Im neuen Format „DroneVation & Defence 2025” brachte Militär Aktuell fast 50 Unternehmen zusammen, die neueste Drohnen- und Abwehrtechnologien präsentierten, während hochkarätige Fachleute über die Zukunft unbemannter Systeme und deren Abwehr diskutierten.
Mit der Premiere von „DroneVation & Defence 2025” setzte Militär Aktuell am 23. September in Wien ein starkes Signal. Rund 700 Fachbesucherinnen und -besucher aus Militär, Industrie, Wissenschaft und Behörden nutzten das neu geschaffene Symposium, um sich über die Zukunft unbemannter Systeme und die Herausforderungen der Drohnenabwehr auszutauschen. Mehr als 40 nationale und internationale Unternehmen präsentierten ihre Technologien und Lösungen, von großen Konzernen bis zu spezialisierten Nischenanbietern.
Auf der Ausstellungsfläche zeigten Aaronia, Accurision, AIR6 Systems, Airlabs Austria, das Austrian Institute of Technology, Alphacam, Beeta Technologies, Belassi, Counter Drone Technology/MyDefence, Destinus, die Drei Bond GmbH, Diehl, Edge Group mit Halcon, die FH Wiener Neustadt, Frequentis, General Atomics, Globe Flight, Hensoldt, Hybrid Aerospace, IABG, IAV, Intec, Joanneum Research, Lockheed Martin, die Luftkraft Technologies, der Milizverband Österreich, Moodro Tech, ODM, Pankl, Pidso, Prirevo, Quantum Systems, Recon Europe, Rheinmetall, Safran, Schiebel, Securiton, Stark Defence, Strategy&, Tasmanian Tiger, Thales, die Theresianische Militärakademie, Trivion, TRL Drones, TTTech, Walaris, Will-Burt Germany sowie die Kyivskyi Alliance ihre jüngsten Entwicklungen.
Das breite Spektrum von Drohnensensorik über unbemannte Plattformen und Abwehrsysteme bis zu Softwarelösungen und Ausbildungskonzepten machte zudem deutlich, wie dynamisch sich das Themenfeld entwickelt und wie eng Technologie, Taktik und Rechtsrahmen inzwischen miteinander verknüpft sind.
Nach der Begrüßung durch Moderator Stefan Tesch und Militär Aktuell Chefredakteur Jürgen Zacharias richtete Verteidigungsministerin Klaudia Tanner ihre Grußworte per Videobotschaft an die Teilnehmenden. Generalleutnant Harald Vodosek vom Bundesheer eröffnete mit einer Grundsatzrede. Er spannte den Bogen von interkontinentalen Raketen bis zu kleinsten Drohnen und machte die Bandbreite aktueller Bedrohungen sichtbar. Sein Appell: Wehrhaftigkeit breit denken, sprich militärisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Als Orientierungsrahmen nannte er die vier Kernbereiche Aufklärung, Wirkung, Führung und Schutz, die für Streitkräfte und Unternehmen gleichermaßen handlungsleitend sind.
Generalmajor Gerfried Promberger – Air Chief und Kommandant der Luftstreitkräfte des Österreichischen Bundesheeres – stellte klar, dass Drohnen längst das Zentrum militärischer Planung bilden. Mit einem historischen Rückblick erinnerte er an den 16. September 1955, an dem Österreich die Lufthoheit zurückerlangte, und schlug den Bogen zur Gegenwart. Die jüngsten Drohnenprovokationen auf NATO-Territorium (-> Polen meldet Abschuss russischer Drohnen) hätten gezeigt, dass Verzögerungen von wenigen Stunden gravierende Folgen haben können. Promberger plädierte für schnellere Entscheidungsfindung, für kürzere Innovationszyklen und für eine ernsthafte Rückkehr zu einer robusten Luftverteidigung, die Ausbildung, Technik und Verfahren umfasst.
Matthias Diem und Thomas Bernhard von der Rheinmetall Air Defence zeigten daraufhin, wie integrierte Schutzkonzepte den Luftraum der Zukunft schützen sollen. Im Mittelpunkt ihrer Präsentation stand ein Verbund aus Sensoren, Effektoren und Führungsmitteln, der Bedrohungen rasch erkennt, korrekt klassifiziert und zielgenau bekämpft. Die Vertreter beschrieben, wie ein modulares Systemdesign die Integration von Radar, elektrooptischen Sensoren, elektronischen Störsystemen (Jamming) und Lenkflugkörpern ermöglicht und so schrittweise Kampfwertsteigerungen realisiert. Als Weltpremiere hatte Rheinmetall in Wien sein Skyspotter-System im Gepäck.
