Der polnische Vizepremier und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz hat auf seinem X-Account (vormals Twitter) die nächste bedeutende US-Waffenlieferung an sein Land angekündigt: „Die strategische Zusammenarbeit zeigt Wirkung – die neuesten Luft-Luft-Raketen werden an unsere Luftwaffe geliefert! Das US-Außenministerium hat soeben dem Kauf von 400 der modernsten AIM-120D3-Raketen durch Polen zugestimmt. Ihre Reichweite beträgt bis zu 180 Kilometer.”

Der Minister kommentierte damit die routinemäßige Mitteilung der zum Pentagon gehörenden Defense Security Cooperation Agency (DSCA) zur geplanten Lieferung. Die USA haben demnach einem Foreign Military Sales (FMS)-Verkauf von 400 radargelenkten AIM-120D3 AMRAAM der neuesten Generation von Hersteller Raytheon zugestimmt. Die Raketen sollen an Kampfflugzeuge der polnischen Luftwaffe gehen, begleitet von Trainingsmunition und weiterer technischer Ausrüstung. Der vom Pentagon genannte Maximalwert der Bestellung liegt bei etwa 1,16 Milliarden Euro.

Raytheon hatte zuletzt erst eine Verdoppelung seiner AIM-120-Produktion an.

AIM-120D3 Test auf F-15E der US Air Force – ©USAF

Zahlreiche weitere Großaufträge

Dies ist bereits der zweite Luft-Luft-Munitionsdeal Polens mit den USA innerhalb kurzer Zeit. 2024 hatte Warschau bereits einen Vertrag über eine nicht näher spezifizierte Anzahl der Vorgängerversion AIM-120C für rund 750 Millionen Euro unterzeichnet – vorgesehen als Bewaffnung für die polnischen F-16.

©Militär Aktuell

Die aktuelle Bestellung dürfte hingegen vor allem für die im Zulauf befindlichen 32 F-35A Husarz  bestimmt sein – von denen die ersten sechs Exemplare ab diesem Jahr ausgeliefert werden sollen (-> Erster polnischer F-35 ist bereits in der Luft). Parallel dazu hat Polen bereits 800 JASSM-Marschflugkörper (Luft-Boden, Reichweite bis zu 1.000 Kilometer) für bis zu 1,6 Milliarden Euro sowie 232 AIM-9X Block II (IR-gelenkte Kurzstreckenraketen) für rund 200 Millionen Euro bestellt.

Zusätzlich gab es 2025 eine weitere bedeutende Order: bis zu 360 AARGM-ER-Raketen (Advanced Anti-Radiation Guided Missiles – Extended Range) zur Bekämpfung gegnerischer Radaranlagen im Rahmen von SEAD/DEAD-Missionen. Die von Northrop Grumman gefertigten Waffen kosten rund 700 Millionen Euro.

Polen auf dem Weg zur stärksten Armee Europas

AIM-120D3: Modernste Version mit F3R-Upgrade

Die AIM-120D3 ist laut Hersteller Raytheon die derzeit leistungsfähigste Version der AMRAAM-Familie. Ihre Entwicklung wurde stark durch die Leistungsdaten der chinesischen PL-15 beeinflusst. Die Rakete verfügt unter anderem über:

  • eine bidirektionale Datenverbindung,
  • ein verbessertes Navigationssystem mit GPS-gestützter Trägheitsmesseinheit (IMU),
  • eine erweiterte No-Escape-Zone,
  • eine erhöhte High-Off-Boresight-Fähigkeit (HOBS) und
  • eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 4.
AIM-120C Beladung einer F-16 – ©Georg Mader
Beladung eines F-16-Kampfjets mit einer AIM-120-Trainingswaffe.

Die AIM-120D3 (und die Exportvariante AIM-120C-8) wurde im Rahmen des sogenannten Form-Fit-Function Refresh (F3R) entwickelt. Dieses Upgrade umfasst 15 neue elektronische Module und ermöglicht zukünftige Software-Upgrades (SIP). Seit April 2023 werden nur noch AIM-120D3 oder AIM-120C-8 mit F3R-Funktion produziert.

Die US Air Force und Navy (-> aktuelle Meldungen rund um die US-Streitkräfte) haben die neue Version nach erfolgreichen Tests auf QF-16-Zieldrohnen sowie einem „Functional Configuration Audit” in Eglin AFB, Florida eingeführt. Erster Exportkunde war Australien mit einer Bestellung über 450 Stück.

Ausblick: Eurofighter, Budget und offene Fragen

Auch das Österreichische Bundesheer strebt nach wie vor ein begrenztes AIM-120C-8-Kontingent zur Modernisierung seiner frühen Eurofighter an. Der tatsächliche Abruf steht jedoch noch aus, nicht zuletzt wegen der ausstehenden Budgetfreigabe für 2025/26. Ähnliche Verzögerungen betreffen derzeit auch andere rot-weiß-rote Großbeschaffungen.

Quelle©Georg Mader, USAF