Vom 23. bis zum 25. Februar fand in Aurora, Colorado, das jährliche AFA Warfare Symposium 2026 der Air & Space Forces Association statt. Die Veranstaltung widmet sich zentralen Herausforderungen gemeinsamer („Joint”) Kriegsführung, bietet hochrangige Panels, Technologieausstellungen und Austausch mit Führungskräften der US Air Force und der US Space Force. Zugleich ist das Symposium eine wichtige Plattform für Industriepremieren. Heuer sorgte insbesondere ein Großmodell der Lockheed Martin F-22 Raptor für Aufmerksamkeit.

Neue Tanks – die dran bleiben sollen

An dem Modell waren neue, strömungsgünstige „Low Drag Tanks” ohne Heckflossen zu sehen – offenbar produktionsrepräsentativ, wie Personal von Lockheed Martin bestätigte. Diese Tanks sind keine klassischen Abwurftanks mehr. Ziel ist es, sie während eines gesamten Einsatzes nicht abwerfen zu müssen.

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Bisher standen für die F-22 große, nicht-stealthfähige Zusatztanks zur Verfügung, die zwar Reichweite brachten, aber Signatur und Manövrierfähigkeit massiv beeinträchtigten. Im Gefecht würden sie bei den ersten Anzeichen einer Bedrohung abgeworfen, unabhängig vom Füllstand. Die neuen Tanks hingegen sind so gestaltet, dass sie die Radarsignatur möglichst wenig erhöhen und auch hohe G-Lasten mittragen können. Damit entsteht faktisch eine semi-permanente Reichweitenerweiterung, ohne den Kernvorteil des Stealth-Jets grundlegend zu kompromittieren.

Hintergrund: „Tyranny of Distance“

Die F-22 wurde Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre primär für den europäischen Einsatzraum konzipiert – mit Fokus auf Luftüberlegenheit gegenüber damaligen russischen Mustern wie der Sukhoi Su-27 oder der Mikoyan MiG-29. Entsprechend war die Reichweite kein dominierender Faktor.

Des „Raptors” neue, längere Krallen – ©AFA Magazine
Die großen Einsatzdistanzen speziell im indo-pazifischen Raum machten die neuen, dauerhaften Tanks notwendig.

Im indo-pazifischen Raum stellt sich das anders dar. Die „Tyranny of Distance” erfordert größere Einsatzradien. Mit den bisherigen externen Tanks waren zwar Überführungsreichweiten von mehreren tausend Kilometern möglich, im Gefecht jedoch mussten sie abgeworfen werden. Ein Widerspruch zum Stealth-Konzept.

Die neuen Low-Drag-Tanks könnten, bei ähnlicher Treibstoffmenge wie bisher, den Kampfradius deutlich erhöhen, ohne im Gefecht entfernt werden zu müssen. Das würde insbesondere in Szenarien rund um Taiwan oder das Südchinesische Meer operative Spielräume erweitern.

…und das ist noch nicht alles

Am ausgestellten Modell waren zudem außen montierte Infrarot-Such- und Zielerfassungssysteme (IRST) erkennbar. Diese erlauben es, Ziele passiv anhand ihrer Wärmesignatur zu erfassen, ohne das bordeigene Radar, das AN/APG-77, aktivieren zu müssen.

Das ist insofern bedeutsam, als jede Radaraktivierung elektromagnetische Emissionen erzeugt und damit die eigene Position verrät. IRST-Systeme hingegen arbeiten passiv. In Verbindung mit Vernetzung mehrerer Flugzeuge können so dreidimensionale Zielkoordinaten generiert werden. Dies markiert einen deutlichen Fortschritt für die bislang eher eingeschränkt netzwerkfähige F-22.

Des „Raptors” neue, längere Krallen – ©Georg Mader
In den 2030er-Jahren sollte die Raptor-Flotte ausgedünnt beziehungsweise ausgemustert werden. Nun dürfte sie aber durch eine modernisierte Version der F-22 erweitert werden.

Zusammen mit den neuen Tanks deutet dies auf eine umfassende Modernisierung des Raptors hin: größere Reichweite, erweiterte Sensorik und verbesserte Einsatzflexibilität – angepasst an die strategischen Anforderungen im Indo-Pazifik.

Raptor 2.0

De facto entsteht eine Art neuer Raptor. Ein „Raptor 2.0”, deutlich leistungsfähiger als die heutige Lockheed Martin F-22 Raptor. In gewisser Weise erinnert das Modell an jene Evolutionsstufe, die es wohl gegeben hätte, wäre die Produktion 2009 nicht bei 186 Flugzeugen gestoppt worden, sondern wie ursprünglich geplant auf 450 oder gar 750 Maschinen ausgedehnt worden.

