Die Vereinigten Arabischen Emirate dürfen keine F-35 kaufen – und setzen nun auf Alternativen. Bei einem Besuch in Südkorea flog Vizeverteidigungsminister Ibrahim Nasser Mohammed Al Alawi persönlich im KF-21 Boramae (-> KF-21 weckt internationales Interesse). Das Manöver könnte Signalwirkung für die Exportchancen des Jets haben – und den Wettbewerb im Stealth-Segment neu beleben.

Die USA schränken den Export der F-35 aus zwei Hauptgründen ein: zum Schutz sensibler Technologie und zur Sicherung des qualitativen militärischen Vorsprungs Israels.

VAE-Vizeverteidigungsminister Ibrahim Nasser Mohammed Al Alawi an Bord einer KF-21 – ©Modgovae
VAE-Vizeverteidigungsminister Ibrahim Nasser Mohammed Al Alawi durfte in einem KF-21 mitfliegen.

So wurde der Verkauf des Jets an Länder wie Thailand, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die Türkei und Taiwan untersagt – teils aus Sorge, dass russische S-400-Luftabwehrsysteme oder chinesische 5G-Netze von Huawei die Tarnkappentechnik kompromittieren könnten. Selbst Großbritannien, als F-35-Level-1-Partner am Bau beteiligt, wurde unter Druck gesetzt, Huawei-Technologie zu verbannen – bis 2027 muss sie aus britischen Netzen entfernt werden.

Die VAE, Katar, Saudi-Arabien und Ägypten hatten Interesse am F-35-Kauf bekundet. Während der ersten Regierungszeit von US-Präsident Donald Trump gab es sogar vorläufige Vereinbarungen über die Lieferung von 50 F-35A an die VAE und 20 F-35A an Ägypten. Doch beide Deals scheiterten an der Weigerung, auf Huawei-5G zu verzichten, sowie an US-Befürchtungen über mögliche chinesische Spionagepräsenz. Zusätzlich beschränkt der US-Israel Strategic Partnership Act von 2014 F-35-Exporte in den Nahen Osten, um Israels militärischen Vorsprung zu sichern. Einzige mögliche Ausnahme: Marokko.

Bundesheer wirbt um Piloten für Luftstreitkräfte

Blick nach Alternativen

Stattdessen orientieren sich die VAE und Ägypten inzwischen an anderen Beschaffungsoptionen – teils als politisches Signal in Richtung Westen. Ägypten soll bereits chinesische J-10C geordert haben, und Abu Dhabi bestellte Ende 2021 ganze 80 Dassault Rafale für 16,6 Milliarden Euro. Immer wieder gibt es zudem Berichte über ein Interesse an Chinas J-20 der 5. Generation.

Eine westliche Alternative könnte der südkoreanische KF-21 Boramae sein, der bereits in mehreren Exemplaren fliegt und 2026 bei der südkoreanischen Luftwaffe in Dienst gehen soll. Am 7. August gaben das Verteidigungsministerium der VAE, Hersteller KAI und der südkoreanischen Luftwaffe RoKAF bekannt, dass eine Delegation aus Abu Dhabi den KAI-Standort Sacheon besucht hat. Höhepunkt: Vizeverteidigungsminister Ibrahim Nasser Mohammed Al Alawi flog persönlich im seltenen zweisitzigen KF-21 – eine Konfiguration, die im Bereich künftiger Kampfflugzeuge eine Ausnahme darstellt.

Laut offizieller Stellungnahme „unterstreicht dieses Lufttreffen die militärischen Beziehungen zwischen Abu Dhabi und Seoul und hebt das Exportpotenzial des KF-21 Boramae hervor”.

©Militär Aktuell

„Wir leben schon in einer 5G-Welt“

Al Alawi ist kein Politiker ohne fliegerischen Hintergrund – er war jahrelang Generalmajor und Befehlshaber der hochgerüsteten VAE-Luftwaffe, unter anderem während der Einsätze im Jemen. Bei Fachkonferenzen im Rahmen der Dubai Airshow – an denen auch Militär Aktuell teilnahm – betonte er schon vor Jahren, warum die 5. Generation für die Emirate unverzichtbar sei:„Es geht um die tägliche Zusammenarbeit mit Partnern in der Region – vom Einsatz von Plattformen der 3. über die 4. bis zur 5. Generation. Wir brauchen einen kämpfenden Datenknoten, um die Sensor-Shooter-Lücke zu schließen, ISR- und Targeting-Kapazitäten gegen asymmetrische Bedrohungen zu steigern und schnelle, sichere Informationsnetze für netzwerkzentrierte Operationen zu gewährleisten.”

Al Alawi weiter: „Wir in den Emiraten leben bereits in einer 5G-Umwelt – ähnlich wie China oder Südkorea. Wir werden diese Technologien zwangsläufig auch in unsere Luftwaffe einführen – und dabei stets den Blick in die Zukunft richten.”

Quelle©Mogovae