzungen und sieht darin ein grundsätzliches Problem: „Das ist aus meiner Sicht die typische Arroganz, die wir in vielen europäischen Ländern an den Tag legen. Wir wollen den Eindruck vermitteln, wir seien jenen, die seit Jahren im Krieg kämpfen, überlegen. Das stimmt überhaupt nicht.”
Vielmehr haben die ukrainischen Streitkräfte in den vergangenen Jahren erhebliche operative Erfahrung gesammelt – insbesondere im Drohnenkrieg. Reisner verweist auf konkrete Beispiele aus Übungen mit NATO-Staaten: „Die Ukraine hat in den letzten Jahren unglaubliche Erfahrungen gemacht. Wenn ukrainische Verbände gemeinsam mit der NATO üben, sind sie ihr überlegen. Bei einer NATO-Übung in den baltischen Staaten Anfang 2025 ist es einer ukrainischen Drohneneinheit namens Nemesis gelungen, den NATO-Verbänden große Verluste beizubringen, weil diese Verbände überhaupt nicht vorbereitet waren auf die Art und Weise, wie momentan der Krieg in der Ukraine geführt wird.”
Auch Pappergers Aussagen bewertet Reisner deutlich: „Jetzt redet der Chef eines der größten europäischen Rüstungsunternehmen klein, was hier passiert. Das ist grob fahrlässig.”
Zugleich sieht er darin auch wirtschaftliche Interessen: „Aus Sicht der europäischen Rüstungskonzerne ist die Gefahr groß, dass die Ukraine mit ihren Erfahrungen und technologischen Entwicklungen künftig Aufträge bekommt, die eigentlich die europäische Rüstungsindustrie für sich haben möchte.”
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Besonders kritisch fällt Reisners Urteil über die NATO-Ausbildung ukrainischer Soldaten aus. Diese sei nur bedingt auf die Realität an der Front übertragbar: „Schließlich ist der Umstand bedeutend, dass die Ukraine jetzt die Ausbildung ihrer Soldaten in den NATO-Staaten beendet, weil die Soldaten dort nicht das lernen, was sie an der Front brauchen.”
Die Konsequenz: zusätzlicher Zeitverlust und erhöhte Risiken im Einsatz. „Die Ukraine muss ihre Soldaten nach der NATO-Ausbildung mühsam umschulen, bevor sie an die Front geschickt werden können. Sonst würden die Soldaten oft bereits nach wenigen Tagen durch russische Drohnenangriffe fallen.”
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