Im Spätsommer vergangenen Jahres übernahm Brigadier Georg Härtinger das Kommando über das Militärkommando Niederösterreich. Welche Pläne er hat, wo investiert wird und welche Herausforderungen ihn in seiner neuen Aufgabe erwarten, erzählte er Militär Aktuell-Chefredakteur Jürgen Zacharias.

Herr Brigadier, lassen Sie uns mit dem Thema Investitionen beginnen. Was bedeutet denn der „Aufbauplan 2032+” des Bundesheeres speziell für Niederösterreich?
Es sind viele Investitionen geplant und in Durchführung. Im Infrastrukturbereich werden in Langenlebarn beispielsweise aktuell Vorbereitungen getroffen, um dort einen Teil unserer neuen AW169-Helikopter stationieren zu können (-> Langenlebarn: Neue Hangars für AW169 Lion), und in Wiener Neustadt wird heuer der Bau des neuen Campus der Militärakademie fertiggestellt. Neben diesen großen Maßnahmen gibt es aber auch eine ganze Reihe kleinerer geplanter Vorhaben.

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Parallel dazu läuft bei vielen Verbänden auch neues Gerät zu, oder?
Genau. Die 3. Jägerbrigade zum Beispiel erhält viele weitere geschützte Fahrzeuge. So wird unter anderem der Pandur in verschiedensten Varianten in Niederösterreich stationiert (-> Das Bundesheer beschafft 225 neue Pandur Evolution), was wiederum Auswirkungen auf die Infrastruktur hat. Es gilt dann ja auch Garagen zu bauen, in denen die Fahrzeuge abgestellt werden können. Dazu kommt eine Neuzuordnung der Kräfte bei der Miliz. Das Jägerbataillon Niederösterreich wird zum Beispiel an das Jägerbataillon 33 als verantwortlicher Verband übergeben. Damit muss auch das gesamte Gerät des Bataillons nach Zwölfaxing verlagert werden.

Wie ist der aktuelle Stand am Fliegerhorst Leopold Figl – Flugplatz General Pabisch in Langenlebarn? Dort wurde in den vergangenen Jahren ja bereits eine neue Anschlussbahn und ein neues Flugfeldradar errichtet und läuft aktuell der Ausbau der Fliegerwerft, oder?
Insgesamt werden in Niederösterreich in den kommenden Jahren 411,5 Millionen Euro als Bauvorhaben realisiert. Und ja, ein Gutteil dieser Summe wird in Langenlebarn investiert. Es entsteht dort neben den genannten Vorhaben auch eine Simulatorhalle für den AW169. Außerdem werden neue Hangars gebaut, um diese Luftfahrzeuge unterzubringen, und eine entsprechende Werkstätteninfrastruktur und weitere benötigte Räumlichkeiten. Das läuft derzeit alles nach Plan.

Brigadier Georg Härtinger über die Aufrüstung des Bundesheers -©Lukas Ilgner
Neubesetzung: Mit 20. August des vergangenen Jahres wurde Brigadier Georg Härtinger durch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner als neuer Militärkommandant für Niederösterreich fixiert.

Haben Sie noch weitere konkrete Beispiele für uns?
Ein besonders wichtiger Punkt ist die verstärkte Investition in die Kasernenautarkie. So wurde in Amstetten ein Großaggregat installiert, das die gesamte Kaserne unabhängig betreiben kann. In Mautern steht der Neubau der Truppensanitätsstation an, während in Allentsteig bereits mehrere Mannschaftsgebäude modernisiert wurden – zwei weitere folgen noch in diesem Jahr. Zudem werden dort die Trainingsanlagen ausgebaut und erweitert. Auch in Großmittel sind umfassende Maßnahmen in Planung. Tatsächlich gibt es kaum eine Kaserne, in die derzeit nicht investiert wird. Diese Modernisierungs- und Infrastrukturprojekte erfordern einen hohen Koordinationsaufwand, für den eigens eine Stabsabteilung zuständig ist.

Wenn ich das Konzept richtig verstehe, soll eine autarke Kaserne auch Blaulichtorganisationen als Sicherheitsinsel dienen. Wie eng ist da die Vernetzung und wie wichtig ist es, auch mal gemeinsam zu üben?
Wir pflegen eine enge Zusammenarbeit und ein ausgezeichnetes Gesprächsklima mit allen Einsatzorganisationen in Niederösterreich und treffen uns regelmäßig. Zudem führen wir gemeinsame Übungen durch, um die Einsatzkoordination zu optimieren. Bei der Übung „Schutzhelm” im vergangenen Jahr trainierten wir gemeinsam das Vorgehen nach dem Absturz einer Drohne. Anfang März übten wir mit der Berg­rettung ein Lawineneinsatzszenario. Auch an der kommenden Landeskata­strophenübung werden wir teilnehmen, ebenso wie an den Sicherheitstagen in Weitra.

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Der geplante Neubau der Kaserne in Mistelbach ist bei den zuvor genannten 411,5 Millionen Euro aber nicht eingerechnet, oder?
Nein, die Kosten dafür würden noch obendrauf kommen. Jetzt ist man dort immerhin so weit, dass man ein passendes Grundstück identifiziert hat, in den nächsten Monaten sollen dann weitere Schritte gesetzt werden.

