Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan können miteinander. Zumindest so viel, dass der jahrelang von der früheren deutschen Bundesregierung blockierte Eurofighter-Ankauf für die Türkei nun in Bewegung kommt.

Nach dem Treffen von Erdoğan und Merz vor wenigen Tagen auf dem NATO-Gipfel in Den Haag, ist die Zuversicht im Eurofighter-Konsortium, dem neben Deutschland auch das Vereinigte Königreich, Italien und Spanien angehören, groß.

Die Türkei möchte bis zu 40 Eurofighter-Typhoon-Kampfflugzeuge kaufen. Von 20 Festbestellungen und 20 Optionen ist die Rede.

Für die Türkei wäre der Eurofighter das mit Abstand stärkste Kampfflugzeug der Flotte. Noch betreibt die Türk Hava Kuvvetleri (türkische Luftwaffe) eine gewisse Zahl an F-4E Phantom. Wie viele der offiziell 48 Maschinen noch operativ gehalten werden können, ist jedoch unklar.

Den größten Teil der Flotte bilden die 153 alternden F-16C. 40 neue F-16V wurden im November 2024 bestellt. Das US-Offert, die alten F-16C Block 40/50 auf den neuen V-Stand hochzurüsten wurde ausgeschlagen. Diesen Auftrag hat die starke türkische Luftfahrt- und Rüstungsindustrie erhalten.

Eurofighter-Export für die Türkei fast durch – ©USAF
Die türkischen F-16 bekommen ein Upgrade durch die heimische Industrie.

Türkei strategisch wichtig

In diesem Zusammenhang darf auch der Eurofighter-Deal betrachtet werden. Der Türkei, als südöstlichstem NATO-Partner, Herrscher über die Bosporus-Meerenge und angrenzend beziehungsweise in Schlagdistanz zu einer Vielzahl an Konfliktherden im Kaukasus, dem Iran, dem Irak und der Levante, kam schon immer enorme strategische Bedeutung zu. Erdoğan ist sich dessen wohl bewusst. Merz offenbar auch. Denn Mitte Mai hatte Merz die Türkei als wichtigen Alliierten gewürdigt und betont, er werde alles tun, um die Partnerschaft „aufrechtzuerhalten und auch weiter auszubauen”.

Präsident Erdoğan betonte im Zuge des NATO Gipfels, dass die Türkei eine enge Zusammenarbeit mit Deutschland pflege, und äußerte seine Überzeugung, dass sich die Beziehungen in der neuen Periode weiter verbessern werden. Er betonte, dass die Türkei und Deutschland als zwei befreundete und verbündete Länder ein großes Potenzial für die Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Verteidigung, Investitionen und Energie haben.

Eurofighter-Export für die Türkei fast durch – ©Büro Erdogan
In sicherheitspolitsch herrausfordernden Zeiten stehen die Zeichen zwischen Türkei und Deutschland wieder auf Annäherung.

TAI Kaan

Das türkische TAI Kaan-Kampfflugzeug befindet sich im Prototypenstadium (-> Türkischer Stealth-Kampfjet wieder in der Luft). Ob der optimistische Zeitplan für den Kaan eingehalten werden kann, darf zwar angezweifelt werden, dass die Türkei willens und in der Lage ist einen Tarnkappenjäger der fünften Generation zu bauen, aber nicht.

Wie das Eurofighter-Paket für die Türkei konkret aussehen wird, welche Ausrüstung und Bewaffnung es enthält und was es kosten wird, ist noch nicht bekannt. Diese Größenordnungen, sofern sie bekannt werden, dürften aber für die österreichischen Beschaffer von hohem Interesse sein. Das Bundesheer will die aktuellen 15 Eurofighter künftig mit neuen Kampfflugzeugen in vergleichbaren Stückzahlen ersetzen.

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Quelle©Eurofighter, USAF