Die Ukraine hat bei Quantum Systems seit Kriegsbeginn mehrere Hundert Vector-Aufklärungsdrohnen geordert. Wie werden die Drohnen eingesetzt? Und wie fließen Erkentnisse aus dem Krieg in die Weiterentwicklung des Produkts ein? Ein Gespräch mit Managing Director und Chief Sales Officer Sven Kruck.

Herr Kruck, ihr Unternehmen ist ein Paradebeispiel dafür, dass zivile Technik immer öfter auch militärische Anwendung findet. Wie gehen Sie damit um?
Wir sind eine Dual-Use-Company. Wir produzieren Hardware-, Software- und KI-Komponenten sowohl für gewerbliche Kunden als auch für Regierungsbehörden und das Militär. Zu Beginn des Jahres haben wir in einem Strategie-Projekt das Thema Dual-Use intensiv diskutiert und klare Vorteile für uns als Unternehmen, vor allem aber auch für unsere heterogenen Kundengruppen herausgestellt.

Inwiefern?
Unsere militärischen Kunden profitieren beispielsweise von kurzen Innovationszyklen und der Geschwindigkeit unserer Entwicklung. Gleichzeitig bieten wir unseren gewerblichen Kunden felderprobte und äußerst robuste Systeme für ihre Projekte in der Welt der Vermessung.

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Drohnen von Quantum Systems sind auch im Ukraine-Krieg im Einsatz. Um wie viele Drohnen handelt es sich und welche Aufgaben übernehmen sie?
Unsere Drohnen sind bereits seit Mai 2022 in der Ukraine im Einsatz. Bis Ende 2024 werden wir mehrere Hundert Systeme in die Ukraine geliefert haben. Die Aufgaben unserer Drohnen sind die Aufklärung und Überwachung aus der Luft, Aufklärungsziele und intelligente Live-Daten zu liefern, die dann nach Datenübermittlung in die Battle-Management-Systeme zur Feuerleitunterstützung und zum Battle Damage Assessment genutzt werden.

@Quantum Systems
Sven Kruck ist Managing Director und Chief Sales Officer von Quantum Systems. Das Unternehmen wurde 2015 gegründet und hat seinen Hauptsitz am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen in der Nähe von München.

Welche Rückschlüsse lassen sich daraus für die Weiterentwicklung ziehen? Sind Anpassungen geplant oder bereits umgesetzt?
Der Lernprozess ist enorm wichtig. Wir sind täglich mit den Operateuren im Kriegsgebiet und mit unserem Service Support Training and Logistic Center vor Ort in der Ukraine im Austausch und erhalten direktes Feedback zu unseren Systemen. Daraus resultierende und notwendige Anpassungen finden permanent statt. Diese Anpassungen beziehen sich einerseits auf die Hardware, aber auch auf die Software und auf den Autopiloten. Kürzlich haben wir beispielsweise einen Optical Flow Sensor eingeführt, der einen millimetergenauen Start und eine exakte Landung ohne GNSS-Daten ermöglicht.

Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen: Drohnen übernehmen militärisch jetzt schon viele Aufgaben. Wird diese Entwicklungen anhalten? Werden Drohnen in künftigen Konflikten noch wichtiger?
Ja, die Entwicklung wird anhalten. Drohnen werden in zukünftigen Konflikten eine wesentliche Rolle spielen. Dies bedeutet, dass Streitkräfte in der Zukunft über diese Fähigkeit verfügen müssen. Einerseits in der Breite aller Truppengattungen als unterstützendes Element, anderseits auch in der Ausrichtung in der Tiefe als eigene Truppengattung und Spezialfähigkeit. Dies erfordert in der Umsetzung: das Asset der Drohne, die Truppeneinheiten und Ausbildungszentren sowie vor allem das Verständnis zur modernen Gefechtsführung und das Verständnis für den vierdimensionalen Raum. Die Themen Swarming und KI-Technologie werden dabei neue Einsatzmöglichkeiten für Drohnen darstellen.

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Quelle@Quantum Systems