Noch vor wenigen Jahren sah die Planung der US Air Force vor, die Raptor-Flotte ab etwa 2030 auszudünnen oder auszumustern. Nun deutet vieles darauf hin, dass um 2030 modernisierte F-22 mit „schärferen Krallen” im Dienst stehen werden. Geplant sind sogenannte Brückenfähigkeiten zwischen Jets der 5. und 6. Generation. Subsysteme sollen unter realen Bedingungen erprobt werden – auch mit Blick auf die Integration in Boeings künftige F-47 (-> NGAD F-47 soll bereits 2028 abheben).

Ein Teil der aktuellen Modernisierung ist allerdings auch Aufholarbeit. Infrarot-Such- und Zielerfassung (IRST) oder helmgesteuerte Zielsysteme waren bislang nicht Teil der F-22, obwohl sie bei vielen Jets der 5. und selbst 4. Generation Standard sind – etwa bei Lockheed Martin F-35 Lightning II, General Dynamics F-16 Fighting Falcon, McDonnell Douglas F-15 Eagle oder dem Eurofighter Typhoon.

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Der Raptor war zwar bereits der wohl leistungsfähigste BVR-Luftüberlegenheitsjäger, musste im Nahbereich jedoch die Nase auf das Ziel richten. Mit IRST und Helmvisier ändert sich das. In Kombination mit einem potenziellen Kampfradius von über 1.200 Kilometern könnte die modernisierte F-22 ihre Rolle als „König des Hügels” bis zur Ablösung durch die F-47 behaupten, sofern Zeitplan und Budget halten.

Zusätzlich erhält die Flotte bei Pratt & Whitney Upgrades für die F119-Triebwerke: mehr Schub, höhere Zuverlässigkeit und vereinfachte Wartung. Eine neue offene Softwarearchitektur soll künftige Modernisierungen erleichtern. Insgesamt belaufen sich die geplanten Verbesserungen auf rund 9,3 Milliarden Euro.

Und am F-35?

Die neuen Low-Drag-Tanks der F-22 sind als semi-permanente Anbauten konzipiert. Eine direkte Übertragung auf die F-35 dürfte aufgrund unterschiedlicher Geometrien schwierig sein. Frühere Versuche, getarnte Unterflügel-Treibstofftanks für die F-35 zu entwickeln, scheiterten an technischen Hürden.

Des „Raptors” neue, längere Krallen – ©Georg Mader
F-22 und F-35 gemeinsam in der Luft.

Gerade für die trägergestützte Lockheed Martin F-35C Lightning II wäre zusätzliche Reichweite jedoch relevant. Zwar besitzt sie innerhalb der F-35-Familie den größten Einsatzradius, doch angesichts chinesischer A2/AD-Fähigkeiten und weitreichender Anti-Schiffs-Waffen bleibt die Reichweite eine Herausforderung.

Das laufende Block-IV-Upgrade der F-35 sieht derzeit keine stealthfähigen Zusatztanks vor. Externe konventionelle Tanks sind möglich, beeinträchtigen jedoch die Signatur. Eine Übergangslösung bis zu einem künftigen Marinejäger der 6. Generation (FA-XX) ist derzeit nicht absehbar. In einem solchen Szenario müssten modernisierte F-22 und künftig die Northrop Grumman B-21 Raider (-> B-21 versus B-2: Kleiner, günstiger, aber schlagkräftiger) zusätzliche Aufgaben übernehmen.

Weitere Premieren

Des „Raptors” neue, längere Krallen – ©USAF
Die „Fury” von Anduril bei ihrem ersten Testflug mit AMRAAM-Lenkwaffen.

Neben der F-22 waren auf dem Symposium auch neue unbemannte Systeme zu sehen. So präsentierte Shield AI seine X-BAT-Drohne in weiterentwickelter Delta-Konfiguration. Ebenfalls ausgestellt war die Fury von Anduril Industries, ein kollaboratives Kampfflugzeug, das am 31. Oktober 2025 erstmals flog und inzwischen mit AMRAAM-Lenkwaffen gezeigt wurde.

Beide Systeme wirken im direkten Größenvergleich deutlich größer, als frühere Darstellungen vermuten ließen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Zukunft der Luftkriegsführung zunehmend von leistungsfähigen, bewaffneten Begleitdrohnen geprägt sein dürfte.

Hier geht es zu weiteren Meldungen rund um Lockheed Martin und hier zu weiteren Berichten rund um die US-Streitkräfte.

Quelle©AFA Magazine, Georg Mader, USAF