In einer kürzlich veröffentlichten Analyse bezeichnet der israelische Generalmajor Jacob Benjo FPV-Drohnen nicht als neue Herangehensweise oder neue Waffe, sondern als „Revolution im Militär”.

Der leitender Forscher im Forschungsteam des Begin-Sadat Center für Strategische Studien in Ramat Can sieht eine grundlegende Veränderung der Bodenkriegsführung und fragt sich, ob die Generäle des NATO-Bündnisses das Ausmaß der Veränderungen auf dem Schlachtfeld bereits verstanden haben.

FPV-Drohne beim Start – ©Archiv
FPV: Ist das nur eine Drohne? Ist das Munition?

Derzeit kämpfen nur Russland und die Ukraine (-> aktuelle Meldungen aus dem Ukraine-Krieg) diesen Krieg, so Benja. „Was diese bereits vergessen haben, haben wir noch nicht gelernt”, schreibt der Experte. Und er warnt: „Wer in den nächsten Krieg zieht, ohne die FPV-Revolution umzusetzen, wird durch K. o. und nicht durch Punkte verlieren.”

Die inzwischen großen Reichweiten von FPV-Drohnen haben laut Benjo zu einer 40 Kilometer tiefen Kampfzone um den Frontbereich geführt, in der jeder, der sich länger als 15 Minuten im Freien aufhält, ein hohes Risiko eingeht, von einer FPV-Drohne angegriffen und getötet zu werden.

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Völliger Gamechanger

Der große Einsatzbereich biete laut Banja erhebliche taktische Vorteile. In der hohen Genauigkeit und Echtzeitinformation vom Schlachtfeld sowie der Möglichkeit, konkrete Aufgaben zu erfüllen, sieht er die Qualitäten der FPV-Drohne. Hinzu kommen hohe Manövrierfähigkeit und – dank Glasfasertechnik – mittlerweile auch Immunität gegen elektronische Kriegsführung.

Truppenkonzentrationen werden sofort zerstört, der Angreifer gezwungen, mit „schwachen Kräften” anzugreifen. Auch Verteidiger sind gezwungen, sich über große Gebiete zu verteilen – zwischen erheblichen Anteilen an Scheinzielen und unbemannten Stellungen.

„Ein Panzer ist gezwungen, in Bewegung zu bleiben, sonst wird er zerstört.“

Generalmajor Jacob Benjo

Auch auf die finanziellen Kosten des FPV-Krieges geht Benjo ein. Er schätzt die Kosten pro Drohne auf rund 500 Euro, und da eine von fünf trifft, betragen die Kosten eines Angriffs 2.500 Euro. Bereits eine einfache 155-Millimeter-Granate ist teurer, eine Spike-NLOS-Rakete kostet rund 20.000 Euro, eine Hellfire-Rakete bereits 50.000 Euro.

FPV habe diverse bestehende Systeme ersetzt. Aufgrund von FPV seien alle Kampf- und Transporthubschrauber von der Front verschwunden. Luftstreitkräfte können die Luftüberlegenheit für ihre Bodentruppen in bodennaher Höhe nicht mehr gewährleisten. Die FPV-Drohne ist Aufklärungs- und Wirkmittel in einem.

©Militär Aktuell

Und Benjo warnt vor den Wahrnehmungsbarrieren in den Armeen. Sie hätten aufgrund ihrer Struktur Schwierigkeiten, das Ganze zu erkennen. Er sieht auch ein fehlendes Verständnis für die Wirkung von Quantität. „Eine Million FPV-Drohnen klingt wie eine imaginäre Zahl, obwohl sie tatsächlich in Russland und der Ukraine getrennt (und ohne chinesische Hilfe) produziert werden.”

Man müsse sich nur vorstellen, was 10.000 FPV-Drohnen bei einem synchronisierten Angriff in einer Tiefe von 10 Kilometern anrichten könnten. Es gebe noch immer keine Möglichkeit, sich wirksam dagegen zu verteidigen, schreibt Benjo.

Generalmajor Jacob Benjo – ©IDF
Generalmajor Jacob Benjo ist seit Juli 2024 leitender Forscher im Forschungsteam des Begin-Sadat Center für Strategische Studien.

Zusammenfassend sieht der General eine Veränderung der Spielregeln auf dem modernen Schlachtfeld. „Wird FPV mit einem systemischen Ansatz umgesetzt, ergeben sich enorme Schwierigkeiten. Die meisten Armeen haben bisher noch nicht einmal das Problem der Panzerabwehrraketen gelöst. Sie stehen jetzt vor der Schwierigkeit, beide Probleme gleichzeitig lösen zu müssen.”

Über den Autor

Generalmajor Jacob Benjo ist seit Juli 2024 leitender Forscher im Forschungsteam des Begin-Sadat Center für Strategische Studien. Davor war er Leiter des Planungsdirektorats der IDF. Er blickt auf eine 34-jährige Militärkarriere zurück, in der er hauptsächlich im Panzerkorps und im Generalstab tätig war.

Benjo ist ein Experte für Machtbildung und die Ausübung militärischer Macht – von der taktischen bis zur strategischen Ebene.

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Quelle©Archiv, IDF,