Wie bereits in Militär Aktuell berichtet, verabschiedete das japanische Kabinett kurz nach Weihnachten einen Rekordentwurf für den Verteidigungshaushalt 2026 in der Höhe von rund neun Billionen Yen (rund 48,8 Milliarden Euro). Es sollen damit insbesondere Fähigkeiten in der Luftverteidigung, der Küstenverteidigung sowie der Einsatz von Marschflugkörpern und unbemannten Systemen gestärkt werden – zudem soll die Zahl der Munitionsdepots im ganzen Land von derzeit 1.400 bis zum Budgetjahr 2032 auf 1.530 erhöht werden.
Dieser Plan des japanischen Verteidigungsministeriums (MoD) ist der angespannten sicherheitspolitischen Lage in Ostasien geschuldet und ist einer der im Dezember 2022 in der von der Regierung beschlossenen nationalen Verteidigungsstrategie festgelegten Schwerpunkte, worin gefordert wird, dass zur nachhaltigen Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Japans für den Fall länger andauernder Feindseligkeiten die Munitionsproduktion gesteigert und die Zahl der Munitionsdepots entsprechend erhöht werden soll.
Das seit 2022 bis Ende März 2026 dafür bereitgestellte Budget beläuft sich auf insgesamt etwa 48,2 Milliarden Yen (etwa 264 Millionen Euro). Im Entwurf für das Budget ab April 2026 sind etwa 56 Milliarden Yen (etwa 307 Millionen Euro) vorgesehen.
Die Standorte für 65 der geplanten 130 neuen Munitionsdepots stehen laut MoD bereits fest. Sie befinden sich alle innerhalb bestehender Einrichtungen der Selbstverteidigungsstreitkräfte:
- 16 auf der Hauptinsel Hokkaido,
- 25 auf der Hauptinsel Honshu, davon 6 in der Präfektur Aomori, 18 in der Präfektur Kyoto und 1 in der Präfektur Hiroshima,
- 19 auf der Hauptinsel Kyushu, davon 9 in der Präfektur Oita, 5 in der Präfektur Miyazaki, 5 in der Präfektur Kagoshima,
- und 5 in der südlichsten Präfektur Okinawa.
Dieser Ausbau bringt auch zunehmende logistische Herausforderungen mit sich, da die Munition von den Depots zu den Bedarfsträgern transportiert werden muss. Derzeit erfolgt die Verlegung von Truppen und Material vorwiegend per Schiff (-> Neue Schiffe für Japans maritime Transportgruppe), mit Luftfahrzeugen oder auf Straßen, wobei es bei den letzteren beiden im Vergleich zu Schiffen größere Einschränkungen mit Hinsicht auf Gewicht und Dimensionen des Transportgutes gibt. Beim maritimen Transport hingegen besteht im Ernstfall ein hohes Risiko durch Seeblockaden mittels Minen oder U-Booten.
Eine bis jetzt vergleichsweise nur wenig genutzte Möglichkeit ist der Transport per Bahn. Dieser erfolgte fallweise in geringem Umfang seit 2011 bei einigen Manövern durch die Boden-Selbstverteidigungsstreitkräfte (JGSDF) und war auf gepanzerte Radfahrzeuge und mit Munition und Ausrüstung beladene Container beschränkt.
Für Japan, das sowohl mit einem chinesischen als auch mit einem russischen Bedrohungsszenario konfrontiert ist, hat die Möglichkeit zur schnellen Verlegung großer Truppenverbände oder Ausrüstungsmengen und schwerer Transportgüter von Nord nach Süd (oder umgekehrt) eine grundlegende Bedeutung. Deshalb hat das MoD starkes Interesse an einem weiteren „logistischen Standbein”, ist dabei jedoch auf die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus angewiesen, dem es im Mai 2022 zur Untermauerung dieser aus Sicht des MoD dringenden Notwendigkeit Unterlagen vorlegte, die Informationen über die Bahnverwendung bei den JGSDF-Manövern und Analysen über die umfangreiche Nutzung des Schienentransports auf beiden Seiten im Ukrainekonflikt enthielten.

Im japanischen Bahnsystem ergeben sich für die militärische Nutzung spezifische Probleme durch das Vorhandensein unterschiedlicher Spurweiten, Belastungsgrenzen, Waggonbreiten und Lichtraumprofile, durch die Existenz zahlreicher Tunnel aufgrund der gebirgigen Landesstruktur und durch uneinheitliche Infrastruktur. Notwendige Anpassungen erfordern einen Aufwand, der Grund für Verzögerungen sein dürfte. Jedoch wäre beispielsweise alleine schon der Transport von Kampfpanzern von Hokkaido nach Honshu durch den Unterwassertunnel Seikan auf den Geleisen des Shinkansen eine effektive Verbesserung für die Landesverteidigung.
Die neueste Aktivität in Bezug auf militärischen Bahntransport ist die Anfang Dezember 2025 veröffentlichte und an zivile Unternehmen gerichtete Ausschreibung der japanischen See-Selbstverteidigungsstreitkräfte (JMSDF) für die Analyse der Auswirkungen auf Torpedos, die per Bahn transportiert werden. Konkret angeführt werden die von den JMSDF auf Zerstörern und U-Booten eingesetzten Torpedos Mark 46 sowie Typ 12, 18, 89, 89 (B) und 97.

Es bleibt abzuwarten wie rasch und in welchem Umfang die Nutzung des Bahnnetzes durch die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte zunehmen wird.
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