Vor Kurzem haben die Streitkräfte Indonesiens das taktische Raketensystem Khan vom türkischen Hersteller Roketsan eingeführt. Laut einer aktuellen Anayse des Daten- und Analyseunternehmens Global Data ist das ein „wichtiger Meilenstein in den Bemühungen des Landes, seine Verteidigung zu modernisieren”.
Nicht nur die Angriffsfähigeiten der indonesischen Armee würden dadurch verbessert, die Einführung signalisiere auch eine Beschleunigung des Wettrüstens unter den südostasiatischen Ländern. Zudem verschafft das Khan-System Indonesien einen Vorsprung in Bezug auf Präzisionsschlagfähigkeiten, einem Bereich, der traditionell von regionalen Schwergewichten wie China und Indien dominiert wird.
Im aktuellen Bericht „Indonesia Defense Market Size, Trends, Budget Allocation, Regulations, Acquisitions, Competitive Landscape and Forecast to 2030” zeigt Global Data, dass die indonesische Regierung für 2025 insgesamt rund zehn Milliarden Euro für Verteidigungsausgaben vorgesehen hat. Zwischen 2021 und 2025 hatte das Verteidigungsbudget damit eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 7,7 Prozent. Bis 2030 wird das Budget laut der Vorhersage weiter um jährlich 7,3 Prozent wachsen und dann 14,3 Milliarden Euro betragen. Dieses Wachstum dürfte alle Modernisierungsbestrebungen Indonesiens im Verteidigungsbereich unterstützen.
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Mit dem Khan-System, das Präzisionsschläge bis zu einer Entfernung von 280 Kilometern ausführen kann, verschafft sich Indonesien eine bisher fehlende Fähigkeit zu Präzisionsschlägen über große Entfernungen. Das System ist auf einem 8×8-Tatra-Fahrzeug montiert und gewährleistet eine hohe Mobilität, sodass es schnell in der vielfältigen Geografie des indonesischen Archipels eingesetzt werden kann. Die Mobilität des Raketensystems erhöht die Überlebensfähigkeit erheblich und erschwert etwaigen Gegnern Gegenangriffe. Darüber hinaus gewährleistet die Fähigkeit des Khan, in elektronisch gestörten Umgebungen zu operieren, unter Nutzung der integrierten GPS- und GLONASS-gestützten Trägheitsnavigation eine hohe Genauigkeit.
„Die Lieferung dieses Raketensystems erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Verteidigungsindustrie im asiatisch-pazifischen Raum (APAC) ein rasantes Wachstum erlebt, das vor allem auf die erhöhten Spannungen aufgrund des selbstbewussten Auftretens Chinas im Südchinesischen Meer und im Indischen Ozean zurückzuführen ist”, kommentierte Sai Kiran, Luftfahrt- und Verteidigungsanalyst bei Global Data. „Für Indonesien, dessen strategische Lage an wichtigen Seestraßen wie der Straße von Malakka es zu einem wichtigen Akteur macht, sind solche Fähigkeiten für die Wahrung seiner Souveränität und seiner Seewege von entscheidender Bedeutung.”

Diese Lieferung unterstreicht auch die sich vertiefende Verteidigungspartnerschaft zwischen Indonesien und der Türkei. Als erster ausländischer Betreiber des Khan-Raketensystems strebt Indonesien eine Diversifizierung seiner Beschaffungsquellen im Verteidigungsbereich an. Darüber hinaus eröffnet diese Anschaffung Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklungen, Technologietransfers und potenzielle Anschaffungen von Marine-Raketen, wie beispielsweise das Atmaca-Anti-Schiffs-System. Dies steht im Einklang mit der langfristigen Strategie Jakartas, einen unabhängigeren und technologisch fortschrittlicheren Verteidigungssektor aufzubauen.
„Die Einführung signalisiert, dass angesichts zunehmender Territorialstreitigkeiten immer mehr Länder in Südostasien den Erwerb fortschrittlicher Raketensysteme anstreben. In diesem Jahr erhielten die Philippinen ihre zweite Brahmos-Raketenbatterien aus Indien, während Vietnam Interesse am Kauf ähnlicher Raketensysteme bekundet hat. Da es in der Region weiterhin zu Territorialstreitigkeiten und bewaffneten Konflikten kommt, werden sich in diesem Jahrzehnt wahrscheinlich weitere südostasiatische Länder mit fortschrittlichen Raketensystemen ausrüsten”, fasst Kiran zusammen.
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