Die Präsentation von Peter McArdle von Lockheed Martin knüpfte an die zuvor behandelten Themen an und öffnete den Blick auf die historische Entwicklung der luftgestützten Zusammenarbeit im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und Autonomie. Er führte von den frühen Arbeiten der Skunk Works zurück bis zur D-21 aus dem Jahr 1961, über die massive Beschleunigung und zunehmende Geheimhaltung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bis hin zu den heutigen Konzepten kollaborativer Plattformen. Besonders eindrucksvoll war seine Darstellung, wie sich Autonomie von zentralen Bodenstationen direkt in die Systeme selbst verlagert. Ziel sei es, bemannte Flugzeuge nicht zu ersetzen, sondern zu ergänzen. Offene Referenzarchitekturen und flexible Steuerungsoptionen gelten in diesem Modell als entscheidende Bausteine, um ein konsistentes Verhalten sicherzustellen und gleichzeitig die Integration mehrerer Anbieter zu ermöglichen. Mit der Plattform Vectis präsentierte Lockheed Martin ein konkretes Beispiel für eine überlebensfähige Multi-Mission-Lösung, die Aufklärung, Präzisionswirkung und Kooperation im umkämpften Luftraum verbindet.
Seine Thesen machten deutlich: Die Drohnenära ist keine neue Episode, sondern eine über Jahrzehnte gereifte Evolution. Autonomie müsse interoperabel gedacht werden, flexible Steuerung sei für den Einsatzwert entscheidend, und langfristig gehe es um die Verschmelzung bemannter und unbemannter Systeme.
Einen besonderen Schwerpunkt setzte indes die Keynote von Stephan Kraschansky (Aaronia). Er zeigte eindrucksvoll, wie moderne Sensorik und integrierte Systeme neue Maßstäbe in der Drohnenerkennung und Abwehr setzen. Dabei machte er deutlich, dass nur flexible und skalierbare Lösungen in der Lage sind, die wachsende Vielfalt an Bedrohungen frühzeitig zu erfassen und zuverlässig zu neutralisieren. Kraschansky unterstrich zudem die zentrale Rolle innovativer Technologien für den Schutz kritischer Infrastrukturen und die Zukunft militärischer Einsatzkonzepte. Mit seiner Präsentation lieferte er nicht nur konkrete technologische Einblicke, sondern auch wertvolle Impulse für den weiteren Fachaustausch auf der „DroneVation & Defence 2025”.
Daran anschließend rückte Oberst Markus Reisner vom Bundesheer gemeinsam mit seinem dreiköpfigen Team ein Thema ins Zentrum, das den Krieg in der Ukraine nachhaltig geprägt hat: First-Person-View-Drohnen. Die Vortragenden machten deutlich, dass diese günstigen, ursprünglich aus der Hobby- und Rennszene stammenden Systeme das Gefechtsfeld verändern. Während eine FPV-Drohne für wenige hundert Euro selbst gebaut werden kann, lassen sich mit ihr Ziele im Millionenbereich ausschalten. Schätzungen zufolge sind bis zu 70 Prozent der beschädigten russischen Fahrzeuge im Ukraine-Krieg auf solche Systeme zurückzuführen. Reisner betonte, dass das Bundesheer den Bau und die taktische Nutzung von FPV-Drohnen bereits in die Offiziersausbildung integriert, um künftige Führungskräfte frühzeitig mit Chancen und Risiken vertraut zu machen. Ergänzend präsentierte sein Team das Projekt Counter UAS Tecla, das auf handelsüblichen Komponenten basiert und Drohnensignale zuverlässig erkennt.
Militär Aktuell Podcast #11: Markus Reisners Drohnenperspektiven
Das Fazit Reisners war eindeutig: Die eigentliche Revolution liegt nicht allein in der Technik, sondern in der Billigkeit dieser Systeme. Innovation, oft getragen durch die Expertise der Miliz, ermögliche Lösungen mit minimalem Mitteleinsatz. Die nächste Stufe werde die Integration von Künstlicher Intelligenz sein, entscheidend sei es, Offiziere rechtzeitig an diese Realität heranzuführen.
Vor der Mittagspause rundete Andreas von Stauffenberg von General Atomics den informativen Vormittag ab. Er stellte die Rolle von Male-Drohnen als multimissionsfähige Systeme heraus, die Aufklärung, Überwachung und präzise Wirkung in einer Plattform bündeln. Besondere Bedeutung maß er ihrer Fähigkeit zu, auch unter widrigen Bedingungen verlässlich zu operieren und so entscheidend zur Durchhaltefähigkeit moderner Streitkräfte beizutragen.
Der Nachmittag startete mit einem Panel zum Thema „Der Schutz kritischer Infrastruktur”. Unter der Moderation von Thomas Feßl von der ARGE Sicherheit & Wirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) diskutierten Thomas Vahrner vom Einsatzkommando Cobra, Oberst Hannes Ring vom Bundesheer, Josef Bogensperger vom Verbund und Marcel Lehner von den Wiener Stadtwerken. Schnell wurde deutlich, wie groß die rechtlichen Unsicherheiten sind: Während die Cobra auf Basis des Sicherheitspolizeigesetzes handeln könne, fehle es im Luftfahrtrecht an einer entsprechenden Grundlage. Für das Bundesheer wiederum seien die Möglichkeiten in Friedenszeiten beschränkt, wie Oberst Ring hervorhob.