Ist bei der Truppe tatsächlich spürbar, dass sich im Investitionsbereich etwas tut?
Noch nicht, aber ich rechne damit, dass es in diesem Jahr beginnt. Die 3. Jägerbrigade erhält rund 900 modernisierte Sturmgewehre sowie eine neue Nachtsichtausrüstung, was eine deutliche Kampfwertsteigerung darstellt. In Langenlebarn läuft derzeit die Modernisierung der bestehenden Fliegerabwehrgeschütze. Damit werden die laufenden Maßnahmen für die Soldaten erstmals spür- und greifbar. Parallel dazu wird weiterhin die neue Uniform an die Verbände ausgegeben, und die Umrüstung der gesamten Führungsinformationssysteme steht bevor. Diese Maßnahme verspricht einen Quantensprung in der Führungsfähigkeit – insbesondere für das Militärkommando.

Brigadier Georg Härtinger über die Aufrüstung des Bundesheers -©Lukas Ilgner
Niederösterreichs Militärkommnandant Brigadier Georg Härtinger im Gespräch mit Militär Aktuell-Chefredakteur Jürgen Zacharias.

Es scheint, als hätte der Einsatz des Bundesheeres während der Corona-­Pandemie viele Berührungsängste abgebaut und zu einer positiveren Wahrnehmung in der Bevölkerung geführt. Täuscht dieser Eindruck, oder hat sich die Haltung gegenüber dem Bundesheer tatsächlich gewandelt?
Ja, das ist deutlich spürbar. Berührungsängste haben abgenommen, und viele Menschen haben erkannt, welche Leistungen das Bundesheer erbringen kann. Zudem hat sich das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung verändert, was sich auch auf die Wahrnehmung von Übungen und unserer Arbeit insgesamt auswirkt. Das zeigt sich auch im aktuellen APA-OGM-Vertrauensindex, der uns mit 67 Prozent Zustimmung auf den ersten Platz hebt. Diese Anerkennung ist nicht unbegründet – denn unser Einsatz kommt der Bevölkerung direkt zugute und ist für viele sicht- und spürbar.

Sicht- und spürbar war in Niederösterreich auch der massive Einsatz des Bundesheeres im Zuge des Hochwassers vor einem halben Jahr. Welche Erfahrungen und Lehren konnten Sie daraus für zukünftige Einsätze ziehen?
Ich habe drei zentrale Learnings aus dem Einsatz gezogen. Das erste betrifft direkt uns selbst: Auch der Standort des Militärkommandos Niederösterreich war vom Hochwasser betroffen, was unsere Führungsfähigkeit eingeschränkt hat. Einige Führungsanlagen standen sogar im Wasser. Das darf in Zukunft nicht passieren – hier müssen wir uns besser absichern und strukturell optimieren.

Das zweite Learning?
Der zweite zentrale Punkt ist, dass wir als Militärkommando über umfangreiche Kräfte verfügten und deren Einsatz gut funktioniert hat. Allerdings gab es eine strukturelle Herausforderung: Die Direktion 1 unterstellte zu Beginn dem Militärkommando einerseits Bataillone und andererseits die 3. Jägerbrigade, die ihrerseits ihre kleinen Verbände führte. Rückblickend war diese Struktur gerade zu Beginn des Einsatzes nicht praktikabel und führte zu starken Zeitverzögerungen. In einem solchen Einsatzraum kann es nur eine zentrale Führungs­instanz geben – und die muss das Militärkommando sein. Der Grund dafür ist klar: Wir haben die direkte Verbindung zu allen Einsatzorganisationen, den Bezirkshauptmannschaften und den Einsatzstäben, was eine effiziente und koordinierte Einsatzleitung ermöglicht.

Brigadier Georg Härtinger über die Aufrüstung des Bundesheers -©Lukas Ilgner
Im Rahmen des „Aufbauplans 2032+” wird auch kräftig in die Kasernen und Verbände des Bundesheeres in Niederösterreich investiert.

Und der dritte Punkt, den Sie für die Zukunft mitnehmen …?
… ist die Erkenntnis, dass wir technisch hervorragend aufgestellt sind. Das Bundesheer ist längst nicht mehr nur für den klassischen Katastrophenschutz im Einsatz – wir übernehmen zunehmend technische Aufgaben, die einen echten Unterschied machen. Ein eindrucksvolles Beispiel war der gewaltige technische Einsatz zur Sicherung des Hangrutsches im Pielachtal. Die Stabilisierung, Entwässerung und Wiederherstellung des Hanges stellte eine enorme Herausforderung dar – die wir jedoch erfolgreich bewältigt haben.

Wie ist die aktuelle Personalsituation in Niederösterreich?
Das Militärkommando ist relativ gut besetzt, dennoch gibt es im Bundesland Bereiche, in denen der Personalmangel spürbar ist – und das betrifft nicht nur uniformiertes Personal, sondern auch Zivilbedienstete. Besonders deutlich zeigt sich das etwa in den Küchen, wo der Besetzungsgrad ein Problem darstellt. Das verdeutlicht das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen: Einerseits suchen wir dringend Einsatzsoldaten, etwa Panzerfahrer oder Schützen, andererseits wird der Bereich Logistik oft unterschätzt – obwohl er für den reibungslosen Betrieb ebenso essenziell ist. Bei dem Thema möchte ich aber auch auf die Stellung zu sprechen kommen.

Bitte.
Im vergangenen Jahr wurden in Niederösterreich erstmals weniger als 8.000 männliche Staatsbürger gemustert – ein deutlicher Rückgang. Vor zehn Jahren lag diese Zahl noch bei etwa dem Doppelten. Dennoch gibt es eine positive Entwicklung: Von den rund 6.500 tauglich Getesteten haben sich etwa 52 Prozent für das Bundesheer entschieden – ein Anteil, der höher als in der Vergangenheit ist. Das zeigt, dass wir in diesem Bereich einen Aufschwung erleben. Nun gilt es diesen Aufschwung aber auch nachhaltig zu gestalten und
in die Zukunft mitzunehmen.

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Quelle©Lukas Ilgner