Die niederländische Marine trainiert derzeit gemeinsam mit Belgien und Estland die Minenräumung und Beseitigung von Sprengstoffen in der Nordsee. Die internationale Übung „Sandy Coast 25” soll nicht nur Kriegsaltlasten entschärfen, sondern auch die Verteidigung gegen moderne Bedrohungen, etwa die Sabotage an Unterseekabeln oder Angriffe auf strategisch wichtige Häfen, vorantreiben.

Noch immer lagern tausende Sprengsätze aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg am Boden der Nordsee. Nach wie vor bedroht dieses gefährliches Erbe die Schifffahrt, den Ausbau von Offshore-Windparks und die Küstennavigation. Auch stoßen Fischer oder Bagger regelmäßig auf Blindgänger. Allein seit 2005 mussten mehr als 1.500 gefährliche Funde durch den niederländischen Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft werden.

Doch die Minenabwehr dient nicht nur zur technischen Vergangenheitsbewältigung. Mit Blick auf zunehmende Spannungen in Europa rückt auch die Gefahr gezielter Sabotageakte in den Fokus. Vor allem Unterseekabel und Energie-Infrastruktur, die für die Sicherheit und Versorgung Europas lebenswichtig sind, gilt es effizient zu schützen.

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Neben der Sprengstoffbeseitigung üben die Soldaten daher vor allem den Schutz von Häfen und Schifffahrtswegen. Besonders im Visier stehen die Standorte Delfzijl und Eemshaven, die im Krisenfall als logistische Drehscheiben für die Versorgung von NATO-Verbündeten dienen würden.

„Es ist eine Frage von Leben und Tod, solche Häfen sicher zu halten”, heißt es aus Militärkreisen. Entsprechend trainieren Kampfmittelräumer, spezialisierte Taucherteams für sehr flache Gewässer (Very Shallow Water, VSW) und Minenjäger, wie sie Minen unschädlich machen und Infrastrukturen absichern können.

Bei „Sandy Coast 25” setzt die Marine auf eine Mischung aus klassischer Taucherarbeit und moderner Technologie. Unterwasserdrohnen kartieren Meeresgebiete, Häfen und Fahrrinnen, spüren Blindgänger auf und helfen, diese gezielt zu beseitigen. Unterstützt werden die Teams durch das Forschungsschiff „MV Geosea”, das Tauchschiff „Nautilus” sowie die Minenjäger „Zr.Ms. Willemstad” und „Zr.Ms. Schiedam”. Belgien beteiligt sich mit dem Minenjäger „BNS Lobelia”, Estland entsendet ein Tauchteam mit Kampfmittelräumtechnik.

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Das „Hydrograaf Expeditionary Survey Boat” kartiert zusätzlich die Gewässer im Wattenmeer. Das wiederum gilt als Voraussetzung, um die komplexe Unterwasserwelt zwischen Terschelling, Vlieland und Schiermonnikoog sicher zu überwachen.

Signal an Moskau

Die internationale Präsenz ist auch eine Machtdemonstration. Denn während der Übung werden regelmäßig verdächtige Schiffe, darunter auch russische, von der niederländischen Marine überwacht und eskortiert. Hintergrund sind Befürchtungen, dass Moskau Sabotageakte gegen Untersee-Infrastruktur vorbereiten könnte.

Das Verteidigungsministerium in Den Haag betont, dass man durch „regelmäßige Patrouillen und Wissensaustausch mit NATO-Partnern” die eigene Abwehrfähigkeit verbessern wolle.

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„Sandy Coast” findet jährlich im Wechsel in Belgien und den Niederlanden statt und dauert diesmal bis zum 29. August. Neben der praktischen Minenräumung geht es dabei auch um den Austausch von Verfahren und die Erprobung neuer Technologien.

Für die Anrainerstaaten der Nordsee ist die Übung mehr als Routine: Sie verdeutlicht, wie sehr historische Altlasten und aktuelle geopolitische Konflikte, wie etwa der Krieg in der Ukraine (-> Aktuelle Meldungen aus dem Ukraine-Krieg), zusammenwirken und dass die Sicherheit Europas auch vom Meeresgrund abhängt.

Hier geht es zu Berichten rund um die Zusammenarbeit der NATO-Mitgliedstaaten.

Quelle©MilDef