Das Österreichische Bundesheer sucht einen Nachfolger für seine Tranche 1-Eurofighter. Zur Auswahl stehen laut Militär Aktuell-Recherchen insgesamt sieben Kandidaten der vierten und fünften Generation – darunter mit der F-16 Block 70 auch ein echter Überraschungskandidat.

Mit über 4.600 produzierten Exemplaren seit 1976 ist Lockheed Martins F-16 Fighting Falcon das meistgebaute moderne Kampfflugzeug der vergangenen Jahrzehnte (-> 50 Jahre F-16 und kein Ende in Sicht) – ein echter Klassiker, der sich immer wieder neu erfunden hat. Die aktuelle Version Block 70/72, ebenso wie das Modernisierungsprogramm F-16V zur Anpassung älterer Modelle, erfreut sich weiterhin weltweiter Nachfrage.

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Aus Sicht des Herstellers bleibt das Programm relevant und zukunftsfähig. Produziert wird inzwischen im Werk Greenville, South Carolina, der aktuelle Auftragsbestand liegt bei 117 Maschinen. Davon wurden bis Ende 2025 insgesamt 26 ausgeliefert.

Zwar hat die F-35 als Vertreterin der 5. Generation die Führungsrolle in Sachen Netzwerkfähigkeit und Sensorfusion übernommen, doch die F-16 gilt nach wie vor als kosteneffiziente Lösung für Staaten, die auf moderne Kampffähigkeiten setzen, ohne den finanziellen Aufwand für ein High-End-Stealth-System tragen zu wollen. Damit bleibt die neue Fighting Falcon eine attraktive Brückenlösung – zwischen bewährter Technologie und moderner Einsatzflexibilität.

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Die weiteren Eurofighter-Nachfolgekandidaten beim Österreichischen Bundesheer

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Technisch bietet der Block 70/72, ausgestattet je nach Kundenwunsch mit einem GE F110- oder P&W F100-Triebwerk, erhebliche Verbesserungen. Das Northrop Grumman APG-83 AESA-Radar liefert eine deutlich gesteigerte Zielerfassung und Situational Awareness. Dazu kommen aktualisierte Avionik, neue Missionscomputer und ein modernisiertes Cockpit, die die Einsatzfähigkeit und Interoperabilität – insbesondere im NATO-Rahmen – weiter erhöhen. Außerdem ist der Block 70 für eine Lebensdauer von bis zu 12.000 Flugstunden ausgelegt.

Der Überraschungskandidat: F-16 Block 70 – ©Militär Aktuell

F-16 Block 70
Hersteller Lockheed Martin
Triebwerk 1 × F110 oder F100
Leistung 130 kN Schub (mit Nachbrenner)
Höchstgeschwindigkeit Mach 2,0+
Bewaffnung Luft-Luft- und Luft-Boden-Bewaffnung, 20- bis 30-Millimeter-Kanone
Spannweite 9,96 Meter
Länge 15,05 Meter

Heute steht die F-16 bei mehr als 25 Luftstreitkräften im Dienst – darunter die USA, Ägypten, Israel, die Türkei, Taiwan, Thailand, Südkorea, die VAE und – seit Kurzem – auch einsatzerprobt (auch in der Drohnenbekämpfung) in der Ukraine. Die jüngste Produktionsserie wurde 2023 an Bahrain ausgeliefert; weitere Lieferungen erfolgen an Bulgarien, Taiwan (F-16V), Griechenland (Block 72) und die Slowakei. Bestellungen liegen zudem aus den Philippinen und der Türkei vor.

Was eine mögliche österreichische Beschaffung betrifft, wird die F-16 gelegentlich als praktische Option gesehen – nach dem Motto: Was für Nachbarn wie die Slowakei oder Bulgarien genügt, müsste auch für Österreich reichen.

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Doch „reichen” allein könnte zu kurz greifen. Für ein Land, das als Nicht-­NATO-Mitglied seine Luftverteidigung künftig robuster und umfassender gestalten will, könnte die F-16 technologisch gesehen nicht weit genug in die Zukunft weisen. Andererseits spielt – wie so oft – auch der budgetäre Faktor eine gewichtige Rolle.

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