KNDS stellte auf der Rüstungsmesse IDET in Brünn (Tschechien) seine neuesten Entwicklungen vor – von Loitering Munition über C-UAS-Systeme bis hin zu 120-Millimeter-Panzermunition für den Leopard 2. Die größte Neuigkeit war allerdings nicht direkt in Brünn zu sehen: die 155-Millimeter-Haubitze Caesar. KNDS kündigte parallel zur Messe den Produktionsstart an – jedoch nicht, wie bei den Systemen für die Ukraine auf einem 6×6-Chassis, sondern auf einem 8×8-Fahrgestell.

Dies erhöht die Munitionskapazität, bietet im Vergleich zum 6×6-Fahrzeug besseren Schutz und – im konkreten Fall Tschechien – eine signifikante Beteiligung der heimischen Industrie. Frankreich trägt dazu über mehrere Partnerschaften bei: durch lokale Fertigung, logistische Unterstützung und die Zertifizierung von 155-Millimeter-Munition aus tschechischer Produktion wird die nationale Verteidigungsindustrie gestärkt.

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Zwei Prototypen fertiggestellt

Im September 2021 hatte die Tschechische Republik den Auftrag zur Beschaffung von zunächst 52 Caesar-Haubitzen an KNDS vergeben, später wurde die Bestellung auf 62 Systeme erweitert. Der Auftragswert liegt bei rund 410 Millionen Euro – ein deutliches Zeichen für die laufende Modernisierung der tschechischen Streitkräfte (ACR). Die ersten beiden Exemplare wurden bereits aus dem Werk in Roanne (Frankreich) geliefert und nehmen an militärischen Erprobungen teil. Die vollständige Auslieferung soll planmäßig bis Ende 2026 erfolgen – ein Hinweis auf eine methodisch durchdachte Beschaffungsstrategie. Die Geschützbesatzungen und Wartungsteams der ACR wurden bereits in Frankreich ausgebildet.

Derzeit beginnt die Endmontage der ersten Caesar-Systeme beim lokalen Partner Excalibur Army – vermutlich in Sternberk –, um sowohl den Lieferplan als auch die vereinbarten Industriekooperationen einzuhalten.

Starke tschechische Industriepartnerschaften

Rund 40 Prozent des Caesar 8×8-Systems werden lokal gefertigt. Excalibur Army übernimmt die Endmontage, Retia stellt die Kommunikationsausrüstung und die Hardware für das Feuerleitsystem bereit. Das Fahrgestell sowie die geschützte Kabine kommen vom Fahrzeugbauer Tatra Trucks beziehungsweise Tatra Defence Vehicles (-> Von Tatra Defence Vehicles gab es auf der IDET auch die Weltpremiere des Pandur 8×8 Evolution zu sehen). Auch mit STV kooperiert KNDS bei der Zertifizierung von in Tschechien gefertigter 155-Millimeter-Munition.

KNDS startet Serienfertigung von Caesar 8x8-Haubitzen – ©KNDS
Diese Haubitze war bereits 2016/17 mit den Franzosen in Mossul/Irak gegen den IS im Einsatz. Im Gegensatz dazu werden die Caesar-Haubitzen für die tschechischen Streitkräfte exklusiv auf 8×8-Fahrgestellen aufgebaut.

Zusätzlich wird die ACR künftig den Mixed Reality Crew Trainer (MRCT) erhalten, der es ermöglicht, eine vollständige Besatzung virtuell am Caesar-System auszubilden – ohne dass ein tatsächliches Fahrzeug aus dem Betrieb genommen werden muss.

Weitere Exponate auf der IDET

KNDS präsentierte auf der IDET die 105LG – die weltweit leichteste 105-Millimeter-Schlepphaubitze. Sie wurde für schnelle Eingreifkräfte konzipiert, kann zwölf Schuss pro Minute abfeuern (bis zu 20 mit einer fünfköpfigen Besatzung) und weist laut Hersteller eine doppelt so hohe Feuerrate wie vergleichbare Systeme auf. Geringes Gewicht, Robustheit und hohe Mobilität machen sie ideal für Luftlandeoperationen.

Ebenfalls gezeigt wurde das ARX 30 – ein ferngesteuertes 30-Millimeter-Waffensystem. In der C-UAV-Version wird es um ein Radar ergänzt, das es zu einer der fortschrittlichsten Lösungen zur Bekämpfung von Luftbedrohungen im Nahbereich macht – insbesondere gegen Drohnen. Die französische Rüstungsagentur DGA hat bereits 24 Serval LAD-Fahrzeuge bestellt, die mit der ARX 30-Kanone ausgerüstet sind. Das System wurde für den Kampf gegen verschiedenste Ziele entwickelt und überzeugt mit hoher Feuerrate und der Fähigkeit, Airburst-Munition einzusetzen.

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MATARIS – Loitering Munition in vier Varianten

Unabhängig von der Rüstungsmesse in Brünn stellte KNDS im Februar die MATARIS-Serie an Loitering Munition in vier Versionen vor:

  • MT-10 (ehemals IXOS): Trägersystem mit zehn Kilometern Reichweite.

  • MX-10 (ehemals MTO-CP): Quadcopter-Design mit zehn Kilometern Reichweite (bereits bei der französischen Armee im Einsatz).

  • MV-25 (ehemals OSKAR): Starrflügler mit 25 Kilometern Reichweite.

  • MV-100 (ehemals LARINAE): Starrflügler mit 100 Kilometern Reichweite.

Zwischen Entwicklungsbeginn und Einsatz lagen weniger als zwei Jahre. Seit Jänner dieses Jahres befindet sich die MV-25-Version im Einsatz bei den ukrainischen Streitkräften.

Apropos Ukraine: Die rund 80 Caesar-Systeme, die bis Ende 2024 an die Ukraine geliefert wurden, haben mittlerweile über 40.000 Schuss auf russische Angreifer abgefeuert. Laut KNDS haben die ukrainischen Soldaten eine bemerkenswerte Lernkurve bewiesen und – unterstützt durch Ersatzteillieferungen – die Bedienung und Wartung der komplexen Systeme rasch erlernt.

©Militär Aktuell

Europas Aufrüstung weiter durch Marktmechanismen geprägt

Die Wiederherstellung militärischer Fähigkeiten ist seit drei Jahren ein häufig bemühtes, aber auch kontrovers diskutiertes Thema. Ende 2024 gab ein KNDS-Sprecher einen realistischen Einblick in die aktuellen Herausforderungen, etwa bei der Skalierung der Artilleriemunitionsproduktion. Besonders problematisch: Rohstoffknappheit und massive Preissteigerungen. Der Preis für Schießpulver hat sich in den letzten Jahren verfünffacht – eine dramatische Entwicklung, die Planung und Produktion erheblich einschränkt.

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Quelle©KNDS