Wenn ein Flugzeug die Aufmerksamkeit aller Spotter auf sich zieht, dann hat es Seltenheitswert – so geschehen beim RIAT 2025 in RAF Fairford (-> Highlights vom RIAT 2025): Eine An-74T-200A der ägyptischen Luftwaffe setzte am 16. Juli zur Landung an – mit ihren hoch über dem Flügel montierten Lotarew D-36 Triebwerken ein echter Blickfang.

Die Kombination aus seltenem Muster und erstmaliger RIAT-Teilnahme der Egyptian Air Force sorgte für kollektives Objektiv-Gewitter auf den Zuschauertribünen.

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Militär Aktuell hatte dabei Gelegenheit, das seltene Flugzeug aus nächster Nähe zu besichtigen und mit Oberst Basem Kamal Sallam vom 533. Air Wing zu sprechen.

Herr Oberst, ihre An-74 ist in Westeuropa ein Exot. Gilt das auch für Ägypten?
Ja – wir betreiben nur drei Maschinen dieses Typs, alle beim 533. Geschwader am Flughafen Kairo stationiert. Eine Option auf weitere sechs wurde nie realisiert.

Wie lange und auf welcher Strecke sind Sie hierher nach England geflogen?
In acht Stunden, mit Tankstopp in Rom-Ciampino.

Oberst Basem Kamal Sallam vom 533. Air Wing – ©Georg Mader
Oberst Basem Kamal Sallam vom 533. Air Wing im Gespräch mit Militär Aktuell.

Welche Aufgaben übernimmt die An-74 in Ägypten?
Sie ist vielseitig: militärische Transporte, Hilfslieferungen im In- und Ausland, Versorgung anderer Plattformen. Besonders schätzen wir ihre STOL-Fähigkeit – Starts und Landungen auf nur 1.300 beziehungsweise 700 Metern, auch auf unbefestigten Pisten, sind problemlos möglich – bei voller Zuladung. Mit weniger Zuladung geht es auch noch kürzer. Wir transportieren zum Beispiel – je nach Größe – zwei bis drei geländegängige Fahrzeuge, oder Krankentragen, oder auch Reihen von Passagiersitzen.

Wie hoch ist das maximale Startgewicht (MTOW)?
Etwa 35 Tonnen. Dank der über den Tragflächen montierten Triebwerke mit Schubumkehr, der Niederdruckreifen und des autarken Betriebs mit Hilfsturbine ist sie für Einsätze unter extremen Bedingungen bestens geeignet.

Wann hat Ägypten die Maschinen übernommen?
Zwischen 2005 und 2009 – gebaut wurden sie bereits in der Ukraine, mit modernisiertem Glascockpit und Kollisionswarnsystem.

Wie wirkt sich der Ukraine-Krieg (-> Aktuelle Meldungen aus dem Ukraine-Krieg) auf die Instandhaltung aus?
Die Großwartungen erfolgten bisher in Charkiw, zuletzt 2021. Teams kamen auch nach Ägypten – etwa nach kleineren Unfällen. Heute müssen wir improvisieren, verfügen aber über gute Ersatzteillager und sind auch eigene Zulassungsbehörde.

Sowjetisches Spätwerk mit kurzer Startbahn

Die An-74 ist ein ziviler Ableger der An-72 Coaler, deren Erstflug 1979 stattfand. Die An-74 folgte 1983, ging 1988 in Serie und wurde fast ausschließlich in Charkiw produziert.

Insgesamt entstanden rund 200 Maschinen beider Versionen. Heute fliegen die meisten noch erhaltenen An-74 in Russland und der Ukraine – zivil oder bei staatlichen Stellen. Eine der ukrainischen Werksmaschinen wurde beim russischen Angriff auf den Flughafen Hostomel am 24. Februar 2022 zusammen mit der einzigen An-225 Mriya zerstört.

Außerhalb Russlands stehen derzeit wohl nur 15 bis 20 An-74 im aktiven Dienst – darunter in Ägypten, Iran (IRGC), Turkmenistan und im Kongo. Ein seltener, aber leistungsstarker Transporter – und beim RIAT 2025 ein echtes Highlight.

Hier geht es zu weiteren Meldungen rund um die ägyptischen Streitkräfte.

Quelle©Georg Mader