Auch die Betreiber zeichneten ein schwieriges Bild. Bogensperger stellte klar, dass Betreiber kritischer Infrastruktur im Ernstfall oft nur die Polizei verständigen könnten. Lehner berichtete, dass die Wiener Stadtwerke bereits mit Nebellösungen experimentierten, diese aber schnell an ihre Grenzen stießen. Gefordert wurde eine zentrale Überwachungseinheit für den gesamten Luftraum, insbesondere in Großstädten. Das Fazit des Panels lautete, dass Österreich vor einer erheblichen Schutzlücke steht, die ohne neue gesetzliche Grundlagen, verbesserte technische Fähigkeiten und eine engere Zusammenarbeit zwischen Betreibern, Polizei und Militär nicht geschlossen werden kann.
Im weiteren Verlauf folgten zwei Keynotes, die den Blick noch einmal erweiterten. Brigadier Erich Weissenböck vom Bundesheer schilderte die laufende Fähigkeitsentwicklung unbemannter Systeme in Österreich, von Ausbildung und Organisation bis zu Technologie und Einsatz. Andreas Rupprecht von Harpia Publishing wiederum zeichnete unter dem Titel „Von der Massenware zum High-Tech” Chinas Drohnenstrategie nach und zeigte, wie das Land in kürzester Zeit von kommerziellen Standardprodukten zur Entwicklung hochspezialisierter militärischer Systeme übergegangen ist.
Einen inhaltlichen Höhepunkt bildete das zweite Panel, das sich mit Innovationszyklen im Bereich Drohnen und Drohnenabwehr befasste. Unter der Moderation von Jürgen Zacharias, Chefredakteur von Militär Aktuell, diskutierten Brigadier Rudolf Zauner vom Bundesheer, Eva-Maria Kern von der Universität der Bundeswehr München, Moritz Vischer von der Visioneering GmbH und Josef Kranawetvogl von Stark. Die Runde zeigte die Spannungsfelder deutlich auf: kurze Innovationszyklen stehen konservativen Beschaffungsprozessen gegenüber. Kern verwies auf die Rolle von Grundlagenforschung und Universitäten, Vischer hob die Geschwindigkeit und Risikobereitschaft von Start-ups hervor, Kranawetvogl betonte die Anpassung an unmittelbares Nutzerfeedback, und Zauner mahnte, Innovation müsse in geordneten Bahnen verlaufen. Einig war man sich, dass nur das Zusammenspiel von Militär, Industrie und Wissenschaft nachhaltige Wirkung entfalten kann.
Nach der Kaffeepause folgte ein dichter Block an Fachvorträgen. Oberst Thomas Kettinger vom Bundesheer widmete sich der Einführung von „Drohnen 2.0”, Oberst Klaus Stutzmann vom Bundesheer sprach über die Weiterentwicklung der Drohnenabwehr, Daniela Hildenbrand von Hensoldt präsentierte das seit Jahren einsatzerprobte Elysion-System, Thibault Karablin von Thales erläuterte die Präzision von 70-Millimeter-Raketen für UAVs, Susanne Winderl von IABG zeigte aktuelle Herausforderungen der C-UAS-Systeme, Fabian Ochsner von Halcon/Edge Group stellte Sky Knight als integrierte Schutzlösung vor und Nick Reiff von PwC schloss mit dem Konzept „C-UAS as a Service”.
Anschließend diskutierten Österreichs Rüstungschef Generalleutnant Harald Vodosek und Bernhard Müller von PwC über die Zukunftsfähigkeit des Beschaffungswesens. Vodosek betonte die Weiterentwicklung bestehender Strukturen, Müller warb für As-a-Service-Modelle, die das Technologierisiko auf die Industrie verlagern und kontinuierliche Modernisierung sichern.
Obwohl der Netzwerkabend bereits eröffnet war, blieb das Auditorium gefüllt, als Jürgen Zacharias Oberstleutnant Rüdiger Rauch von der Bundeswehr für eine Art Kamingespräch als letzten Programmpunkt auf die Bühne bat. Rauch beschrieb die Geschwindigkeit der aktuellen Entwicklungen als „Dreadnought-Moment”, einen vollständigen Wandel des Gefechtsfelds, der Luft, Land und See gleichermaßen erfasst. Er plädierte für einen mehrschichtigen Ansatz in der Drohnenabwehr und warnte davor, billige Drohnen mit überteuerten Raketen zu bekämpfen.
Sein Fazit zu „DroneVation & Defence”: eine Veranstaltung, die durch Breite und Tiefe gleichermaßen wertvoll ist und das Potenzial hat, sich im sicherheitspolitischen Kalender zu etablieren.
Hier geht es zu weiteren Berichten und Interviews rund um die „DroneVation & Defence 2025”:
- Interview mit Robin Deutsch von Airlabs.
- Interview mit zwei Vertretern von Schiebel (Michael Hofstätter und Nikolaus Weihs).
- Interview mit Matthias Diem von Rheinmetall über die Weltpremiere des Drohnenabwehrsystems Skyspotter.
- Zusammenfassung einer Podiumsdiskussion zum Thema Beschaffungszyklen.
Hier geht es zu unserem Drohnen-Themenbereich mit allen aktuellen News zum Thema.









